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NATO beschließt Ukraine-Hilfen – Prag und Bratislava stellen sich quer

09.07.2026 11:10
Die NATO bekräftigt in Ankara Artikel 5 und öffnet der Ukraine den Weg zur Patriot-Produktion. Doch Tschechien und die Slowakei verweigern sich dem 70-Milliarden-Euro-Paket – ein neuer Bruch in der Visegrád-Region.
NATO-Banner in der Nhe der Millet-Moschee im Vorfeld des NATO-Gipfels 2026 in Ankara, Trkei, am 6. Juli 2026. Der Gipfel findet vom 7. bis 8. Juli statt und konzentriert sich auf die Strkung der Rstungsproduktion sowie die Sicherung langfristiger Militrhilfe fr die Ukraine. EPAFILIP SINGER Quelle: PAPEPA.
NATO-Banner in der Nähe der Millet-Moschee im Vorfeld des NATO-Gipfels 2026 in Ankara, Türkei, am 6. Juli 2026. Der Gipfel findet vom 7. bis 8. Juli statt und konzentriert sich auf die Stärkung der Rüstungsproduktion sowie die Sicherung langfristiger Militärhilfe für die Ukraine. EPA/FILIP SINGER Quelle: PAP/EPA.Foto: EPA/FILIP SINGER

Die NATO hat auf ihrem Gipfel in Ankara ihre Beistandspflicht bekräftigt und der Ukraine weitere umfangreiche Militärhilfe in Aussicht gestellt. Zugleich wächst in Mitteleuropa der Streit über die Unterstützung Kiews: Tschechien und die Slowakei wollen sich nicht an dem angekündigten 70-Milliarden-Euro-Paket beteiligen.

In der Abschlusserklärung bestätigten die Staats- und Regierungschefs das Prinzip der kollektiven Verteidigung nach Artikel 5 des Nordatlantikvertrags. Ein Angriff auf einen Verbündeten gilt damit weiter als Angriff auf alle. Vor dem Hintergrund früherer Drohungen von US-Präsident Donald Trump, US-Truppen aus Europa abzuziehen, war die Formulierung besonders aufmerksam verfolgt worden. Die Bündnisstaaten erklärten zudem, Russland bleibe eine langfristige Bedrohung für die euroatlantische Sicherheit.

Tauziehen zu Ukraine-Hilfen in Tschechien

Für die Ukraine sieht der Gipfel militärische Unterstützung von 70 Milliarden Euro in diesem Jahr vor. Im kommenden Jahr soll mindestens derselbe Betrag bereitgestellt werden. Doch nicht alle Mitgliedstaaten wollen sich beteiligen. Tschechiens Ministerpräsident Andrej Babiš sagte in Ankara: „Wir schätzen, dass jeder Staat selbst entscheidet. Wir werden uns an diesem Paket nicht beteiligen.“ Europa solle sich stärker auf den Ausbau eigener Verteidigungsfähigkeiten konzentrieren, insbesondere bei gemeinsamen Projekten der Luftverteidigung.

Der tschechische Präsident Petr Pavel widersprach Babiš öffentlich und sprach sich für militärische Hilfe an Kiew aus. „Alle Verbündeten, auch jene in einer schlechteren wirtschaftlichen Lage als wir, schließen sich an, allein um Solidarität auszudrücken. Es müssen keine schwindelerregenden Beträge sein, die Beteiligung selbst zählt“, sagte Pavel. Auch die Slowakei wird sich nach Angaben von Präsident Peter Pellegrini nicht an dem Paket beteiligen. Damit rückt der Umgang mit der Ukraine-Hilfe erneut als Konfliktlinie innerhalb der Visegrád-Region in den Vordergrund.

Trump will Ukraine Produktion von Patriots ermöglichen

Ein weiteres Ergebnis des Gipfels betrifft die ukrainische Luftverteidigung. Trump kündigte bei einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an, die USA würden Kiew die Produktion von Patriot-Flugabwehrsystemen ermöglichen. „Wir werden ihnen das Recht zur Produktion von Patriots übertragen. Wir zeigen ihnen, wie man das macht, denn es ist kompliziert. Aber sie werden diese Komplexität schnell entschlüsseln“, sagte Trump. Da die USA selbst nur über eine begrenzte Zahl von Abfangraketen verfügten, fügte er hinzu: „Wir geben euch eine Lizenz für ihre Produktion. Damit könnt ihr euch nicht mehr beschweren, dass ihr sie nicht habt. Ihr werdet sie selbst herstellen.“

Polens Außenminister Radosław Sikorski warb am Rande des Gipfels für eine engere Zusammenarbeit der NATO-Staaten in der Rüstungsindustrie, bei neuen Kampftechnologien und in der militärischen Koordination. In einem Interview mit der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu sagte er: „Ich hoffe, dass wir nach dem Ende dieses Gipfels überzeugt sein werden, dass wir gegenseitige Unterstützung unserer Industriezweige brauchen, um die Produktion zu erhöhen.“ Sikorski bezeichnete Ankara und Warschau als „starke Punkte des Bündnisses“.

US-Medien ordneten Trumps Auftreten als überraschend versöhnlich ein. Die „Washington Post“, die „New York Times“ und das „Wall Street Journal“ verwiesen darauf, dass der US-Präsident die NATO in Ankara lobte, nachdem er zuvor wiederholt mit scharfen Aussagen gegenüber Verbündeten aufgefallen war.

IAR/PAP/adn

Polen und Verbündete vereinbaren europäisches Wartungszentrum für Patriot-Raketen

07.07.2026 16:30
Polen, die Vereinigten Staaten, Deutschland, die Niederlande und Schweden haben ein Abkommen über die Einrichtung eines europäischen Wartungszentrums für PAC-3-Patriot-Raketen unterzeichnet. Das teilte Polens Verteidigungsminister beim NATO-Gipfel in Ankara mit. Ziel der Zusammenarbeit sei es die Beteiligung europäischer Staaten an der Herstellung moderner Waffensysteme schrittweise auszubauen.

Nato vor Abschlussdeklaration: Polen drängt auf US-Präsenz und Pipelines, Trump droht mit Truppenabzug

08.07.2026 10:36
Polen verweist beim Nato-Gipfel in Ankara auf Rekordausgaben und wirbt für US-Truppen sowie neue Pipeline-Infrastruktur an der Ostflanke. Staatspräsident Nawrocki sagte, er wolle erreichen, dass Leitungen, die heute an der früheren Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland endeten, nach Polen und Mitteleuropa verlängert würden.

Nach NATO-Gipfel: „Europa übernimmt mehr Verantwortung für die Verteidigung des Bündnisses“

09.07.2026 07:25
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