Deutsche Redaktion

"Tiefe Risse im Westen"

16.02.2026 10:58
Trotz der versöhnlichen Rede von US-Außenminister Marco Rubio - das existentielle Risiko für die Europäische Union ist keineswegs gebannt, urteilt nach der Münchner Sicherheitskonferenz Dziennik Gazta Prawna. Die olympische Silbermedaille von Władimir Semirunnij sorgt für heftige Kontroversen. Und: Der Druck auf die Regierung wegen hoher Energiepreise wächst. Mehr dazu in der Presseschau.
Mnchen, Deutschland, 13.02.2026. Premierminister Donald Tusk (3P), Vizepremierminister und Auenminister Radosław Sikorski (2P), Regierungssprecher Adam Szłapka (4P) und der Vorsitzende der ungarischen Oppositionspartei TISZY Peter Magyar (2L) whrend eines Treffens in Mnchen am 14. dieses Monats. Premierminister Donald Tusk nimmt an der Koalitio
München, Deutschland, 13.02.2026. Premierminister Donald Tusk (3P), Vizepremierminister und Außenminister Radosław Sikorski (2P), Regierungssprecher Adam Szłapka (4P) und der Vorsitzende der ungarischen Oppositionspartei TISZY Peter Magyar (2L) während eines Treffens in München am 14. dieses Monats. Premierminister Donald Tusk nimmt an der KoalitioFoto: PAP/KPRM HANDOUT

DZIENNIK/GAZETA PRAWNA: Tiefe Risse im Westen

Die Tageszeitung Dziennik/Gazeta Prawna zieht nach der Münchner Sicherheitskonferenz eine ernüchternde Bilanz: Trotz eines scheinbar versöhnlichen Auftritts von Marco Rubio bleibe die Kluft zwischen Europa und den Vereinigten Staaten bestehen. Vor einem Jahr, erinnert das Blatt, seien die Europäer nach der als beleidigend empfundenen Rede von US-Vizepräsident J.D. Vance in eine äußerst schwierige Lage geraten. Neben dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sei es aus europäischer Sicht zu einem Verrat des Westens gekommen. Vance habe sich damals auf die Seite der Feinde der liberalen Demokratie gestellt.

Zwar sei das freie Europa nicht zusammengebrochen – das sei die gute Nachricht. Doch es habe sich nicht weit genug vom Abgrund entfernt, kommentiert das Blatt. Europa habe auf dem Weg zur strategischen Eigenständigkeit durchaus Fortschritte erzielt: Die Verteidigungsausgaben seien erhöht, die amerikanische Unterstützung für die Ukraine teilweise kompensiert und ein Anschluss Grönlands an die USA verhindert worden. Dennoch könne es sich Europa derzeit nicht leisten, dem trumpschen Amerika den Rücken zu kehren.

Das existenzielle Risiko für die Europäische Union sei damit keineswegs gebannt. Europa wisse weiterhin nicht, wie es seine Position in einer Welt rivalisierender Großmächte behaupten solle. In München sei viel darüber gesprochen worden, was Europa tun müsse – deutlich weniger jedoch darüber, was es in seinem gegenwärtigen Zustand tatsächlich leisten könne. Spannungen zwischen Deutschland und Frankreich sowie das Vetorecht Ungarns, das faktisch als Gegenspieler der EU agiere, machten Europa im geopolitischen Dschungel zu einem leichten Opfer.

Vor diesem Hintergrund erscheine Pragmatismus als das Gebot der Stunde. Möglicherweise sei deshalb auch die als zutiefst reaktionär charakterisierte Rede Rubios mit Applaus aufgenommen worden. Er habe das Fortbestehen des westlichen Bündnisses an eine Beteiligung Europas am von Donald Trump geführten Kulturkampf geknüpft. Manche lobten dies als klug und taktisch geschickt. Doch, so die Schlussfolgerung, darauf zu vertrauen, dass sich Trump dauerhaft wohlgesonnen zeigen und das Bündnis stabil halten werde, sei riskant.

WPROST: Olympisches Silber und politische Kontroverse

Die Wochenzeitschrift Wprost berichtet über den sportlichen Erfolg und die politische Debatte rund um den Eisschnellläufer Władimir Semirunnij, der bei den Olympischen Winterspielen in Italien die Silbermedaille über 10.000 Meter gewann. Nicht alle reagieren mit uneingeschränkter Begeisterung auf den Erfolg des Athleten im weiß-roten Trikot.

Kritik kommt insbesondere aus ukrainischen Kreisen. Der Betreiber des Profils Euromaidan Warszawa erklärte, im Falle des Sportlers müsse die ganze Wahrheit ausgesprochen werden. Semirunnij sei noch 2023 in Russland als Meister des Sports der Internationalen Klasse ausgezeichnet worden. Bereits 2019 habe er illegal die Grenze zur Ukraine überschritten, indem er sich auf der besetzten Krim aufgehalten habe. Nach Beginn der großangelegten russischen Invasion habe er unter russischer Flagge trainiert und an Wettbewerben teilgenommen. Erst 2023 sei er nach Polen gekommen. In den sozialen Medien wird ihm vorgeworfen, binnen weniger Monate vom Vertreter eines Aggressorstaates zum polnischen Medaillengewinner geworden zu sein, während ukrainische Sportler infolge des Krieges ihr Leben oder ihre Karrieren verlieren.

Auch die ukrainische Aktivistin Natalia Panchenko äußerte sich in ähnlichem Ton, schreibt die Wochenzeitschrift. Sie verwies darauf, dass Semirunnij 2019 auf die besetzte Krim gereist sei, 2023 Russland repräsentiert habe und 2025 zügig die polnische Staatsbürgerschaft erhalten habe, um 2026 als echter Pole bei Olympia anzutreten. Mit dem Medaillengewinn, so ihre Kritik, rückten frühere Entscheidungen in den Hintergrund. Semirunnij selbst hat wiederholt die Politik von Wladimir Putin und den von ihm begonnenen Krieg gegen die Ukraine verurteilt. Er betont, sich nicht mit der Politik des Kremls zu identifizieren, lesen wir in Wprost.

WIRTUALNA POLSKA: Mehrheit fordert entschlossenes Eingreifen

Wie das Nachrichtenportal Wirtualna Polska unter Berufung auf eine Erhebung des landesweiten Forschungspanels Ariadna berichtet, wächst in Polen der Druck auf die Regierung angesichts steigender Lebenshaltungskosten deutlich. Insbesondere die Strompreise haben sich zu einem gravierenden Imageproblem für die Regierenden entwickelt. Laut Umfrage halten 52 Prozent der Befragten die bestehenden staatlichen Entlastungsmechanismen für unzureichend. Lediglich 22 Prozent sehen sich durch den Staat ausreichend geschützt. Zugleich gaben 26 Prozent an, die Maßnahmen der Regierung nicht eindeutig bewerten zu können.

Die Verantwortung für die wirtschaftliche Lage wird dabei auf mehrere Akteure verteilt: 21 Prozent machen die derzeitige Regierung verantwortlich, 19 Prozent verweisen auf die Klimapolitik der Europäischen Union, 18 Prozent auf Versäumnisse der Vorgängerregierung. Weitere 14 Prozent nennen die Gewinnmargen der Energieunternehmen, sieben Prozent die internationale Lage, einschließlich Krieg und globaler Märkte.

Besonders deutlich fällt das Votum mit Blick auf die Zukunft aus: 78 Prozent der Befragten erwarten von der Regierung ein entschlosseneres und aktiveres Vorgehen zur Senkung der Energiepreise für private Haushalte. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der politischen Führung in sozialen und wirtschaftlichen Kernfragen spürbar schwindet, stellt Wirtualna Polska fest.

Autor: Jakub Kukla

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Szymon Hołownia präsentiert Wahlprogramm: Fokus auf Infrastruktur und Energiepreise

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Sikorski und Pistorius drängen auf stärkere Rolle bei Ukraine-Gesprächen

15.02.2026 16:47
Europa zahlt nach den Worten des polnischen Außenministers Radosław Sikorski inzwischen für den Großteil der militärischen Unterstützung der Ukraine und sollte deshalb auch an möglichen Friedensverhandlungen beteiligt werden. „Wenn wir zahlen, verdienen wir einen Platz am Verhandlungstisch“, sagte Sikorski am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz. Das Ergebnis dieses Krieges werde Europa unmittelbar betreffen.

Tusk würdigt Mut der Ukraine und warnt in München vor Politik nach Geschäftslogik

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