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"Ihr hattet Recht": EU-Parlamentspräsidentin Metsola im Sejm

06.11.2026 11:46
Metsola sagte, Polen präge die Entscheidungen der EU in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik, bei der Erweiterung, in Fragen der Wettbewerbsfähigkeit und in der Zusammenarbeit mit der Ukraine. Die Politikerin nimmt heute in Warschau den Jan-Karski-Preis für das EU-Parlament entgegen.
Warschau, 06.11.2026. Die Prsidentin des Europischen Parlaments, Roberta Metsola (L), und die Senatsprsidentin Małgorzata Kidawa-Błońska (P) bei einem Treffen im Senat am 6. dieses Monats. (jm) PAPRadek Pietruszka
Warschau, 06.11.2026. Die Präsidentin des Europäischen Parlaments, Roberta Metsola (L), und die Senatspräsidentin Małgorzata Kidawa-Błońska (P) bei einem Treffen im Senat am 6. dieses Monats. (jm) PAP/Radek PietruszkaPAP/Radek Pietruszka

„Ihr hattet recht. Europa hätte euch früher zuhören sollen“, sagte Roberta Metsola am Freitag vor den Abgeordneten des polnischen Sejm. Polen habe seit Jahren vor Russland, vor der energiepolitischen Abhängigkeit und vor dem gewarnt, wozu der Kreml fähig sei. Zu viele in Europa hätten damals nicht zugehört.

Die Präsidentin des Europäischen Parlaments verwies auf Russlands Krieg gegen die Ukraine, den Einsatz von Migration als Druckmittel durch Belarus und Sabotageakte in Polen. Die polnische EU-Ratspräsidentschaft habe Sicherheit zu einer Priorität gemacht und gezeigt, wie wichtig die Finanzierung der europäischen Verteidigung sei. „Wenn Polens Sicherheit auf die Probe gestellt wird, wird Europas Sicherheit auf die Probe gestellt“, sagte Metsola. Europa müsse zusammenstehen. 

Metsola sagte, Polen präge die Entscheidungen der EU in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik, bei der Erweiterung, in Fragen der Wettbewerbsfähigkeit und in der Zusammenarbeit mit der Ukraine. Sie warb dafür, Entscheidungen möglichst nah an den Menschen zu treffen und die unterschiedlichen Traditionen und Sprachen der Mitgliedstaaten zu achten. „Europa seid ihr“, sagte sie an die Polen gerichtet.

PiS protestiert während der Rede

Während des Auftritts hielten Abgeordnete der oppositionellen PiS im Streit um das Verfassungsgericht englischsprachige Plakate hoch. Darauf warfen sie Ministerpräsident Donald Tusk einen „Staatsstreich“ vor. Sie zeigten auch Fotos von Polizisten vor dem Gerichtsgebäude. Auf einem Banner stand „Tusk = Diktator“.

Tusk sagte anschließend, Metsolas Rede habe ihn sehr bewegt. Beide teilten das gleiche Verständnis von der Bedeutung der Nationalstaaten und Europas als Ganzem. Die Protestaktion kommentierte er ironisch. Auch die „Kulisse“ sei sehr interessant gewesen. Noch während der Rede hatte er auf X ein Foto mit dem Banner im Hintergrund veröffentlicht. „Gleich fangen sie an zu singen und Uhren zu verkaufen“, schrieb Tusk dazu.

Gespräche im Parlament und Jan-Karski-Preis

Vor ihrer Rede hatte Metsola mit Sejmmarschall Włodzimierz Czarzasty gesprochen. Nach Angaben der Sejmkanzlei ging es vor allem um die Sicherheit im Osten Europas, die EU-Erweiterung und den nächsten EU-Haushalt. Die Kanzlei hatte außerdem eine für Mai 2027 geplante Sicherheitskonferenz der Parlamentspräsidenten aus EU- und NATO-Staaten sowie der Ukraine und Moldau als Gesprächsthema angekündigt. Czarzasty hatte vorab angekündigt, sich für einen EU-Beitritt der Ukraine auszusprechen. Auf dem Programm stand auch ein Treffen mit Senatspräsidentin Małgorzata Kidawa-Błońska.

Für Freitag ist außerdem die Verleihung des Jan-Karski-Adlerpreises an das Europäische Parlament im Polnischen Theater in Warschau vorgesehen. Metsola sollte die Auszeichnung im Namen des Parlaments entgegennehmen. Überreichen sollte sie der Journalist und Sacharow-Preisträger Andrzej Poczobut. Jan Karski, ein Kurier des polnischen Untergrundstaats und Augenzeuge des Holocaust, stiftete den undotierten Preis im Jahr 2000.

Metsola war am Donnerstag in Warschau eingetroffen und hatte sich mit Tusk und Staatspräsident Karol Nawrocki getroffen. Nach Angaben des Präsidialamts sprachen Nawrocki und Metsola über Klimapolitik, Migration, den nächsten EU-Finanzrahmen und die Erweiterung der Union. Vor Studierenden der Warschauer Handelshochschule hatte Metsola Polen als Beispiel dafür genannt, wie ein Land die Chancen der EU-Mitgliedschaft nutzen könne.

IAR/PAP/adn


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