Die Grünen hätten sich seit ihrer Gründung vor mehr als 40 Jahren stark gewandelt: Einst auch vom Pazifismus geprägt, gehörten sie heute zu den entschiedensten Unterstützern der Ukraine. Als Minister habe er zudem dafür gesorgt, dass Deutschland unabhängiger von russischem Gas wurde. Bemerkenswert sei, dass die Grünen damit in der Russlandpolitik inzwischen näher an Polen stünden als die deutsche extreme Rechte.
Mit Blick auf die USA warnt der ehemalige Minister vor einer neuen Gefahr. Während die Regierung Joe Bidens Deutschland noch ausdrücklich zur Abkehr von russischem Gas gedrängt habe, sei die Lage unter Donald Trump eine andere. Geschäftsleute aus dessen Umfeld verhandelten offenbar mit Russland über den Kauf einer Pipeline. Europa müsse sich deshalb auf ein Szenario einstellen, in dem Trump und Putin Deutschland und möglicherweise weitere Staaten Mitteleuropas zur Wiederaufnahme russischer Gasimporte bewegen wollten. Das erscheine zunächst widersinnig, da Trump zugleich amerikanisches Flüssiggas nach Europa verkaufen wolle. Sollten jedoch seine Vertrauten – oder möglicherweise er selbst – an einer russischen Pipeline und der dazugehörigen Infrastruktur verdienen, sähe die Sache anders aus. Europa drohe dann, von beiden Seiten unter Druck gesetzt zu werden.
Auf die Frage nach Entschädigungen für deutsche Kriegsverbrechen in Polen antwortete Habeck knapp, er sei kein offizieller Vertreter Deutschlands mehr, berichtet Business Insider Polska.
DO RZECZY: Kleine Brauereien fürchten um ihre Existenz
Der Sejm hat Anfang Oktober, ein Gesetz beschlossen, das landesweit ein nächtliches Verkaufsverbot für Alkohol, ein umfassendes Werbeverbot und höhere Abgaben auf den Alkoholverkauf vorsieht. Das Gesetz verbietet Werbung und Verkaufsförderung für sämtliche alkoholischen Getränke, einschließlich Bier. Vor allem kleine, unabhängige Brauereien kritisieren die Neuregelung, berichtet die Wochenzeitung Do Rzeczy. Sie befürchten, dass sie den Wettbewerb verzerrt und große Konzerne begünstigt. Kleine polnische Brauereien könnten verschwinden – und mit ihnen individuelle Rezepturen, weniger verbreitete Biersorten und die Vielfalt, die sie über Jahre aufgebaut hätten. Übermäßigen Bierkonsum hätten sie nie befürwortet, betonen die Hersteller. Darum gehe es beim Craftbier schließlich nicht.
Die Vertreter der Brauerei Bednary erkennen zwar an, dass Alkoholabhängigkeit bekämpft und Minderjährige vor Bierwerbung geschützt werden müssen. Ein ernstes Problem verlange jedoch präzise Lösungen und keinen gesetzgeberischen Dampfhammer. Auch die Warschauer Brauerei Palatum kritisiert, dass die Gesetzgeber alkoholfreies Bier offenbar als Zwischenschritt zum Alkoholkonsum betrachteten. Dabei werde alkoholfreies Bier immer beliebter, während der Absatz alkoholhaltiger Varianten zurückgehe. Das trage dazu bei, den Alkoholkonsum insgesamt zu senken, lesen wir in Do Rzeczy.
WIĘŹ: Lehrer sind keine Superhelden
Nach mehreren Angriffen an polnischen Schulen erklärte der Lehrer Piotr Łęcki in einem Gespräch mit der Vierteljahresschrift Więź, er wisse nicht, wie er reagieren würde, wenn ein Schüler jemanden mit einem Messer attackierte. „Ich würde gern glauben, dass ich zum Helden würde, aber ich bezweifle es“, sagte er. Von Lehrern werde erwartet, dass sie sich notfalls selbst in Lebensgefahr brächten. Auf solche Situationen bereite sie jedoch niemand vor.
Lehrer seien weder Feuerwehrleute noch Polizisten oder Rettungskräfte. Sie gingen in die Schule, um zu unterrichten, betont Łęcki. Im Laufe der Zeit seien ihnen jedoch immer mehr Aufgaben übertragen worden: Sie sollten zugleich Psychologen, Krankenpfleger, Ärzte und mitunter sogar Ersatzeltern sein. Wie solle ein Mensch all diesen Anforderungen gerecht werden?
Die Journalistin Agata Kulczycka greift diesen Gedanken in ihrem Kommentar auf. Psychologin, Pflegekraft, Ärztin, Ersatzmutter, Pädagogin und nun womöglich auch noch Sicherheitskraft – das seien zu viele Rollen für einen Menschen.
Sie erinnert sich an eine Cola-Dose mit der Aufschrift „Superheldin“. Das Motiv erschien ihr zunächst aufmunternd, weshalb sie ein Foto davon an eine Bekannte schickte, die an einer Schule arbeitete. Deren Antwort: Sie habe diese Rolle längst satt.
Die Überforderung von Lehrkräften stehe allerdings stellvertretend für ein allgemeineres gesellschaftliches Problem. Schließlich solle jeder Beruf und Kinderbetreuung vereinbaren, Freundschaften pflegen, an Geburtstage denken, Nachbarn helfen, erreichbar bleiben, sich weiterentwickeln, das spirituelle Leben nicht vernachlässigen. Vielleicht, so Kulczyckas Schlussgedanke, müsste auf der Cola-Dose heute eine andere Botschaft stehen. Denn niemand kann unbegrenzt viele Rollen erfüllen – schon gar nicht, wenn sie sich mitunter widersprechen.
Autor: Jakub Kukla