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Forscher: Argumentum ad Putinum verliert politische Kraft

06.11.2026 12:01
Polnische Politiker brandmarken Gegner immer wieder als Helfer des Kremls. Forscher sehen darin emotionale Erpressung und beobachten, dass das „argumentum ad Putinum“ an Wirkung verliert.
Kreml
Kremlaarrows/Shutterstock

Der Vorwurf, politische Gegner handelten im Interesse des Kremls, verliert nach Einschätzung polnischer Forscher an Wirkung. Das Schimpfwort „ruska onuca“ und Bezeichnungen wie „Putins nützlicher Idiot“ ersetzten Argumente durch Etiketten, sagte der Politikwissenschaftler Mirosław Karwat von der Universität Warschau.

Zuletzt fragte der PiS-Abgeordnete Artur Szałabawka im Streit um das Verfassungsgericht rhetorisch, ob Donald Tusk nur ein „deutscher Statthalter“ oder auch eine „ruska onuca“ sei. PiS-Abgeordnete Małgorzata Wassermann bezeichnete im Juni Grzegorz Braun ebenso. Parteichef Jarosław Kaczyński warf der heutigen Koalition bereits im Mai 2024 eine „russische Agenda“ vor.

Auch Vertreter des Regierungslagers greifen zu solchen Vorwürfen. Außenminister Radosław Sikorski erklärte im Oktober, er werde mit „russischen Fußlappen“ nicht über Polens Sicherheit sprechen. Die Linken-Abgeordnete Anna Maria Żukowska nannte Karol Nawrocki im Februar 2025 während dessen Präsidentschaftskandidatur so. Der Europaabgeordnete Michał Szczerba schrieb, Nawrocki spreche „mit Lawrows Stimme“.

Karwat zufolge ist diese Rhetorik spätestens seit der Annexion der Krim und dem Beginn der Kämpfe im Donbass 2014 verbreitet, hat aber tiefere historische Wurzeln. Sie sei eine Form emotionaler, moralischer und ideologischer Erpressung. „Wir fällen einfach ein Urteil und kleben ein Etikett auf, wie auf ein Glas“, sagte er. In abgeschlossenen Informationsblasen könne dies funktionieren. Immer mehr Menschen fänden den ständig wiederholten Ausdruck jedoch lächerlich.

Die Politikwissenschaftlerin Małgorzata Myśliwiec von der Schlesischen Universität erklärte, ähnliche Vorwürfe kämen auch in Frankreich, Spanien, Deutschland und Großbritannien vor, wenn auch seltener als in Polen. Beispiele seien Emmanuel Macrons Vorwürfe gegen Marine Le Pen im französischen Wahlkampf 2022, Angriffe auf angebliche „Verbündete Putins“ in Spaniens Regierung sowie die Kritik an Nigel Farage nach dessen Aussagen zur NATO- und EU-Erweiterung.

Jakub Olchowski von der Maria-Curie-Skłodowska-Universität betonte, Russlands „kognitive Maschinerie“ unterstütze alles, was europäische Gesellschaften polarisieren könne, unabhängig von der politischen Richtung. Das „argumentum ad Putinum“ sei in Polen früher politisch vernichtend gewesen. Heute habe es weniger Kraft, weil offen prorussische Milieus ihre Positionen nicht mehr versteckten und damit durchaus Resonanz fänden.

PAP/adn


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