Radosław Sikorski betonte während der Podiumsdiskussion „Krieg und Frieden“, dass Putin seit 13 Jahren im Donbass kämpfe und nicht in der Lage sei, die Region vollständig unter Kontrolle zu bringen – geschweige denn die gesamte Ukraine zu erobern. „Wenn wir uns gut organisieren und bis zum Ende des Jahrzehnts die Armee aufbauen, die wir planen, wäre es Wahnsinn, uns anzugreifen“, sagte der Vizepremier.
Zugleich müsse man sich gründlich vorbereiten. Der Minister verwies auf die Lage an den ukrainischen Frontabschnitten und betonte, dass Soldaten je nach Intensität der Kämpfe Erholungsphasen erhalten müssten. Ein Soldat sei nach drei bis neun Monaten erschöpft. „Das ist von großer Bedeutung. Das Problem in der Ukraine ist, dass es zu wenige Soldaten gibt. Viele dienen mehrere Jahre an der Front. Das ist dramatisch“, sagte Sikorski.
Sikorski: Wir Politiker müssen den Menschen die Wahrheit sagen
Nach Ansicht des Außenministers ist das Bewusstsein für Bedrohungen von zentraler Bedeutung. In diesem Zusammenhang verwies er auf das Beispiel Großbritanniens. Der Verteidigungsminister sei zurückgetreten, weil ihm das Finanzministerium keine zusätzlichen Mittel für die Aufrüstung bewilligt habe. „Diese Mittel wurden nicht bereitgestellt, weil den Politikern das Bewusstsein für die Bedrohung fehlt“, sagte Sikorski.
Er erinnerte daran, dass politische Morde im Auftrag Russlands in Großbritannien bereits früher begonnen hätten. Zudem hätten russische Akteure die Unterwasserinfrastruktur kritischer Netze kartiert. Gegen den Premierminister seien Saboteure eingesetzt worden, die sein Haus in Brand gesetzt hätten. „Das Problem ist, dass die Regierung versucht hat, die Bedrohung herunterzuspielen. Wir Politiker müssen den Menschen jedoch die Wahrheit sagen“, betonte der Minister. Die Regierung informiere die Bürger mit dem gebotenen Ernst darüber, dass „wir einen Feind haben, der uns schaden will und uns gegenüber sehr schlechte Absichten hegt“. Bereits 2022, wenige Tage vor der russischen Invasion, habe Sikorski auch eine ukrainische Delegation vor dem bevorstehenden Angriff gewarnt. Die Delegationsmitglieder hätten dies jedoch nicht glauben wollen.
Die Debatte „Krieg und Frieden“ war der Auftakt des Psychologiekongresses und -festivals Re_Mind. An der vom 22. bis 24. Juni stattfindenden Veranstaltung nehmen mehr als 200 Referenten teil. Zu den Gästen zählen der international renommierte Psychologe Robert B. Cialdini sowie die Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk. Veranstaltungsort ist das Kongresszentrum Wrocław. Organisiert wird das Ereignis von der Universität SWPS, die zugleich Initiatorin des Kongresses ist, gemeinsam mit dem polnischen öffentlich-rechtlichen Fernsehen TVP und der Stadt Wrocław. Zu den Medienpartnern gehören die Nachrichtenagentur PAP sowie das Wissenschaftsportal „Nauka w Polsce“.
PAP/X/ps