Kyjiw/Warschau - Bei einem massiven russischen Raketen- und Drohnenangriff auf Kiew sind nach ukrainischen Angaben 14 Menschen getötet und 46 verletzt worden. Unter den Verletzten sind Kinder. Rettungskräfte suchen weiter nach möglichen Verschütteten.
Die Angriffe trafen in der Nacht vor allem Wohngebiete. Nach Angaben der Behörden wurden in vier Bezirken der ukrainischen Hauptstadt Schäden registriert. Besonders schwer betroffen ist der Bezirk Podil, wo eine russische Rakete mehrere Etagen eines neunstöckigen Wohnblocks zerstörte. Zwei weitere mehrgeschossige Wohnhäuser wurden beschädigt. Auch im Bezirk Darnyzja meldeten die Behörden Brände und Schäden an Häusern. In der Region Kiew wurde zudem der Verkehr einzelner Züge gestoppt.
Fehlende Patriots werden zunehmend zum Problem
Nach ukrainischen Angaben setzte Russland insgesamt 351 Drohnen und 68 Raketen ein, darunter 23 ballistische Iskander-Raketen. Mehr als 20 ballistische Raketen seien gegen Kiew gerichtet gewesen. Die ukrainische Luftverteidigung konnte demnach in dieser Nacht keine ballistische Rakete abschießen.
Der Sprecher der ukrainischen Luftwaffe, Oberst Jurij Ihnat, nannte als Grund einen Mangel an Munition für Patriot-Systeme. Russland nutze aus, dass der Ukraine Abfangraketen der Typen PAC-2 und PAC-3 fehlten, und verstärke deshalb Angriffe mit ballistischen Raketen. Präsident Wolodymyr Selenskyj hofft nach ukrainischen Angaben auf Beschlüsse zur Stärkung der ukrainischen Luftverteidigung beim Nato-Gipfel, der in dieser Woche in Ankara beginnt.
Polen lässt Kampfjets aufsteigen
Auch Polen reagierte auf die russische Angriffswelle. Das Operative Kommando der polnischen Streitkräfte teilte am frühen Montag mit, der nächtliche Einsatz militärischer Luftfahrzeuge im polnischen Luftraum sei beendet worden. Bodengestützte Luftverteidigungs- und Radarsysteme kehrten in den normalen Betrieb zurück. „Es wurden keine Verletzungen des polnischen Luftraums festgestellt“, hieß es in der Mitteilung.
Das Kommando dankte den Nato-Verbündeten, darunter dem Nato-Luftwaffenkommando Aircom, Frankreich und den Niederlanden. Französische Flugzeuge hätten „heute geholfen, die Sicherheit am polnischen Himmel zu gewährleisten“, die Niederlande hätten „mit Luftverteidigungssystemen“ unterstützt. Zugleich erklärte das Kommando: „Die Polnische Armee überwacht laufend die Lage auf dem Gebiet der Ukraine und bleibt in ständiger Bereitschaft, die Sicherheit des polnischen Luftraums zu gewährleisten.“
IAR/PAP/adn