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Politico: EU-Kommission unterstützt Polens Regierungschef im Streit um Verfassungsgericht

02.11.2026 06:30
Der Europäischen Kommission zufolge müsse das polnische Parlament das Recht haben, neue Richter des Verfassungsgerichts zu ernennen. Damit stärkt sie Ministerpräsident Donald Tusk in dem sich zuspitzenden Konflikt um das höchste Gericht des Landes, berichtet Politico.
In dem Streit stehen sich die Regierung des Mitte-Politikers Tusk und der konservative Prsident Karol Nawrocki gegenber. Im Mittelpunkt stehen die Bemhungen, die Justizreform rckgngig zu machen, welche die rechtskonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) zwischen 2015 und 2023 umgesetzt hatte.
In dem Streit stehen sich die Regierung des Mitte-Politikers Tusk und der konservative Präsident Karol Nawrocki gegenüber. Im Mittelpunkt stehen die Bemühungen, die Justizreform rückgängig zu machen, welche die rechtskonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) zwischen 2015 und 2023 umgesetzt hatte.PAP/Radek Pietruszka

Die Europäische Kommission beobachte die Entwicklungen in Polen genau. In einer sorgfältig formulierten Stellungnahme habe sie offenbar die Position Tusks unterstützt, berichtete Politico am Sonntag. „Das polnische Verfassungsgericht muss in der Lage sein, im Einklang mit der polnischen Verfassung und der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union zu arbeiten“, sagte der EU-Kommissar für Demokratie, Justiz und Rechtsstaatlichkeit, Michael McGrath, laut Politico. „Das ist für alle polnischen Bürger von Bedeutung. Es liegt an den polnischen Behörden, dies sicherzustellen“, fügte McGrath hinzu.

Zudem erklärte er, das Beratungsgremium des Europarats für Verfassungsfragen, die Venedig-Kommission, habe deutlich gemacht, dass die Ernennung neuer Richter in die Zuständigkeit des polnischen Parlaments, des Sejm, falle, berichtete Politico.

Premier Tusk will in dem Streit nicht nachgeben

„In einigen Fragen kann es keinen Kompromiss geben“, sagte Tusk in einer Ansprache an die Nation am Samstag. Forderungen nach Versöhnung verglich er mit dem Verlangen eines Diebes, die Hälfte der Beute behalten zu dürfen. „Wir haben zu lange auf das kostbare Gut eines unabhängigen, demokratischen Polens gewartet, als dass wir uns jetzt einschüchtern und zum Rückzug bewegen lassen könnten“, sagte Tusk.

Tusk kritisierte auch Nawrocki, der am Freitag während des Fluges nach Senegal umgekehrt und nach Warschau zurückgekehrt ist, wo er das Gebäude des Verfassungsgerichts, trotz Widerstand einiger Richter, betreten hat. „In einem Rechtsstaat kann ein Politiker nicht ein Gericht oder ein Verfassungsgericht betreten, Anweisungen erteilen oder Richter einschüchtern. Das gilt auch für den Präsidenten“, sagte Tusk.

Präsidialsprecher: persönliche Unversehrtheit des Präsidenten verletzt 

Der Sprecher Nawrockis, Rafał Leśkiewicz, erklärte unterdessen am Sonntag, die Präsidialkanzlei werde bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen die Richter Anna Korwin-Piotrowska, Maciej Berek und Krystian Markiewicz erstatten. Sie hätten „die persönliche Unversehrtheit des Präsidenten verletzt“. 

In dem Streit stehen sich die Regierung des Mitte-Politikers Tusk und der konservative Präsident Karol Nawrocki gegenüber. Im Mittelpunkt stehen die Bemühungen, die Justizreform rückgängig zu machen, welche die rechtskonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) zwischen 2015 und 2023 umgesetzt hatte.

Die Reformen stießen bei europäischen Gerichten auf Kritik. Diese äußerten Bedenken hinsichtlich der Unabhängigkeit der Justiz, berichtete Politico. Der im vergangenen Jahr mit Unterstützung der PiS zum Präsidenten gewählte Nawrocki weigert sich, einige der von der derzeitigen Parlamentsmehrheit gewählten Verfassungsrichter zu vereidigen. Die mit der PiS verbundenen Mitglieder der Gerichtsführung verhindern ihrerseits, dass die Richter ihre Ämter antreten können, berichtete Politico.

PR/Politico/ps

Machtkampf um Verfassungsgericht in Polen eskaliert

30.10.2026 23:36
In Polen spitzt sich der Konflikt um das Verfassungsgericht weiter zu. Am Freitagabend kam es vor dem Gericht in Warschau zu tumultartigen Szenen. Demonstranten durchtrennten eine Absperrkette am Eingang. Gerichtspräsident Bogdan Święczkowski gelangte zwar auf das Gelände, wurde dort aber von der Polizei gestoppt. Zuvor waren drei Menschen festgenommen worden, nachdem sie über den Zaun geklettert waren.

Poczobut zum Konflikt um das Verfassungsgericht: „Jubel in Russland und Weißrussland“

31.10.2026 12:00
„Der Jubel in der weißrussischen und russischen Propaganda war leicht vorherzusehen. Je größer das politische Chaos in Polen, desto größer ist ihre Zufriedenheit. Sie stehen auf keiner Seite des Streits um das Verfassungsgericht. Ihr Interesse ist ein anderes: Sie wollen den Konflikt anheizen. Je mehr wir untereinander zerstritten sind, desto besser für sie“, erklärte Andrzej Poczobut, polnisch-weißrussischer Journalist und Aktivist der polnischen Minderheit sowie der Opposition in Weißrussland. Damit nahm er Bezug auf die turbulente Nacht vor dem Verfassungsgericht.

Präsident lädt Parteichefs zu Gesprächen über Verfassungsgericht ein

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Nach der Eskalation des Konflikts um das Verfassungsgericht hat Präsident Karol Nawrocki die Vorsitzenden der Parteien zu Gesprächen eingeladen. Die Konsultationen sollen am Samstag um 13.00 Uhr beginnen, teilte der Leiter des Präsidentenkabinetts, Paweł Szefernaker, mit. Im Mittelpunkt steht die angespannte Lage am Verfassungsgericht.

Polens Verfassungsgericht: Ein jahrelanger Konflikt erreicht seinen Höhepunkt

31.10.2026 22:50
Der Konflikt um das polnische Verfassungsgericht (Trybunał Konstytucyjny, TK) gehört zu den kompliziertesten und zugleich wichtigsten politischen und juristischen Auseinandersetzungen im Polen des 21. Jahrhunderts. Aus Sicht des durchschnittlichen Bürgers mag der Streit um Richterposten wie eine abstrakte Debatte unter Juristen erscheinen. Tatsächlich geht es jedoch um die Grundfesten des Staates: Wer legt das Recht letztverbindlich aus? Welche Vorschriften gelten für die Bürger? Und unterliegen die Entscheidungen der Regierung einer unabhängigen Kontrolle