Deutsche Redaktion

„Im Streit mit der Ukraine blinzelt Polen zuerst"

11.06.2026 13:20
Polen und die Ukraine spielen das Feiglingsspiel. Im Streit mit Kiew blinzelt Polen zuerst. In keinem anderen europäischen Land steige die Zahl der Milliardäre schneller als in Polen. Und: Korruption in der russischen Armee. Mindestens zwei Jahre lang haben russische Soldaten in der Ukraine Konserven verzehrt, deren Zusammensetzung eher Tierfutter ähnelte. Mehr dazu in der Presseschau.
Die Benennung einer ukrainischen Militreinheit nach den Helden der UPA durch Wolodymyr Selenskyj sowie die Reaktion von Prsident Karol Nawrocki darauf, Selenskyj den Orden des Weien Adlers abzuerkennen, folgen der aus der Spieltheorie bekannten Logik des Feiglingsspiels (Chicken Game), schreibt Ex-Chefdiplomat Jacek Czaputowicz fr die Rzecz
Die Benennung einer ukrainischen Militäreinheit nach den „Helden der UPA“ durch Wolodymyr Selenskyj sowie die Reaktion von Präsident Karol Nawrocki darauf, Selenskyj den Orden des Weißen Adlers abzuerkennen, folgen der aus der Spieltheorie bekannten Logik des „Feiglingsspiels“ (Chicken Game), schreibt Ex-Chefdiplomat Jacek Czaputowicz für die Rzeczwikimedia commons

RZECZPOSPOLITA: Im Streit mit der Ukraine blinzelt Polen zuerst
Die Benennung einer ukrainischen Militäreinheit nach den „Helden der UPA" durch Wolodymyr Selenskyj sowie die Reaktion von Präsident Karol Nawrocki darauf, Selenskyj den Orden des Weißen Adlers abzuerkennen, erinnern an das „Feiglingsspiel" (Chicken Game), schreibt Ex-Chefdiplomat Jacek Czaputowicz für die Rzeczpospolita. Wer zuerst blinzelt, verliert. In diesem Sinne habe Nawrocki das politische Kräftemessen mit Selenskyj verloren, lesen wir. Der ukrainische Präsident habe den Namen der Einheit nicht geändert. Das angekündigte Dekret zur Aberkennung des Ordens sei ebenfalls nicht unterzeichnet worden. Polen habe somit zuerst geblinzelt, heißt es. Nach Einschätzung des Diplomaten wäre es besser, von der Drohung abzurücken, als auf eine offene Konfrontation zuzusteuern, die Polen politisch nicht gewinnen könne.

Nachdem ein derart demonstrativer Schritt angekündigt, letztlich aber nicht vollzogen wurde, falle die politische Bilanz für Warschau, dem Autor zufolge, verheerend aus. Der größte Fehler habe jedoch darin bestanden, überhaupt zu einem demonstrativen statt zu einem diplomatischen Mittel zu greifen. Die Einbestellung des Botschafters, eine Protestnote oder eine scharfe offizielle Erklärung hätten zwar weniger symbolisches Gewicht gehabt. Sie hätten aber, laut Czaputowicz, nicht so schonungslos offengelegt, dass Polen mit Maßnahmen drohe, die es am Ende nicht durchsetzen könne.


Selenskyj hat derweil an einem wichtigen Treffen in London teilgenommen. Dort haben die führenden Staaten der sogenannten Koalition der Willigen ihre weitere Unterstützung für die Ukraine bekräftigt. Sie sprachen sich für eine Waffenruhe, Friedensgespräche und die Stationierung von Stabilisierungskräften nach dem Kriegsende aus. Polen gehört diesem Kreis nicht an. Das überrasche kaum, da Warschau eine Beteiligung an einem solchen Vorhaben von vornherein ausgeschlossen habe, lesen wir im Blatt. Wichtige Gespräche über ein mögliches Ende des Krieges mit Russland habe der ukrainische Präsident auch nicht in Rzeszów, sondern in Chișinău geführt. Dort habe er die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner getroffen.

Der Imageschaden dürfte nur schwer zu beheben sein, glaubt der Autor. Sollte Präsident Selenskyj an der Wiederaufbaukonferenz für die Ukraine in Gdańsk nicht teilnehmen, könnte eine Veranstaltung, die als Beleg für Polens Bedeutung geplant sei, zum Symbol seines schwindenden Einflusses werden. Dank der Schlagkraft ihrer Streitkräfte und der Widerstandsfähigkeit ihrer Gesellschaft entwickele sich die Ukraine zu einem zentralen geopolitischen Dreh- und Angelpunkt, fährt der Autor fort. Das Land habe bewiesen, dass es seine Souveränität verteidigen könne. Es präge die moderne Kriegsführung neu und gestalte die europäische Sicherheitsarchitektur zunehmend mit.

Vor diesem Hintergrund erweise sich die polnische Reaktion gegenüber Selenskyj nicht als Machtdemonstration, sondern als Demonstration der eigenen Grenzen. Nicht die Ukraine sei in diesem Kräftemessen zurückgewichen – sondern Polen, so Jacek Czaputowicz in der Rzeczpospolita.

DZIENNIK: Zahl der Milliardäre in Polen wächst europaweit am schnellsten
In keinem anderen europäischen Land steige die Zahl der Milliardäre schneller als in Polen, schreibt Dziennik auf seiner Internetseite unter Berufung auf die schwedische Zeitung Svenska Dagbladet. Noch vor wenigen Jahren sei Polen kaum mit Luxusgütern in Verbindung gebracht worden. Inzwischen wachse dieser Markt hier, wie aus dem diesjährigen Bericht der Beratungsfirma Knight Frank hervorgeht, jedoch dynamisch. Demnach werde die Zahl der Dollar-Milliardäre in Polen innerhalb der nächsten fünf Jahre um 123 Prozent steigen – von derzeit 13 auf 29 Superreiche. Damit liege Polen deutlich vor Schweden, das in Europa den zweiten Platz belege. Dort soll die Zahl der Superreichen bis 2031 um 81 Prozent zunehmen. Weltweit werde Saudi-Arabien den stärksten Zuwachs an Milliardären verzeichnen, lesen wir.

Wie SvD schreibt, sei kürzlich nicht in Paris, Berlin oder London, sondern in Warschau ein exklusiver Maybach-Showroom eröffnet worden. Neben der polnischen Hauptstadt gebe es ein vergleichbares Autohaus seit 2022 nur in Shanghai. Dort leben nach der jüngsten Forbes-Liste mehr als 90 Milliardäre. Als weiteres Beispiel für die Entwicklung des polnischen Marktes nennt die Zeitung das Rekordjahr von Rolls-Royce in Polen. Zudem soll ein Händler in Warschau einen Showroom für Fahrzeuge der Luxusmarken Rolls-Royce, McLaren und Aston Martin planen. Kunden sollen dort Ausstattungs- und Veredelungselemente bis hin zu 24-karätigem Gold wählen können. Nach Einschätzung der schwedischen Zeitung entwickele sich Warschau damit zunehmend zu einem Ausgangspunkt für die Expansion von Luxusmarken in ganz Mittel- und Osteuropa, so Dziennik.

DO RZECZY: Russische Soldaten erhalten Tierfutter
Wie das Portal des Wochenblatts Do Rzeczy indes schreibt, untersuche das russische Ermittlungskomitee Lieferungen gefälschter Fleischkonserven an die in der Ukraine kämpfende russische Armee. Anlass für die Ermittlungen sei die Entdeckung einer großen Menge verdächtiger Konserven in Lagern der 25. Armee im besetzten Gebiet Luhansk. Nach Angaben der Ermittler seien rund 170 Tonnen Konserven an die Front gelangt, die als „hochwertiges Dosenfleisch" deklariert worden seien. Laboruntersuchungen hätten jedoch ergeben, dass der Inhalt statt vollwertigem Fleisch eher billigem Tierfutter ähnele. „In den Dosen befinden sich anstelle von hochwertigem Fleisch (...) Reste von Häuten und Knorpeln sowie erhöhte Anteile von Stärke und Verdickungsmittel", hieß es in den Ermittlungsunterlagen.

Die Staatsanwaltschaft überprüfe in diesem Zusammenhang einen Fleischverarbeitungsbetrieb in Seljatino bei Moskau und habe zahlreiche Verstöße gegen Produktionsstandards bestätigt. Unter anderem sei ein deutlich zu geringer Eiweißgehalt festgestellt worden. Die Produkte seien als für Soldaten ungeeignet eingestuft worden, insbesondere für solche im Kampfeinsatz. Nach bisherigen Erkenntnissen sollen von dem System miteinander vernetzte Geschäftsleute und Militärbeamte profitiert haben. Das Ermittlungskomitee der Russischen Föderation habe bereits ein Verfahren wegen Betrugs in besonders großem Ausmaß durch eine organisierte Gruppe eingeleitet. Der Schaden für den Staatshaushalt werde auf umgerechnet 9 Millionen Euro geschätzt. In den Fall sollen sechs Personen verwickelt sein. Darunter befinde sich auch Wiktor Tarasewitsch, der bis Mai 2026 Leiter der Lebensmittelabteilung im Versorgungsdepartement des russischen Verteidigungsministeriums gewesen sei. Dem Online-Portal zufolge verdeutliche der Fall die anhaltenden Probleme des russischen Militärversorgungssystems während des Krieges gegen die Ukraine.

Autor: Piotr Siemiński

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