Deutsche Redaktion

Tusk drängt Präsidenten auf schnelle Entscheidung zu EU-Programm SAFE

11.03.2026 11:54
Ministerpräsident Donald Tusk hat Präsident Karol Nawrocki zu einer schnellen Entscheidung über das Gesetz zur Umsetzung des EU-Rüstungsprogramms SAFE aufgefordert. Er hoffe auf eine sofortige Unterzeichnung, sagte Tusk am Dienstag nach einem Treffen im Präsidentenpalast in Warschau.
Polish Prime Minister Donald Tusk.
Polish Prime Minister Donald Tusk.Photo: PAP/Piotr Nowak

Sollte der Präsident ein Veto einlegen, habe die Regierung einen Alternativplan vorbereitet. Dann werde der Ministerrat noch am selben Tag ein eigenes Programm beschließen, erklärte der Regierungschef.

Das Treffen fand mit Präsident Nawrocki, Notenbankchef Adam Glapiński, Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz sowie Finanzminister Andrzej Domański statt. Thema waren das Gesetz zur Umsetzung des EU-Programms SAFE sowie ein von Präsident und Nationalbank vorgeschlagenes alternatives Modell „Polnisches SAFE 0 Prozent“.

Das EU-Programm SAFE sieht für Polen rund 43,7 Milliarden Euro in Form günstiger Kredite vor. Mit dem Geld sollen schnell militärische Ausrüstung und sicherheitsrelevante Infrastruktur finanziert werden. Nach Regierungsangaben könnten rund 90 Prozent der Mittel in die polnische Rüstungsindustrie fließen. Der Präsident hat bis zum 20. März Zeit, über das Gesetz zu entscheiden.

Tusk betonte, angesichts wachsender Sicherheitsrisiken komme es auf schnelle Entscheidungen an. Nach Gesprächen mit polnischen Generälen sei klar geworden, dass inzwischen „nicht nur jeder Tag, sondern jede Stunde“ zähle.


Der Regierungschef kritisierte zugleich den Vorschlag der Nationalbank. Dieser sei „im Grunde ein SAFE mit null Złoty“, sagte Tusk. In dem entsprechenden Gesetzentwurf gebe es keine garantierten Mittel, sondern vor allem neue Strukturen und zusätzliche Bürokratie.

Das vom Präsidentenlager eingebrachte Projekt sieht die Einrichtung eines Polnischen Verteidigungsinvestitionsfonds vor, der unter anderem aus Gewinnen der Nationalbank gespeist werden soll. Konkrete Finanzierungsmechanismen wurden bislang jedoch nicht vorgestellt.

Tusk erklärte, im Falle eines Vetos werde die Regierung dennoch Wege finden, zumindest einen Teil der Mittel für die Armee bereitzustellen. Allerdings könnten dann andere Projekte – etwa für den Grenzschutz, die Polizei oder die Cybersicherheit – nicht umgesetzt werden.

Aus den Mitteln des EU-Programms SAFE sollen insgesamt 139 Projekte finanziert werden, darunter neue Schützenpanzer vom Typ Borsuk, Haubitzen vom Typ Krab, Drohnen- und Antidrohnen-Systeme sowie Aufklärungstechnik. Zudem sind Investitionen in sicherheitsrelevante Infrastruktur vorgesehen.


PAP/jc

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