Deutsche Redaktion

"Wir nehmen keine Ultimaten an". Kyjiw warnt vor Wolhynien-Jahrestag vor neuem Streit mit Polen

07.07.2026 10:52
Kurz vor dem Wolhynien-Jahrestag warnt Kyjiw vor neuen Spannungen mit Polen. Im Kern steht ein ungelöster Streit: Polen spricht von Völkermord, viele ukrainische Stimmen von einem beidseitigen historischen Konflikt.
Der Streit zwischen Kiew und Warschau um die Geschichtspolitik spitzt sich weiter zu.
Der Streit zwischen Kiew und Warschau um die Geschichtspolitik spitzt sich weiter zu.Foto: canva

Kyjiw/Warschau – Wenige Tage vor dem Jahrestag der Wolhynien-Massaker am 11. Juli warnt Kyjiw vor einer neuen Belastungsprobe im Verhältnis zu Polen. Kyrylo Budanow sagte in einem Interview mit RBK-Ukraina, die Spannungen könnten aus seiner Sicht bald einen Höhepunkt erreichen. „Dieser Höhepunkt wird sicher bald kommen. Das ist kein großes Geheimnis, am 11. Juli ist der Jahrestag der Wolhynien-Tragödie“, sagte Budanow. Nach seinen Informationen bereite die polnische Seite „eine ganze Reihe“ von Schritten vor, die nach seiner Einschätzung zu einer Eskalation führen könnten.

"Die Ukraine wird kein Ultimatum annehmen"

Zugleich wies Budanow Forderungen in Form von Ultimaten zurück. „Die Ukraine wird von niemandem auf dieser Welt ein Ultimatum annehmen“, sagte er. Russland habe zuletzt versucht, der Ukraine ein Ultimatum zu stellen, „und wir haben es trotzdem nicht angenommen“. Man solle mit der Ukraine „nicht mittels Ultimaten“ sprechen. Auf unfreundliche Schritte werde Kyjiw reagieren, sagte Budanow. Gleichzeitig fügte er hinzu: „Die größte Eskalation führt immer entweder in die Katastrophe oder zur Deeskalation. Ich hoffe, dass es zur Deeskalation kommt.“

Die Bewertung der Ereignisse von Wolhynien bleibt ein zentraler Widerspruch in den beiderseitigen Beziehungen. Polen stuft die Verbrechen an polnischen Zivilisten als Völkermord ein. Nach polnischer Darstellung griffen UPA-Einheiten im Juli 1943 koordiniert etwa 150 von Polen bewohnte Orte an; verantwortlich gemacht werden Mitglieder der Organisation Ukrainischer Nationalisten der Bandera-Fraktion und der ihr unterstellten UPA. Viele ukrainische Historiker und Politiker ordnen die Gewalt dagegen als Teil eines breiteren polnisch-ukrainischen Konflikts ein, für den beide Seiten Verantwortung trugen. Zugleich gelten OUN und UPA in Teilen der ukrainischen Erinnerungskultur als Symbole des Unabhängigkeitskampfes und des Widerstands gegen die Sowjetunion.

Selenskyj hatte Anfang Juli auf die Frage nach möglichen Folgen des Streits für den EU-Beitrittsprozess der Ukraine gesagt: „Wir sind Nachbarn und wie die meisten Länder in Europa hatten wir in der Vergangenheit Probleme. Aber wir leben jetzt und haben es mit einem Aggressor zu tun. Wir müssen an die Sicherheit denken.“ Er erklärte zudem: „Wenn es Fragen gibt, wird es Antworten darauf geben. Die Ukraine ist dazu bereit. Wir sind starke Nachbarn und gute Freunde.“

Der Streit fällt in eine Phase, in der Russland versucht, Spannungen zwischen der Ukraine und ihren Unterstützern propagandistisch zu nutzen. Beobachter sehen deshalb die Gefahr, dass historische Konflikte gezielt verstärkt werden könnten, um Misstrauen zwischen Warschau und Kyjiw zu schüren.

PAP/adn

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