Deutsche Redaktion

Bericht: Debatte über Aberkennung von Selenskyjs Orden begann in prorussischen Netzwerken

30.06.2026 11:50
Die Forderung nach einer Aberkennung des Ordens des Weißen Adlers für den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ist nach Recherchen des Portals OKO.press zunächst in sozialen Medien und auf prorussischen Kanälen verbreitet worden. Das geht aus einer Analyse hervor, die das Portal am Dienstag veröffentlichte.
Prsident Karol Nawrocki
Präsident Karol NawrockiPAP

Demnach tauchten entsprechende Forderungen bereits Mitte Mai in Beiträgen von Personen auf, die regelmäßig prorussische oder antiukrainische Inhalte veröffentlichen. Wenig später seien ähnliche Botschaften auch über russische und belarussische Telegram-Kanäle verbreitet worden. OKO.press verweist dabei auf auffällige sprachliche Übereinstimmungen zwischen den Beiträgen.

Nach Angaben des Portals veröffentlichte die Aktivistin Małgorzata Zych am 18. Mai den ersten bekannten Aufruf zur Aberkennung des Ordens. Einen Tag später folgte ein ähnlicher Beitrag des stellvertretenden Vorsitzenden der Partei Ruch Narodowy, Paweł Usiądek. Am 27. Mai griff der frühere Ministerpräsident Leszek Miller die Forderung auf. Erst einen Tag später forderte der Konfederacja-Abgeordnete Grzegorz Płaczek Präsident Karol Nawrocki offiziell auf, Selenskyj den Orden abzuerkennen. Nawrocki erklärte daraufhin, ein entsprechendes Verfahren einzuleiten. Dabei verwies er auf das Schreiben Płaczeks. Nach Einschätzung von OKO.press war die Debatte zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits seit Tagen in sozialen Netzwerken präsent.

Auslöser der Kontroverse war die Entscheidung Selenskyjs, einer Einheit der ukrainischen Streitkräfte den Ehrennamen „Helden der UPA“ zu verleihen. Die Ehrung löste in Polen scharfe Kritik aus und belastete die Beziehungen zwischen Warschau und Kiew.


tvp/jc

Tusk zu Streit mit der Ukraine: „Strategischer Fehler“

22.06.2026 07:50
Der Konflikt zwischen polnischen und ukrainischen Politikern sei ein strategischer Fehler, unter dem beide Seiten leiden werden – wirtschaftlich, geopolitisch und in ihrem Ansehen. „Die Aufgabe der Präsidenten Selenskyj und Nawrocki besteht darin, die Emotionen zu dämpfen und nicht die Spannungen weiter anzuheizen. Die Frontlinie verläuft anderswo“, schrieb Ministerpräsident Donald Tusk am Sonntag in sozialen Medien. Damit bezog er sich auf die Entscheidung von Präsident Karol Nawrocki, dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj den Orden des Weißen Adlers abzuerkennen.

„Selenskyj demonstriert Kleinlichkeit anstatt Stärke"

24.06.2026 13:30
Die Wiederaufbaukonferenz für die Ukraine wird ab morgen in Gdańsk organisiert. Ohne den Präsidenten der Ukraine. Grund ist das Eklat um die Aberkennung des polnischen Staatsordens für Wolodymyr Selenskyj für dessen Verherrlichung ukrainischer Freiheitskämpfer sowie Kriegsverbrecher aus dem Zweiten Weltkrieg. Einige Kommentatoren sehen dies als Kleinlichkeit seitens des ukrainischen Staatshauptes. Die Abkühlung im politischen Bereich spiegele sich in der Wirtschaft jedoch noch nicht ab. Manche polnische Unternehmen hätten trotzdem bereits Probleme bei der Abwicklung ihrer Geschäfte in der Ukraine und Verluste in Höhe von Millionen. Mehr dazu in der Presseschau.

Kommentar: Polen und die Ukraine in der Spirale des Erinnerungskonflikts

24.06.2026 13:48
Kiew verfügt über keine gute Expertise zu seinem größten westlichen Nachbarn – einem wichtigen EU-Mitglied, das de facto die Funktion eines strategischen Hinterlands im Kampf gegen den Aggressor erfüllt – und will sie auch nicht haben, meint Osteuropaexperte Tadeusz Iwański. Und warnt: Der Streit wird uns noch lange begleiten, ganz zur Freude russischer Spezialisten für kognitive Kriegsführung.

„Polen steht im Kampf um historische Wahrheit allein"

26.06.2026 13:40
Als Karol Nawrocki Wolodymyr Selenskyj den Orden des Weißen Adlers aberkannte, wurde das ukrainische Internet von einer Welle der Solidarität erfasst. In Polen entbrannte eine mediale Auseinandersetzung. Eine Analyse zeigt eine tiefe mediale Kluft zwischen Polen und der Ukraine. Weder Vertreter der Europäischen Union noch die Anführer Deutschlands, Frankreichs oder der USA beharren dabei, dass die Ukraine mit der UPA und Stepan Bandera nicht in die Europäische Union aufgenommen werden könne. Polen stehe im Kampf um die historische Wahrheit damit weitgehend allein da. Polen habe der Ukraine Zeit zum Einlenken gegeben. Der historische Streit werde sich jedoch noch über mindestens eine weitere Generation hinziehen. Mehr dazu in der Presseschau.