Seit Beginn der Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas, die im November 2025 unter Vermittlung unter anderem der Vereinigten Staaten erreicht wurde, sind im Gazastreifen rund 700 Palästinenser getötet worden, wie lokale medizinische Behörden mitgeteilt haben. Seit Beginn des Krieges, ausgelöst durch den Angriff der palästinensischen Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, wurden mehr als 72.000 Palästinenser getötet. Nach Angaben der UN-Agentur UNOSAT sind 81 Prozent der Gebäude im Gazastreifen beschädigt oder zerstört. Nur knapp die Hälfte der medizinischen Einrichtungen sei noch in Betrieb, viele Menschen leben in Zelten ohne Zugang zu Wasser und sanitären Anlagen. Die Polnische Medizinische Mission hat im Nasser-Krankenhaus eine Klinik zur Wundbehandlung eingerichtet.
Wie Jakub Belina Brzozowski von der Polnischen Medizinischen Mission im Programm „Puls Trójki“ erklärte, sei die Lage im Gazastreifen weiterhin katastrophal und sehr gefährlich. „Vor allem sterben täglich Menschen. Diese Waffenruhe muss man in Anführungszeichen setzen. Tatsächlich handelt es sich um einen Konflikt geringerer Intensität, nicht um eine Waffenruhe im eigentlichen Sinne. Wir haben es weiterhin mit Bombardierungen und Beschuss zu tun. Dort spielen sich ununterbrochen schreckliche Szenen ab“, sagte er. Die humanitäre Lage habe sich etwas verbessert, da es keine Hungersnot mehr gebe. Dennoch hätten die Palästinenser keinen Zugang zu vollwertiger Nahrung und kämpften weiterhin mit Unterernährung.
Im Gazastreifen sei der Großteil der Gebäude zerstört. Der Wiederaufbau habe noch nicht einmal begonnen, da Israel die Lieferung entsprechender Baumaterialien nicht zulasse. „Deshalb wird im Grunde mit Trümmern gebaut und nicht mit geeigneten Baustoffen. Allein die Räumung der Trümmer würde – selbst wenn sie vorankäme – nach Schätzungen der Vereinten Nationen bis 2032 dauern“, betonte Jakub Belina Brzozowski.
„Der Gazastreifen wird mit jedem Monat mehr zu einem Ort, der zum Leben ungeeignet ist. Was wir versuchen, ist zumindest grundlegende Dienstleistungen und Bedingungen bereitzustellen, die ein Minimum an menschenwürdigem Leben ermöglichen. Es gibt keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen, zu sauberem Wasser und so weiter. Ich könnte das endlos fortsetzen“, fügte der Arzt hinzu.
„Drei- und vierjährige Kinder erschossen“
Wie Mariusz Borkowski erklärte, habe man es im Westjordanland mit einer „Auslöschung“ der Palästinenser durch jüdische Siedler zu tun. „Selbst der frühere israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat in einem Schreiben an den Gerichtshof in Den Haag gefordert, dass dieser Stellung bezieht und die Verantwortlichen bestraft. Er richtete auch einen Brief an die britische Zeitung ‚The Guardian‘, in dem er – ich zitiere – von ‚jüdischem Terrorismus‘ sprach, der eine existenzielle Bedrohung für Israel darstelle. Weiter schrieb er: ‚Die moralische Stärke war die Grundlage unserer Siege. Ohne diese Stärke haben wir eigentlich kein Existenzrecht‘. Er habe zudem darauf hingewiesen, dass die derzeitigen Pogrome gegen Palästinenser im Westjordanland – die zuvor in anderer Form auch im Gazastreifen stattgefunden hätten – ihn an die Pogrome gegen Juden im Dritten Reich und in Europa während des Zweiten Weltkriegs erinnerten.
Der ehemalige Nahost-Korrespondent erklärte, nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation Jesch Din komme es im Westjordanland zur Ermordung von Palästinensern, darunter Frauen, Kinder und ältere Menschen. „Als kürzlich der heilige Monat Ramadan zu Ende ging, kehrte eine palästinensische Familie in einem stark beschädigten Auto zurück. Sie wurde von Siedlern, jüdischen Kolonisten, gestoppt. Die Angreifer erschossen die Mutter und den Vater und töteten anschließend – mit auf den Kopf gerichteten Pistolen – die drei- und vierjährigen Kinder noch am Ort des Geschehens. Und wie diese israelische, nicht palästinensische, nicht europäische Organisation feststellt: ‚Die Täter wurden von den anwesenden israelischen Soldaten und Polizisten nicht einmal kontrolliert‘“, berichtete Borkowski. Wie er betonte, habe das, „was derzeit im Iran und um den Iran geschieht“, die Ereignisse im Westjordanland weitgehend aus dem Blick gedrängt.
PR/Trójka/ps