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„Erinnerung und Wahrheit statt Rache". Polen gedenkt der Opfer des Wolhynien-Massakers

11.07.2026 15:30
In Warschau entsteht eine Gedenkmauer mit einer Ewigen Flamme und den Namen der identifizierten Opfer. In Domostawa soll eine Erinnerungswand enthüllt werden. Vertreter der höchsten Staatsorgane haben den Ermordeten in Polen und Wolhynien die Ehre erwiesen. Am 11. Juli jährt sich der Blutsonntag zum 83. Mal. Er gilt als Höhepunkt des Völkermords an der polnischen Bevölkerung durch ukrainische Nationalisten.
Vizepremier und Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz whrend eines Trauergottesdienstes fr die Opfer des Wolhynien-Massakers auf dem rmisch-katholischen Friedhof in Olyka. In Polen wird derzeit der Nationale Gedenktag fr die Opfer des von ukrainischen Nationalisten an den Brgern der Zweiten Polnischen Republik verbten Vlkermords be
Vizepremier und Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz während eines Trauergottesdienstes für die Opfer des Wolhynien-Massakers auf dem römisch-katholischen Friedhof in Olyka. In Polen wird derzeit der Nationale Gedenktag für die Opfer des von ukrainischen Nationalisten an den Bürgern der Zweiten Polnischen Republik verübten Völkermords bePAP/Vladyslav Musiienko

Ministerpräsident Donald Tusk erinnerte am Samstag in sozialen Medien an den Nationalen Gedenktag für die von ukrainischen Nationalisten ermordeten Polen. Der 11. Juli 1943, der als „Blutsonntag“ bekannt ist, markiert den Höhepunkt des Wolhynien-Massakers. Einheiten der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA), unterstützt von Teilen der örtlichen Zivilbevölkerung, hatten damals polnische Dörfer in Wolhynien angegriffen. „Ihr Andenken zu bewahren, ist unsere gemeinsame Pflicht gegenüber ihren Familien, der Nation und dem polnischen Staat“, erklärte Tusk. Seinen Worten zufolge habe die Regierung nach jahrelanger Verzögerung die Suche nach den Opfern des Wolhynien-Massakers sowie anderer Kriegsverbrechen des 20. Jahrhunderts in der Ukraine wieder aufgenommen. Zudem seien die Exhumierungen der bislang nicht würdig bestatteten Opfer fortgesetzt worden.

Gedenkmauer mit Ewiger Flamme in Warschau
Der Ministerpräsident kündigte an, dass in Warschau eine Gedenkmauer mit einer Ewigen Flamme und den Namen der aufgefundenen und identifizierten polnischen Opfer des Wolhynien-Massakers sowie anderer Kriege des 20. Jahrhunderts auf dem Gebiet der heutigen Ukraine errichtet werde. In einem veröffentlichten Video bezeichnete er das Wolhynien-Massaker als Völkermord an Polen und polnischen Staatsbürgern anderer Nationalitäten, verübt von ukrainischen Nationalisten.

Wie Tusk betonte, dürften die Ermordeten weder namenlos noch ohne würdige Bestattung bleiben. „Wir wollen das Andenken an jedes einzelne Opfer bewahren – mit seinem Namen. Deshalb wird in Warschau eine Gedenkmauer mit einer Ewigen Flamme und den Namen aller aufgefundenen und identifizierten Opfer errichtet. Die Republik Polen wird keines von ihnen vergessen“, sagte Tusk.

Dem Ministerpräsidenten zufolge dürfe die historische Erinnerung zugleich nicht zu weiterem Hass führen. Das Europa des Friedens und des gegenseitigen Respekts nach dem Zweiten Weltkrieg sei auf Wahrheit, der eindeutigen Verurteilung von Verbrechen und der klaren Benennung der Tatsachen aufgebaut worden, so Tusk.

Präsident Karol Nawrocki nahm an einer Gedenkfeier im historischen orthodoxen Kirchenkomplex von Radruż in der Woiwodschaft Karpatenvorland teil. Dort gedachte er der von der OUN und der UPA ermordeten Polen. „Wir werden nicht zulassen, dass die 120.000 polnischen Opfer – Zivilisten, Frauen und Kinder –, die von ukrainischen Nationalisten auf grausame Weise ermordet wurden, in Vergessenheit geraten“, sagte der Präsident. Die Wahrheit und die Erinnerung seien notwendig, „damit wir auch an unsere Zukunft denken können“, betonte er. An anderen Orten waren zu den Gedenkfeiern Vertreter des Präsidialamts präsent.

„Erinnerung und Wahrheit statt Rache"
Der Jahrestag des Wolhynien-Massakers wurde von zahlreichen politischen Stellungnahmen begleitet. Gedenkveranstaltungen fanden auch in der Ukraine statt. Vizepremier und Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz war nach Wolhynien gereist. In Olyka nahm er an einem Gebet für die ermordeten Polen teil. Die Trauerfeier wird seit Jahren vom Bischof von Luzk, Witalij Skomarowskyj, organisiert. „Unsere Gedanken und Gebete gelten allen, die nur deshalb sterben mussten, weil sie Polen waren. Die Opfer rufen nicht nach Rache, sondern nach Erinnerung und Wahrheit“, schrieb der Verteidigungsminister vor seiner Reise.

Vor Ort betonte er, es gehe nicht darum, alte Wunden wieder aufzureißen oder Rache zu suchen, sondern die Erinnerung zu bewahren und eine gemeinsame Zukunft aufzubauen. Eine Versöhnung sei nur möglich, wenn sich beide Seiten der Geschichte ehrlich stellten. „Freundschaft bedeutet, einander die Wahrheit zu sagen – auch wenn sie schmerzhaft ist“, sagte er. Zugleich mahnte er, gegenseitiger Hass dürfe nicht weiter wachsen. Polen und die Ukraine müssten Bereitschaft zum Dialog zeigen und offen für eine vollständige Aufarbeitung der Vergangenheit sein.

Mit Blick auf den 11. Juli, den Nationalen Gedenktag für die Opfer des von ukrainischen Nationalisten verübten Völkermords an Polen, schlug der Verteidigungsminister symbolisch ein „elftes Gebot“ vor. „Das elfte Gebot für den 11. Juli lautet: ‚Füge keinen Schmerz zu und verherrliche nicht jene, die deinen Freunden Leid und Schmerz zugefügt haben‘“, sagte Kosiniak-Kamysz.

Am 11. Juli begeht Polen den Nationalen Gedenktag für die polnischen Opfer des von OUN und UPA an der polnischen Bevölkerung in den ehemaligen Ostgebieten der Zweiten Polnischen Republik verübten Völkermords. Der staatliche Gedenktag wurde durch ein am 4. Juni 2025 verabschiedetes Gesetz eingeführt. Das Datum erinnert an den 11. Juli 1943, als Einheiten der Ukrainischen Aufstandsarmee koordinierte Angriffe auf die polnische Bevölkerung in rund 150 Ortschaften in Wolhynien verübten. 

IAR/PR/RMF24/TVN/ps

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