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Streit um Wolhynien: PiS will Ukraines EU-Kurs blockieren, Regierung spricht von einem "Festival der Heuchelei"

14.07.2026 13:30
Die PiS will den EU-Beitrittsprozess der Ukraine wegen Wolhynien blockieren – die Regierung spricht von einem Festival der Heuchelei und warnt vor gesellschaftlicher Eskalation und russischer Instrumentalisierung des Streits. 
Oppositionsparteien sehen gut ein Jahr vor der Wahl in den wachsenden antie-ukrainischen Stimmungen eine Chance, an die Macht zurckzukehren. Der Rzeczpospolita nach knnte diese Strategie fr Polen jedoch ber Jahrzehnte hinweg verheerende geopolitische Folgen haben.
Oppositionsparteien sehen gut ein Jahr vor der Wahl in den wachsenden antie-ukrainischen Stimmungen eine Chance, an die Macht zurückzukehren. Der Rzeczpospolita nach könnte diese Strategie für Polen jedoch über Jahrzehnte hinweg verheerende geopolitische Folgen haben.TT/@ua_parliament

Die oppositionelle PiS will den EU-Beitrittsprozess der Ukraine wegen des Streits um die Erinnerung an Wolhynien blockieren. Im Sejm wurde ein Entschließungsentwurf eingereicht, der die Regierung auffordert, weiteren Schritten auf dem Weg der Ukraine in die Europäische Union nicht zuzustimmen, sofern dafür Einstimmigkeit der Mitgliedstaaten nötig ist.

Unterzeichnet wurde der Entwurf von 49 Abgeordneten der Partei Recht und Gerechtigkeit. Die Antragsteller werfen den derzeitigen ukrainischen Behörden vor, Personen und Formationen zu ehren, die für Verbrechen an der polnischen Bevölkerung in Wolhynien verantwortlich gewesen seien. Dazu zählten unter anderem die Benennung militärischer Einheiten und öffentlicher Einrichtungen sowie die Darstellung solcher Akteure als Helden des nationalen Befreiungskampfes ohne eindeutige Verurteilung der begangenen Verbrechen.

In dem Entwurf wird an den 11. Juli 1943 erinnert, den sogenannten Blutigen Sonntag. Wie die Antragsteller schreiben, griffen damals Einheiten der OUN-UPA und mit ihnen zusammenarbeitende Gruppen gleichzeitig fast hundert polnische Ortschaften an. Die PiS-Abgeordneten bezeichnen die Ereignisse als „Völkermord“ und als eine der größten Tragödien in der Geschichte des polnischen Volkes. 

PiS-Chef Jarosław Kaczyński hatte am Wochenende bei einer Gedenkveranstaltung in Chełm erklärt, die Ukraine könne nicht „mit dem Gepäck des Bandera-Kults“ in die EU aufgenommen werden. Seine Partei werde sich einer Aufnahme widersetzen, solange Kiew nicht von der Glorifizierung der Täter abrücke und die polnischen Opfer nicht gefunden und würdig bestattet würden. „Denn einem Land, das Völkermörder ehrt, kann Europa, kann die zivilisierte Welt, kann die gesamte christliche Zivilisation nicht zustimmen“, sagte Kaczyński.

Vize-PiS-Chef Przemysław Czarnek ging noch weiter und erklärte, die EU sollte die Rüstungshilfe für die Ukraine stoppen, bis Kiew im Geschichtsstreit um Wolhynien einlenkt.

Verteidigungsminister: Festival der Verlogenheit und Heuchelei

Die Regierung reagierte mit scharfer Kritik. Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz warf der PiS einen Kurswechsel aus innenpolitischem Kalkül vor. Man beobachte ein „Festival der Verlogenheit und Heuchelei“, sagte er. Die Partei distanziere sich heute von ihrer eigenen Haltung nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Damals hätten PiS-Politiker die Ukraine lautstark unterstützt und seien als Erste mit Hilfe vor Ort gewesen. Diese Hilfe werde er verteidigen, sagte der Minister.

Kosiniak-Kamysz warnte zugleich vor gesellschaftlichen Folgen der aktuellen Rhetorik. Sie könne zu mehr Aggression gegen in Polen lebende Ukrainer führen. „Heute werden Kinder angegriffen werden, weil ihr so hetzt“, sagte er in Richtung PiS, Konfederacja und Konfederacja Korony Polskiej. Es gehe auch darum, welche Atmosphäre im Land geschaffen werde. Gleichzeitig erklärte er, die Regierung werde „Wahrheit über die Ukraine“ einfordern.

Außenminister Sikorski erinnert an den Brief polnischer Bischöfe 

Außenminister Radosław Sikorski sagte, er erwarte von den Behörden in Kiew die Anerkennung von Schuld für den von ihm so bezeichneten Völkermord in Wolhynien. Auch die Benennung einer ukrainischen Eliteeinheit nach „Helden der UPA“ helfe der Versöhnung nicht; die Entscheidung von Präsident Wolodymyr Selenskyj sei ein Fehler gewesen.

Zugleich verteidigte Sikorski den Dialog mit der Ukraine und stellte sich hinter den polnischen Geschäftsträger in Kiew, Piotr Łukasiewicz. Dieser hatte bei einer Gedenkveranstaltung gesagt: „Wir müssen vergeben können und um Vergebung bitten.“ Sikorski verglich ablehnende Reaktionen darauf mit der kommunistischen Kritik der 1960er Jahre am Brief der polnischen Bischöfe an die deutschen Bischöfe, der die bekannte Formel enthielt: „Wir vergeben und bitten um Vergebung.“

Am 11. Juli jährte sich der Blutige Sonntag zum 83. Mal.

IAR/PAP/adn

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