Deutsche Redaktion

„Süddeutsche Zeitung“ kritisiert Verzögerung bei Hilfen für polnische NS-Opfer

29.06.2026 11:48
Die Bundesregierung verzögert nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung weiterhin eine Entscheidung über finanzielle Hilfen für noch lebende polnische Opfer der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Die Zeitung spricht von einem „quälenden Warten auf eine gute Geste“ und kritisiert die ausbleibende Entscheidung scharf.
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Bild:Everett Collection/ Shutterstock

Dem Bericht zufolge leben noch rund 50.000 polnische Opfer des NS-Regimes. Während innerhalb der Bundesregierung weiter über ein mögliches humanitäres Unterstützungsprogramm beraten werde, sterben nach Angaben der Zeitung jeden Monat etwa 1.000 Betroffene.

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hat die polnische Regierung Berlin einen konkreten Vorschlag unterbreitet. Demnach sollen die Betroffenen über die Stiftung Deutsch-Polnische Aussöhnung jährlich 10.000 Złoty erhalten. Die Gesamtkosten würden nach vorsichtigen Schätzungen bei rund 300 Millionen Euro liegen und könnten über mehrere Jahre verteilt werden.

Bundeskanzler Friedrich Merz hatte Ende 2025 die historische Verantwortung Deutschlands gegenüber Polen bekräftigt. Die Bundesregierung hält jedoch weiterhin daran fest, dass die Reparationsfrage rechtlich abgeschlossen sei. Diskutiert werde ausschließlich ein freiwilliger „humanitärer Gestus“.

Als Gründe für die Verzögerung werden laut der Zeitung rechtliche Bedenken, die Sorge vor Forderungen anderer Staaten sowie die angespannte Haushaltslage genannt.

In einem Kommentar bezeichnet der Autor Daniel Brössler das Zögern der Bundesregierung als „Schande“. Je länger Deutschland die polnischen NS-Opfer hinhalte, desto größer werde die moralische Verantwortung. Der Eindruck, dass durch die Verzögerung letztlich Geld gespart werden solle, dürfe nicht entstehen, schrieb Brössler.


SZ/jc

 

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