Deutsche Redaktion
Folge uns auf Google

Folge uns auf Google, um unsere News immer ganz oben zu sehen.

Reset des Verfassungsgerichts? Mehrere Modelle, keine gemeinsame Linie

02.11.2026 12:11
Konfederacja, Razem und PSL verwenden denselben Begriff, verfolgen aber unterschiedliche Wege aus der Krise des Verfassungsgerichts. Auch bei den Gesprächen zwischen Präsident und KO stehen gegensätzliche Darstellungen nebeneinander.
Constitution of The Republic of Poland
Constitution of The Republic of Polandphoto: piosi/Shutterstock

Das Schlagwort „Verfassungsreset“ steht in der Krise des Trybunał Konstytucyjny nicht für einen gemeinsamen Plan. Konfederacja, Razem und PSL verbinden damit unterschiedliche Konzepte. Eine gesicherte Mehrheit für eine Verfassungsänderung ist nicht in Sicht.

Geht es nach Konfederacja-Chef Sławomir Mentzen, sollten alle 15 Richter des Verfassungsgerichts mit einer Dreifünftelmehrheit des Sejm neu gewählt werden. Die ersten Amtszeiten sollen per Los zwischen einem und neun Jahren verteilt werden. Spätere Richter würden jeweils für neun Jahre berufen. Falls der Sejm binnen 60 Tagen keinen Kandidaten wählt, soll die Wahlkommission unter Bewerbern losen, die mindestens 46 Abgeordnete unterstützen.

Adrian Zandberg von Razem fordert ebenfalls, dass sämtliche gegenwärtigen Richter ausscheiden und ein neues Gericht mit einer Mehrheit gewählt wird, die eine Verständigung über die politischen Lager hinweg erzwingt. Władysław Kosiniak-Kamysz von PSL wirbt für einen Verfassungsreset, der das Vertrauen in das Gericht wiederherstellen solle. Ein eigenes detailliertes Verfahren legte er dabei nicht vor.

Konfederacja-Vize Krzysztof Bosak bringt indes eine Verkürzung der Sejm-Legislaturperiode ins Spiel. Bosak stellte einen entsprechenden Beschluss für den Fall einer weiteren Eskalation in Aussicht. Eine Selbstauflösung des Sejm wäre keine automatische Folge der Krise und verlangte mindestens 307 Stimmen.

Jan Grabiec, Leiter der Kanzlei des Ministerpräsidenten, sagte, die Regierungskoalition wolle einen Reset. Für eine Änderung der Verfassung gebe es im Sejm jedoch keine Mehrheit. Zugleich verwies er darauf, dass ein Gesetzentwurf zur Neuregelung der Richterwahl von PiS und dem Umfeld von Präsident Karol Nawrocki abgelehnt worden sei. Grabiec machte zudem darauf aufmerksam, dass der Konflikt von russischen Fakeaccounts durch die Verbreitung von Desinformation angeheizt wird.

Unterschiedliche Darstellungen gibt es auch zum ausgebliebenen Treffen zwischen Nawrocki und der Koalicja Obywatelska. Präsidialsprecher Rafał Leśkiewicz erklärte, aus der KO sei kein Bereitschaftssignal für die Gespräche gekommen. KO-Fraktionschef Zbigniew Konwiński und Grabiec erklärten dagegen, die Partei habe Andrzej Domański und Grabiec als Vertreter benannt. Anschließend sei keine weitere Rückmeldung aus der Präsidialkanzlei eingetroffen. Leśkiewicz zufolge bleibt das Gesprächsangebot offen.

Sejm-Marschall Szymon Hołownia hatte bereits einen Verfassungsneustart und Gespräche zwischen Tusk und Nawrocki angeregt. 

PAP/adn


Polens Verfassungsgericht: Ein jahrelanger Konflikt erreicht seinen Höhepunkt

31.10.2026 22:50
Der Konflikt um das polnische Verfassungsgericht (Trybunał Konstytucyjny, TK) gehört zu den kompliziertesten und zugleich wichtigsten politischen und juristischen Auseinandersetzungen im Polen des 21. Jahrhunderts. Aus Sicht des durchschnittlichen Bürgers mag der Streit um Richterposten wie eine abstrakte Debatte unter Juristen erscheinen. Tatsächlich geht es jedoch um die Grundfesten des Staates: Wer legt das Recht letztverbindlich aus? Welche Vorschriften gelten für die Bürger? Und unterliegen die Entscheidungen der Regierung einer unabhängigen Kontrolle

Verfassungsgericht plant Haushalt 2027. Seine Beschlussfähigkeit bleibt offen

02.11.2026 11:33
Am Dienstag soll die Richterversammlung über den Haushalt 2027 beraten. Doch Gerichtspräsident Święczkowski kündigt einen Boykott an. Auchdie Behandlung suspendierter und umstrittener Mitglieder bleibt ungeklärt.

Vier offene Rechtsfragen hinter dem Machtkampf am Verfassungsgericht

02.11.2026 11:48
Die Suspendierung der bisherigen TK-Spitze soll das Gericht handlungsfähig machen. Doch selbst Kritiker des alten Zustands streiten darüber, ob Korwin-Piotrowska rechtmäßig handelte und welche Folgen der Konflikt für Bürger hat.