Vor seiner Rede betonte die Präsidentin des Europäischen Parlaments, Roberta Metsola, dass seine Freilassung das Ergebnis jahrelanger Bemühungen und Initiativen europäischer Institutionen gewesen sei. Das Europäische Parlament werde weiterhin die Freilassung aller vom Regime Alexander Lukaschenkos festgehaltenen politischen Gefangenen fordern, versicherte sie.
In seiner Rede dankte Andrzej Poczobut für die internationale Solidarität und Unterstützung während seiner Haft. Informationen über die Aktivitäten des Europäischen Parlaments seien auch hinter die Gefängnismauern gelangt und hätten sowohl auf die Gefangenen als auch auf deren Behandlung Einfluss gehabt, erklärte er. Einen großen Teil seiner Rede hat er der Lage der polnischen Minderheit in Weißrussland gewidmet. Er sprach über die Abschaffung des Polnischunterrichts im staatlichen Bildungssystem, das Fehlen legaler polnischsprachiger Medien sowie Maßnahmen gegen den Bund der Polen im autoritären Staat. Seiner Ansicht nach seien die Repressionen gegen die polnische Minderheit Teil einer umfassenderen Politik des weißrussischen Regimes gegen Kreise, die mit europäischen Werten verbunden seien.
Mehr als 850 politische Gefangene warten weiterhin auf Freilassung
Andrzej Poczobut sprach auch über die Lage der Meinungsfreiheit in Weißrussland. Im Land gebe es keine unabhängigen Medien mehr. Journalisten würden verfolgt sowie inhaftiert. Nach den von ihm vorgelegten Angaben befänden sich derzeit mehr als 850 politische Gefangene in weißrussischen Haftanstalten, darunter mehrere Dutzend Journalisten. Der Sacharow-Preisträger rief dazu auf, die Bemühungen zur Freilassung politischer Gefangener fortzusetzen und die Zivilgesellschaft sowie unabhängige Medien weiter zu unterstützen. Er zeigte sich überzeugt, dass Weißrussland künftig Teil der europäischen Wertegemeinschaft sein werde – nicht nur geografisch, sondern auch politisch.
Im letzten Teil seiner Rede sprach Andrzej Poczobut über die Bedeutung der Verteidigung von Demokratie und Menschenrechten weltweit. Wie er betonte, bleibe Autoritarismus eine der zentralen Herausforderungen der Gegenwart. Ihm nach sei die konsequente Unterstützung von Freiheit und Zivilgesellschaft sei eine Voraussetzung für die künftige Einigung Europas.
Andrzej Poczobut wurde 2021 von den weißrussischen Sicherheitsbehörden festgenommen und zu acht Jahren Strafkolonie verurteilt. Seine Freiheit erlangte er am 28. April dieses Jahres im Rahmen eines Gefangenenaustauschs zwischen Polen und Weißrussland zurück. 2025 hat er gemeinsam mit der georgischen Journalistin Mzia Amaglobeli den vom Europäischen Parlament verliehenen Sacharow-Preis für geistige Freiheit erhalten.
IAR/PR/ps