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Treffen Nawrocki-Selenskyj in Ankara: "Polen und die Ukraine blicken in dieselbe Richtung"

09.07.2026 11:29
Kein Durchbruch im Streit um UPA und Wolhynien, aber ein gemeinsames Signal gegen Russland: Polens Präsident Nawrocki und Ukraines Staatschef Selenskyj wollen nach ihrem Treffen in Ankara im Dialog bleiben. In Polen verschärft der Konflikt zugleich die innenpolitischen Spannungen.
Der ukrainische Prsident Wolodymyr Selenskyj und der polnische Prsident Karol Nawrocki posieren fr ein Foto bei ihrem Treffen auf dem NATO-Gipfel in Ankara, Trkei, am 8. Juli 2026. Pressedienst des ukrainischen PrsidentenHandout via REUTERS
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und der polnische Präsident Karol Nawrocki posieren für ein Foto bei ihrem Treffen auf dem NATO-Gipfel in Ankara, Türkei, am 8. Juli 2026. Pressedienst des ukrainischen Präsidenten/Handout via REUTERS Pressedienst des ukrainischen Präsidenten/Handout via REUTERS

Ankara/Warschau – Polen und die Ukraine wollen trotz eines ungelösten Streits über historische Erinnerungspolitik ihren Dialog fortsetzen. Bei einem mehr als einstündigen Treffen am Rande des NATO-Gipfels in Ankara erzielten Polens Präsident Karol Nawrocki und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj keinen Durchbruch in der Frage der Ukrainischen Aufstandsarmee UPA und der Massaker von Wolhynien. Einig zeigten sich beide Seiten aber darin, dass Russland die gemeinsame zentrale Bedrohung bleibt.

Nawrocki sagte nach dem Gespräch, Polen und die Ukraine blickten bei Gefahren für ihre Unabhängigkeit „in dieselbe Richtung“. Russland bleibe für beide Länder „die größte Bedrohung“. Zugleich machte er deutlich, dass die historischen Fragen aus polnischer Sicht offen bleiben. „Es ist uns bei diesem Treffen nicht gelungen, die historischen Fragen zu lösen“, sagte Nawrocki. Man sei auch nicht mit der Erwartung in das Gespräch gegangen, alle Probleme beilegen zu können.

"Fragen der UPA sind nicht verhandelbar"

Der polnische Präsident betonte, für ihn seien „die Fragen der UPA, der Symbole der UPA, nicht verhandelbar“. Auch die Gefühle vieler Polinnen und Polen mit Blick auf den „Völkermord von Wolhynien“ seien „nicht verhandelbar“. Polen erwarte Verständnis von ukrainischer Seite. Zugleich dürften Fragen, in denen es keine Einigung gebe, den konstruktiven Dialog über gemeinsame Interessen nicht unmöglich machen.

Selenskyj stellte nach dem Treffen ebenfalls die gemeinsame Sicherheitslage in den Vordergrund. Auf Telegram schrieb er, es sei ein „wichtiges und notwendiges Gespräch“ gewesen. „Wir haben eine gemeinsame Bedrohung: Russland“, erklärte der ukrainische Präsident. Es sei wichtig, gegenseitiges Verständnis und Unterstützung zu bewahren und gemeinsam zu handeln. „Unsere Länder brauchen ausschließlich starke Beziehungen.“ Beide Präsidenten hätten vereinbart, den Dialog fortzusetzen.

Der Streit hatte sich Ende Mai verschärft, nachdem Selenskyj eine Eliteeinheit der ukrainischen Streitkräfte nach den „Helden der UPA“ benannt hatte. Nawrocki entzog Selenskyj daraufhin am 19. Juni den Weißen-Adler-Orden, die höchste polnische Auszeichnung; Selenskyj schickte ihn per Kurier zurück. In Polen ist die UPA wegen ihrer Rolle bei den Massakern an polnischen Zivilisten in Wolhynien und Ostgalizien während des Zweiten Weltkriegs hoch umstritten. Eine Resolution des Europäischen Parlaments zur UPA hatte die Debatte zuletzt zusätzlich begleitet.

Innenpolitisch sorgt der Konflikt in Polen für Spannungen zwischen Regierung und Präsidentenpalast. Außenminister Radosław Sikorski schrieb auf der Plattform X: „Ich danke den Präsidenten Polens und der Ukraine dafür, dass sie sich während des NATO-Gipfels in Ankara so intensiv bemühen, ein Problem zu lösen, das sie selbst geschaffen haben.“ Die Regierung in Warschau hatte von Beginn an an beide Staatsoberhäupter appelliert, den Streit nicht eskalieren zu lassen.

Auch andere Verbündete dringen auf Deeskalation. Tschechiens Präsident Petr Pavel sagte nach einem Gespräch mit Nawrocki, eine Vertiefung des Streits mit der Ukraine liege nicht im Interesse der Alliierten. Nawrocki habe ihm versichert, die Lage sei „nicht so dramatisch, wie sie dargestellt wird“. Beide Seiten wollten keine Eskalation. 

IAR/PAP/adn

„Polen verliert seinen Einfluss in der Ukraine"

08.07.2026 13:30
Polen verliert seinen Einfluss in der Ukraine und könnte aus Friedensgesprächen ausgeschlossen werden. Polen sollte seine Unterstützung für die Ukraine sorgfältiger abwägen. In der Ukraine werde Polen nämlich als reines Geberland wahrgenommen. Die größte Sorge des ukrainischen Präsidenten sei offenbar, wie leicht sein eigener Botschafter in London ihm die Macht entreißen könnte. Polen hat ein Problem mit der Dauer der Aufenthaltsverfahren – auch für Staatsangehörige hochentwickelter Länder, die für Investitionen in Polen von Bedeutung sind. Mehr dazu im Pressespiegel vom Mittwoch.

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08.07.2026 13:33
In dem angenommenen Text wird die Entscheidung von Präsident Wolodymyr Selenskyj als unnötige und nicht provozierte Eskalation bezeichnet. Eine weitergehende Änderung der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer, die den Beitrittsprozess der Ukraine an Zugeständnisse im UPA-Streit binden sollte, fand keine Mehrheit. 

EP-Resolution zur UPA: „Polen hat Einfluss in der EU“

09.07.2026 08:20
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Mehr Dialog statt öffentlicher Eskalation — Wolhynien-Debatte erreicht europäische Ebene — 10-Punkte-Plan für Gesundheitswesen

09.07.2026 10:45
Polen stehe vor der schwierigen Aufgabe, das Gedenken an Tragödien wie das Massaker von Wolhynien mit den langfristigen sicherheitspolitischen Interessen des Landes in Einklang zu bringen, betonen Experten in ihrer Stellungnahme für Dziennik/Gazeta Prawna. Außerden: Welche Lehren sollte die Ukraine aus dem Warnsignal aus dem Europäischen Parlament ziehen. Und: Wie kann man das Gesundheitssystem heilen? Mehr dazu in der Presseschau.