Deutsche Redaktion

Polen und Tschechien wollen Rüstungsindustrie stärken

17.02.2026 10:54
Der Ausbau der Rüstungsindustrie, die Sicherheitslage in der Region sowie Infrastruktur- und Energiefragen standen im Mittelpunkt eines Treffens der Außenminister Polens und Tschechiens in Warschau. Polens Chefdiplomat Radosław Sikorski und sein tschechischer Amtskollege Petr Macinka traten am Montag gemeinsam vor die Presse.
Szef MSZ Radosław Sikorski
Szef MSZ Radosław SikorskiMarysia Zawada/REPORTER

Sikorski betonte die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit beider Länder für die Sicherheit Mitteleuropas. Polen beteilige sich unter anderem an der tschechischen Munitionsinitiative und habe im vergangenen Jahr 100 Millionen Euro beigesteuert. Beide Seiten hätten zudem über den Ausbau grenzüberschreitender Infrastruktur sowie über Energiesicherheit gesprochen. Polens Häfen und das Flüssiggas-Terminal stünden auch Tschechien zur Verfügung, sagte Sikorski und bezeichnete Polen als „natürliche Brücke“ der Tschechischen Republik zur Ostsee.

Ein weiteres zentrales Thema war die Ukraine. Beide Minister bekräftigten die Notwendigkeit langfristiger Unterstützung für das von Russland angegriffene Land. Sikorski sprach sich erneut dafür aus, eingefrorene russische Vermögenswerte für den Wiederaufbau und die Unterstützung der Ukraine zu nutzen. Die russischen Angriffe auf Energieinfrastruktur im Winter bezeichnete er als barbarisch.

Darüber hinaus ging es um hybride Bedrohungen und Desinformation. Manipulationen und ausländische Einflussnahme seien ebenso gefährlich wie physische Angriffe, betonte Sikorski. Die Antwort müsse eine stärkere Zusammenarbeit innerhalb von NATO und EU sein. Auch Tschechien habe mit hybriden Bedrohungen zu kämpfen, etwa im Zusammenhang mit der Explosion eines Munitionslagers in der Vergangenheit.

Mit Blick auf die Europäische Union verwiesen beide Minister auf gemeinsame Interessen, darunter die Wettbewerbsfähigkeit Europas und Energiepreise. Sikorski sprach sich für Reformen des europäischen „Green Deal“ und für eine Stärkung der Energiesicherheit aus.

Zur Zukunft der Visegrád-Gruppe (V4) sagte Sikorski, deren Zusammenarbeit habe in den vergangenen Jahren an Dynamik verloren – vor allem wegen unterschiedlicher Positionen zur Sicherheitspolitik und zu Russland. Polen setze dennoch auf eine pragmatische Kooperation in weniger strittigen Bereichen.

Angesprochen auf Berichte über mögliche deutsch-französische Gespräche zu einem europäischen nuklearen Abschreckungsmechanismus reagierten beide Minister zurückhaltend. Polen bleibe Mitglied des Atomwaffensperrvertrags, sagte Sikorski. Über solche Fragen solle öffentlich nicht spekuliert werden. Macinka betonte, im gesellschaftlichen Interesse stehe vor allem die zivile Nutzung der Kernenergie.


PAP/jc

 

Sikorski in München: Europa muss an den Verhandlungstisch

15.02.2026 08:02
Europa trägt nach Angaben des polnischen Außenministers Radosław Sikorski inzwischen den Großteil der Kosten für die Unterstützung der Ukraine und sollte deshalb einen Platz bei möglichen Friedensverhandlungen erhalten. „Derzeit sind wir es, die für den Krieg zahlen. Der amerikanische Beitrag lag im vergangenen Jahr nahe null“, sagte Sikorski am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz.

Nach Schlagabtausch in München: Tschechiens Außenminister reist nach Warschau

16.02.2026 12:00
Nach einem öffentlichen Schlagabtausch auf der Münchner Sicherheitskonferenz reist Tschechiens Außenminister Petr Macinka zu Gesprächen mit seinem polnischen Amtskollegen Radosław Sikorski nach Warschau. Auslöser der Kontroverse waren Macinkas Zweifel am demokratischen Mandat von EU-Institutionen, denen Sikorski entschieden widersprach. Die Debatte über ein mögliches „demokratisches Defizit“ der EU dürfte die bilateralen Gespräche prägen.