Die Durchsuchung ist Teil der Operation „Midas“, mit der ein groß angelegter Korruptionsmechanismus beim staatlichen Atomkonzern Enerhoatom aufgedeckt werden soll. Laut Ermittlern soll eine Gruppe über Jahre 10 bis 15 Prozent der Vertragswerte abgezweigt und insgesamt rund 100 Millionen US-Dollar veruntreut haben. In den Ermittlungen taucht Jermak nach Angaben ukrainischer Medien als mutmaßlicher Vermittler auf. Er bestreitet die Vorwürfe und betont, mit den Behörden zu kooperieren.
Experten sehen in der Aktion ein Signal an Selenskyj. „Die Dienste zeigen, dass sie bereit sind, auch das engste Umfeld des Präsidenten zu treffen“, sagte Marcin Jędrysiak Analyst am Zentrum für Osteuropastudien (OSW) dem Portal money.pl. Die Affäre könnte laut Beobachtern die Position Kiews im Westen schwächen – etwa bei Finanzhilfen oder der Debatte über die Nutzung eingefrorener russischer Vermögenswerte.
„Warum sollten wir Geld geben, wenn ein Teil davon gestohlen wird? Das ist die Frage, die sich viele stellen.“
Der Fall belastet auch die innenpolitische Lage. Mehrere hochrangige Beamte mussten bereits gehen, darunter der Justizminister und frühere Energieminister. Ein Vertrauter Selenskyjs betonte anonym gegenüber der «Kyiv Independent», der Rücktritt Jermaks könne „das gesamte Machtgefüge ins Wanken bringen“.
Für Antikorruptionsbehörden gilt der Fall hingegen als Erfolg. „Wir gewöhnen uns daran, dass auch Personen in höchsten Positionen zur Verantwortung gezogen werden können“, so Jędrysiak. Die Ermittlungen laufen seit über 15 Monaten und gelten als eines der weitreichendsten Verfahren seit Beginn des russischen Angriffs.
PAP/jc