DZIENNIK/GAZETA PRAWNA: USA erwägen Truppenverlagerung innerhalb der NATO
Die Regierung von Donald Trump prüft offenbar, US-Truppen aus jenen NATO-Staaten abzuziehen, die Washington im Konflikt mit dem Iran nur unzureichend unterstützt haben. Stattdessen könnten die Kräfte in Länder an der Ostflanke des Bündnisses – etwa nach Polen – verlegt werden. Das berichtet die Zeitung Dziennik/Gazeta Prawna unter Berufung auf Vertreter der US-Administration. Demnach hat der Vorschlag in den vergangenen Wochen innerhalb der Regierung zunehmend Unterstützung unter hochrangigen Beamten gefunden. Er befindet sich jedoch noch in einem frühen Stadium und gilt als eine von mehreren Optionen, um Druck auf die NATO-Partner auszuüben, lesen wir.
Ein vollständiger Rückzug der USA aus dem Bündnis steht dem Bericht zufolge nicht zur Debatte – ein solcher Schritt würde die Zustimmung des Kongresses erfordern. Besondere Unzufriedenheit herrscht in Washington laut der Zeitung gegenüber Spanien, das sich als einziges NATO-Mitglied nicht zu Verteidigungsausgaben in Höhe von fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts verpflichtet habe und zudem Überflüge amerikanischer Militärflugzeuge im Zuge der Iran-Operation untersagt habe. Auch Deutschland steht in der Kritik, nachdem führende Politiker den Militäreinsatz öffentlich beanstandet hatten. Irritationen habe es zudem gegenüber Italien gegeben, das die Nutzung eines Stützpunkts auf Sizilien zeitweise eingeschränkt habe. Frankreich wiederum habe zwar die Nutzung einer Basis im Süden des Landes erlaubt, jedoch unter der Bedingung, dass von dort keine direkt an Angriffen beteiligten Flugzeuge starten.
Von einer möglichen Verlagerung der US-Truppen könnten, laut dem Blatt, insbesondere Polen, aber auch Rumänien, Litauen und Griechenland profitieren. Diese Länder zählen innerhalb der NATO zu den Staaten mit vergleichsweise hohen Verteidigungsausgaben und hatten teils frühzeitig ihre Beteiligung an einer internationalen Mission zur Überwachung der Straße von Hormus signalisiert. Rumänien erklärte sich zudem rasch bereit, seine Militärbasen für die US-Luftwaffe zur Verfügung zu stellen, erinnert Dziennik/Gazeta Prawna.
TYGODNIK POWSZECHNY: Warum sich Polinnen und Polen immer seltener binden
Warum finden junge Menschen in Polen immer seltener dauerhaft zusammen? Dieser Frage geht die Wochenzeitung Tygodnik Powszechny nach. Die Suche beginnt mit einem gedanklichen Rückblick ins Jahr 2008: In der Ortschaft Izdebki wird gerade ein neuer Sportplatz eröffnet, der legendäre Schriftsteller Sławomir Mrożek verlässt erneut das Land, und die öffentliche Debatte wird von der enttäuschenden Leistung der polnischen Fußballnationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Deutschland und Österreich geprägt. Zu den beliebtesten Vornamen zählen damals Julia und Jakub.
So heißen auch die fiktiven Protagonisten des Artikels. Geboren in einer Kleinstadt, besuchen sie im Jahr 2026 dieselbe Schulklasse, vielleicht tanzen sie sogar gemeinsam die traditionelle Polonaise zum Schulabschluss. Doch nach dem Abitur trennen sich ihre Wege. Und nicht nur voneinander: Über mehr als ein Jahrzehnt hinweg entfernen sie sich auch von Gleichaltrigen des jeweils anderen Geschlechts – geografisch, emotional, mental und sogar körperlich.
Begegnungen zwischen jungen Frauen und Männern, die – wie in früheren Generationen – in eine dauerhafte Beziehung münden, sind heute oft schwieriger, manchmal kaum noch möglich und nicht selten gar nicht mehr gewünscht. Der Soziologe Tomasz Szlendak von der Nikolaus-Kopernikus-Universität in Toruń beschreibt dies mit einer Metapher aus dem amerikanischen Comic Peanuts: Eine Figur sehe den Eintritt ins Erwachsenenleben darin, vom Rücksitz auf den Beifahrersitz eines Autos zu wechseln. Studien zur Generation Z zeigten jedoch, dass viele junge Menschen diesen Schritt vermeiden wollten. Da eine feste Partnerschaft als Teil dieses Übergangs verstanden werde, werde auch sie zunehmend aufgeschoben oder ganz ausgelassen. Julia und Jakub bleiben – so das Fazit in Tygodnik Powszechny – noch viele Jahre auf dem Rücksitz.
FAKT: Fahrer für Pfandflaschen in Polen gefragt
In Polen wächst die Nachfrage nach Fahrern, die im Rahmen des neuen Pfandsystems leere Flaschen einsammeln. Es handelt sich um ein vergleichsweise neues Tätigkeitsfeld, das sich derzeit erst am Arbeitsmarkt etabliert. Wie die Zeitung Fakt berichtet, werden in Warschau für solche Stellen rund 5.000 Złoty monatlich, umgerechnet 1200 Euro, gezahlt, oft inklusive Dienstwagen. Ein Verantwortlicher für die Rekrutierung, Marcin, berichtet von großem Interesse: Auf entsprechende Stellenanzeigen hätten sich zahlreiche Bewerber gemeldet.
Der Rekrutierungsprozess verlaufe entsprechend schnell. Viele Interessenten würden sich von der Kombination aus stabilem Einkommen und bereitgestelltem Fahrzeug angezogen fühlen. Die Tätigkeit selbst gilt als vergleichsweise unkompliziert: Fahrer holen bei Geschäften Säcke mit leeren Flaschen ab, die dort von Mitarbeitern bereitgestellt werden. Die Bedienung von Rücknahmeautomaten gehört nicht zu ihren Aufgaben.
Allerdings bringt der Job auch Nachteile mit sich. So kann es insbesondere bei ausgelaufenen Flüssigkeiten im Fahrzeug zu unangenehmen Gerüchen kommen. Insgesamt wird die körperliche Belastung jedoch als moderat beschrieben. Die Bezahlung variiert je nach Angebot, wobei die genannten 5.000 Złoty als Einstieg gelten, informiert die Tageszeitung Fakt.
Autor: Jakub Kukla