Deutsche Redaktion

Ausschreitungen nach Mord an Polen in Southampton

03.06.2026 12:20
Die Veröffentlichung eines Videos, das zeigt, wie Polizisten den sterbenden, durch Messerstiche schwer verletzten 18-jährigen polnischen Studenten Henry Nowak in Handschellen legen, hat am Dienstagabend Ausschreitungen in Southampton im Süden Englands ausgelöst. Demonstranten stießen mit der Polizei zusammen und bewarfen die Einsatzkräfte mit Ziegelsteinen und Flaschen.
Demonstranten vor der Polizeistation im englischen Southampton protestieren gegen Polizeimanahmen nach dem Mord an einem polnischen Studenten.
Demonstranten vor der Polizeistation im englischen Southampton protestieren gegen Polizeimaßnahmen nach dem Mord an einem polnischen Studenten. X

Die britische Innenministerin Shabana Mahmood hat die Vorfälle als „beschämende Gewalt“ verurteilt. Auf X betonte sie, nichts rechtfertige es, „diese Tragödie zur Anstachelung von Gewalt und zur Störung der öffentlichen Ordnung zu missbrauchen“.

Henry Nowak ist am 3. Dezember 2025 in Southampton an den Folgen von Messerstichen gestorben, die ihm der Täter Vickrum Digwa zugefügt hatte. Als die Polizei am Tatort eintraf, beschuldigte Digwa den Polen fälschlicherweise eines rassistischen Angriffs. Die dadurch irregeführten Beamten haben den verblutenden 18-Jährigen festgenommen. Sie ignorierten seine wiederholten Aussagen auf der Aufnahme: „Ich kann nicht atmen“ und „Ich wurde niedergestochen“.

Der Täter wurde am Montag zu lebenslanger Haft verurteilt. Eine Entlassung auf Bewährung kann frühestens nach 21 Jahren Haft geprüft werden. Digwa ist Sikh und hatte sein Opfer mit einem Kirpan angegriffen, einem traditionellen Messer der Sikh-Religion.

Der britische Premierminister Keir Starmer hat das von der Polizei veröffentlichte Video als „grauenhaft“ bezeichnet. Die Umstände des Einsatzes und das Vorgehen der Beamten werden derzeit von der unabhängigen Polizeiaufsichtsbehörde IOPC untersucht.

Die lokale Polizei hat sich vergangenen Freitag für den Vorfall entschuldigt und erklärt, die Einsatzkräfte seien vom Täter in die Irre geführt worden. Am Dienstag hat die Polizei zudem eine Erklärung auf X veröffentlicht, in der sie eine „Welle von Desinformation“ im Internet sowie Drohungen gegen Polizeibeamte verurteilte.

Die Tragödie hat eine breite Debatte über die Standards der britischen Sicherheitskräfte ausgelöst. Der bei der Demonstration am Dienstag anwesende rechte Aktivist Tommy Robinson hat der Polizei vorgeworfen, weiße Bürger wie Menschen „zweiter Klasse“ zu behandeln. Auch der US-Milliardär Elon Musk hat das Vorgehen der Beamten kritisiert und angekündigt, eine Klage gegen die Polizei finanziell zu unterstützen. Der Vater des Verstorbenen Polen hat die Behandlung seines Sohnes als unmenschlich und erniedrigend bezeichnet. 

IAR/PR/ps

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