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„Ein zweites Jalta wird es nicht geben“ - Polens Kampf gegen Big Techs - Russlands Narrative in Indonesien

23.10.2026 12:30
Könnten Trump, Putin und Xi die Welt untereinander aufteilen? Ein zweites Jalta wird es nicht geben, sagt Irena Lasota im Wochenmagazin “Plus Minus”. Außerdem: Die Regierung will künftig noch härter gegen Big Techs vorgehen. Und ein indonesischer Forscher erklärt, weshalb Russlands Erzählung vom Ukrainekrieg in seinem Land verfängt. Mehr dazu in der Presseschau.
Der russische Prsident Wladimir Putin nimmt am 21. Oktober 2026 in einem Vorort von St. Petersburg, Russland, an einem Treffen mit Steve Witkoff, dem Sonderbeauftragten von US-Prsident Trump, teil. Putin empfing Witkoff im Konstantin-Palast in Strelna, nachdem dieser aus Oslo eingetroffen war, wo er Gesprche mit dem ukrainischen Prsidenten Sele
Der russische Präsident Wladimir Putin nimmt am 21. Oktober 2026 in einem Vorort von St. Petersburg, Russland, an einem Treffen mit Steve Witkoff, dem Sonderbeauftragten von US-Präsident Trump, teil. Putin empfing Witkoff im Konstantin-Palast in Strelna, nachdem dieser aus Oslo eingetroffen war, wo er Gespräche mit dem ukrainischen Präsidenten SeleEPA/KRISTINA SOLOVYOVA/SPUTNIK/KREMLIN POOL

PLUS MINUS: Europa lässt sich nicht verschenken

Die Rede von einem zweiten Jalta verwechsle Großmachtansprüche mit tatsächlicher Macht, argumentiert Irena Lasota in Plus Minus, der Wochenendbeilage der Rzeczpospolita. Putin sei kein Stalin. Russlands jahrelanger Krieg widerlege seinen Anspruch, als Weltmacht Gebiete verteilen zu können. Zentralasien könne er China ohnehin nicht anbieten. Peking sei dort längst verankert.

Auch Trumps Sympathie für Putin bedeute keine Verfügungsgewalt über Europa. Gerade seine Geringschätzung der Verbündeten habe deren Zusammenhalt gestärkt. Mit Finnland und Schweden sei die NATO gewachsen. Europa unterstütze die Ukraine und lasse sich nicht einfach entwaffnen. Nach einem möglichen Verlust der Kongressmehrheit würde zudem ein geschwächter Trump mit Xi verhandeln.

Lasota bestreitet dabei keineswegs, dass Washington der Ukraine schweren Schaden zufügen könne. Trump könne Sanktionen aufheben, russischen Diesel kaufen oder Angriffe auf Städte und Infrastruktur erleichtern. Aber selbst ein Sturz Selenskyjs beantworte nicht die entscheidende Frage: Wie sollte Russland einen widerstandsfähigen Staat mit mehr als 30 Millionen Menschen dauerhaft besetzen, wenn es schon jetzt ausländische Soldaten brauche? Zugeständnisse ersetzten keine Kontrolle. Putin suche heute daher vor allem Hilfe für sich und sein geschwächtes Russland, folgert Lasota in Plus Minus.

GAZETA WYBORCZA: Wenn Betrugsanzeigen schneller sind als ihre Kontrolle

Von einem angeblichen Anschlag auf InPost-Gründer Rafał Brzoska bis zu erfundenen Todesnachrichten über seine Frau: Prominente würden systematisch als Köder für Internetbetrug missbraucht, schreibt Konrad Wojciechowski in der linksliberalen Gazeta Wyborcza. Hinter den sensationellen Überschriften stünden präparierte Webseiten, die persönliche Daten und Geld erbeuten sollten. Brzoska habe deshalb die Kampagne Stop Scam gestartet. Sie zeige zugleich, wie wenig die Plattformen gegen ein Geschäft unternehmen, an dem sie selbst verdienen.

Bei der Untersuchung von mehr als 1,7 Millionen Anzeigen in Meta-Diensten, darunter Facebook und Instagram, seien rund 300.000 betrügerische Inhalte gefunden worden: Datendiebstahl, Werbung für fingierte Geldanlagen oder illegales Glücksspiel. Die Stiftung Instrat schätze, Meta könne allein in Polen innerhalb eines Jahres 760 Millionen Złoty mit solchen Anzeigen verdient haben. Brzoska fordere deshalb eine Überprüfung der Werbekunden und finanzielle Konsequenzen für alle, die an Betrugsanzeigen verdienten. Nach seinem Vorschlag sollten sie den gesamten Gewinn zurückzahlen und zusätzlich die Hälfte dieser Summe als Strafe entrichten. Das Geld solle einem Hilfsfonds für Opfer zugutekommen.

Doch selbst Fachleute würden bei den Plattformen häufig abgewiesen, lesen wir weiter. Laut dem im Artikel angeführten Bericht des staatlichen Forschungsinstituts NASK habe Google im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 88,5 Prozent der entsprechenden Meldungen über gefährliche Inhalte zurückgewiesen, X 78,9 Prozent. Instagram habe in 62,2 Prozent der Fälle nicht reagiert. Facebook und TikTok löschten zwar häufiger, gingen aber ausgesprochen selektiv vor.

Hinzu komme ein Zeitvorsprung für die Täter. Die Anzeigenbibliotheken von Facebook und Instagram würden mit bis zu 72 Stunden Verzögerung aktualisiert. Betrugsanzeigen würden dagegen mitunter nur eine Stunde laufen, verschwinden und sofort durch neue ersetzt werden. Auch gefälschte Prominentenprofile seien schwer zu beseitigen: Eine vermeintliche Fanseite der Tennisspielerin Iga Świątek habe mehr als 140.000 Menschen versammelt. Ihre Administratorenkonten seien unecht und Nutzerbeiträge mit KI erzeugt worden. Später sei ein weiteres Profil mit denselben Administratoren aufgetaucht.

Digitalminister Krzysztof Gawkowski werfe den Konzernen vor, aus Desinformation eine Einnahmequelle gemacht zu haben. Er verlange ausreichend besetzte Kontrollteams, engere Zusammenarbeit mit polnischen Behörden, die sofortige Entfernung erkannter Botnetze und deutlich kürzere Reaktionszeiten. Sollten die Unternehmen das Ultimatum ignorieren, werde Polen mit Unterstützung der Europäischen Kommission Millionenstrafen verhängen, kündige Gawkowski an. Zugleich hoffe die Regierung auf die Unterschrift von Präsident Karol Nawrocki unter die überarbeitete Umsetzung des EU-Gesetzes über digitale Dienste, nachdem er die frühere Fassung Anfang des Jahres abgelehnt habe, berichtet die Gazeta Wyborcza.

KRYTYKA POLITYCZNA: Warum Russlands Erzählung verfängt

Russlands Darstellung des Ukrainekriegs stoße in Indonesien auf wenig Konkurrenz, erklärt der Politikwissenschaftler Radityo Dharmaputra von der Universität Airlangga im Gespräch mit Olena Babakova für die linke Krytyka Polityczna. Während russische Diplomaten Hochschulen und politische Eliten umwerben, sei die ukrainische Botschaft schwach besetzt und seit etwa anderthalb Jahren ohne Botschafter.

Moskau profitiere von antiwestlichen Einstellungen. 68 Prozent der Indonesier hätten laut Pew ein positives Russlandbild. Der Krieg werde als Konflikt zwischen Russland und der NATO wahrgenommen. Die Ukraine bleibe im Schatten der Narrative. Selbst Menschen, die Russlands Repression gegen Muslime ablehnten, wollten nicht als Unterstützer Amerikas gelten. Selenskyjs Unterstützung für Israel nach dem Hamas-Angriff habe Kiew zusätzlich Sympathie gekostet.

Auch die ukrainische Erzählung eines antikolonialen Befreiungskampfs überzeuge kaum. Der Grund: Kiew betone seine europäische Zugehörigkeit. Europa stehe in Indonesien aber für frühere Kolonialmächte. Dharmaputra empfiehlt deshalb, die Ukraine durch ihre eigene Kultur sichtbar zu machen: Literaturübersetzungen und Filme jenseits des Krieges. Indonesiens Stimme in der UNO und sein Einfluss in Südostasien machten diese Arbeit politisch relevant. Indonesien aus Russlands Einflussbereich zu lösen, bleibe eine langfristige Investition, so Dharmaputra in der Krytyka Polityczna.

Autor: Adam de Nisau


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Für einen Milliardär legt sich Polens Regierung mit Meta an – beim Schutz der Medien bleibt sie nach Ansicht von Głos Wielkopolski indes untätig. Außerdem: Was sich in Schulpausen ohne Smartphones verändert hat. Wieso sich Polen nach dem AfD-Sieg mehr Sorgen um die Europapolitik der AfD machen sollte als um die Haltung Deutschlands gegenüber Russland. Mehr dazu in der Presseschau.

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