Deutsche Redaktion

Außenminister kritisiert Präsidenten wegen Veto zu EU-Verteidigungsprogramm

13.03.2026 09:17
Polens Außenminister und Vizepremier Radosław Sikorski hat Präsident Karol Nawrocki scharf für dessen Veto gegen ein Gesetz zur Umsetzung des EU-Verteidigungsprogramms SAFE kritisiert. Sikorski sprach im Polnischen Rundfunk von einer „schockierenden und empörenden“ Entscheidung. Politische Motive und der „Hass auf Premierminister Donald Tusk“ seien dem Präsidenten offenbar wichtiger als die Interessen der polnischen Streitkräfte, sagte er.
Radosław Sikorski
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Nawrocki hatte am Donnerstag angekündigt, das Gesetz zur Umsetzung des europäischen Kreditprogramms für Verteidigungsinvestitionen nicht zu unterzeichnen. Die Regierung von Ministerpräsident Tusk berief daraufhin für Freitagmorgen eine Sondersitzung ein.

Sikorski erklärte, er sei davon ausgegangen, dass es in Polen trotz politischer Differenzen eine grundlegende Einigkeit über Fragen der Sicherheitspolitik gebe – etwa im Umgang mit Russland, dem Krieg in der Ukraine und der Notwendigkeit, die Verteidigungsfähigkeit des Landes zu stärken. Stattdessen habe der Präsident aus innenpolitischen Gründen gehandelt, sagte der Außenminister.


Zugleich versicherte Sikorski, dass das Militär dennoch neue Ausrüstung erhalten werde. Die Regierung habe einen „Plan B“. Allerdings könnten Mittel aus dem EU-Programm nun voraussichtlich nicht mehr auch anderen Sicherheitsdiensten wie Grenzschutz oder Polizei zugutekommen.

Das umstrittene Gesetz sah die Einrichtung eines neuen Finanzinstruments vor, über das Polen günstige Kredite aus dem EU-Programm SAFE hätte nutzen können. Diese Mittel sollten neben der Armee auch anderen Sicherheitsbehörden zugutekommen. Ohne das Gesetz könnten die Gelder stattdessen nur über einen bestehenden Fonds für die Streitkräfte eingesetzt werden, der ausschließlich militärische Projekte finanziert.


Polen hatte bei der Europäischen Union Kredite in Höhe von rund 43,7 Milliarden Euro beantragt und wäre damit der größte Empfänger des Programms geworden. Nach Angaben der Regierung sollten rund 89 Prozent der Mittel an polnische Rüstungsunternehmen gehen.


IAR/jc

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