Deutsche Redaktion

„Neue Sicherheitsstrategie Polens. Besser spät als nie“

05.05.2026 13:00
Ist Polens neue Sicherheitsstrategie der Gegenwart gewachsen? Die letzte stammt aus einer anderen Epoche, noch vor der Vollinvasion Russlands gegen die Ukraine. Die polnische Polizei rechnet mit einem Zustrom illegaler Waffen aus der Ukraine. Um den Folgen entgegenzuwirken, wurde das Projekt „Trident“ gestartet – es soll die Fähigkeiten der Dienste zur Aufdeckung von Schmuggel und zur Zerschlagung organisierter krimineller Gruppen stärken. Und: Das Ausmaß des Problems des Krieges zwischen den USA und Israel mit dem Iran beschränkt sich längst nicht mehr auf den Nahen Osten. Europa bleibt in hohem Maße von den USA abhängig. Diese Abhängigkeit könnte sich als eine der teuersten und politisch unbequemsten Folgen des aktuellen Konflikts erweisen. Mehr dazu in der Presseschau.
Am Sonntag teilte der amtierende Chef des Nationalen Sicherheitsbros (BBN), General Andrzej Kowalski, mit, dass eine zwischen Prsidialamt und Regierung abgestimmte Nationale Sicherheitsstrategie ausgearbeitet worden sei. Nun muss das Dokument von Premierminister Donald Tusk unterzeichnet und anschlieend vom Prsidenten Karol Nawrocki gebilligt w
Am Sonntag teilte der amtierende Chef des Nationalen Sicherheitsbüros (BBN), General Andrzej Kowalski, mit, dass eine zwischen Präsidialamt und Regierung abgestimmte Nationale Sicherheitsstrategie ausgearbeitet worden sei. Nun muss das Dokument von Premierminister Donald Tusk unterzeichnet und anschließend vom Präsidenten Karol Nawrocki gebilligt wTwitter/BBN

Rzeczpospolita: Neue Sicherheitsstrategie Polens. „Besser spät als nie“
Am Sonntag teilte der amtierende Chef des Nationalen Sicherheitsbüros (BBN), General Andrzej Kowalski, mit, dass eine zwischen dem Präsidialamt und Regierung abgestimmte Nationale Sicherheitsstrategie ausgearbeitet worden sei. Nun muss das Dokument von Premierminister Donald Tusk unterzeichnet und anschließend vom Präsidenten Karol Nawrocki gebilligt werden. Obwohl die Strategie bereits im Juli vergangenen Jahres von der Regierung angenommen wurde, haben sie weder der damalige Präsident Andrzej Duda noch sein Nachfolger bestätigt.

Nach Einschätzung des ehemaligen GROM-Kommandeurs, General Roman Polko, sei die neue Nationale Sicherheitsstrategie um mindestens einige Jahre verspätet. Die letzte stamme aus einer anderen Epoche, noch vor der Vollinvasion Russlands gegen die Ukraine. Man könne jedoch sagen: „besser spät als nie", sagt er im Gespräch mit der „Rzeczpospolita“. Das Dokument sei als Verteidigungsstrategie die Grundlage für die Einsatzplanung und das Konzept der Beschaffung militärischer Ausrüstung. In Polen sei es jedoch umgekehrt: Es werde fortlaufend eingekauft, erklärt der General im Ruhestand, ohne eine klare Vision. In Polen würden solche Pläne eher intuitiv nach Gefühl entstehen. Aus Polkos Sicht stehe alles auf dem Kopf. Politiker würden sich zudem stärker auf interne Machtspiele und darauf konzentrieren, wer recht hat, als auf ihre eigentlichen Aufgaben.

Nach Ansicht des ehemaligen GROM-Kommandeurs zeige das Beispiel der USA deutlich die Bedeutung einer Strategie. Donald Trump habe seine Strategie verkündet, in der Europa für ihn nur von drittrangiger Bedeutung sei, die Beziehungen zu Russland normalisiert werden sollten und die Prioritäten in der westlichen Hemisphäre, im Nahen Osten und im Südchinesischen Meer lägen. Vor diesem Hintergrund wundere die Absicht des Pentagons nicht, einen Teil der Truppen aus Europa abzuziehen, heißt es. Offen bleibe derzeit die Frage, ob und wie die neue Konzeption der „NATO 3.0“, also eine Entlastung der USA durch den europäischen Teil des Bündnisses unter deutscher Führung, in der neuen polnischen Strategie berücksichtigt werde, fügt Polko hinzu.

Wie der General am Schluss sagt, hätte der Fehler in bisherigen Strategien meist darin bestanden, dort ein Dutzend Prioritäten festzuschreiben. Wenn es ein Dutzend ist, gibt es in Wahrheit keine", lautet General Roman Polkos Fazit in der Rzeczpospolita.

Dziennik/Gazeta Prawna: Polen bereitet sich auf Zustrom von Waffen aus der Ukraine vor
Polnische Dienste gehen davon aus, dass ein Ende des Krieges in der Ukraine einen sprunghaften Anstieg des illegalen Waffenhandels auslösen könnte, berichten heute polnische Medien, darunter auch die DGP. Erfahrungen aus bewaffneten Konflikten würden zeigen, dass Waffen nach ihrem Abklingen häufig auf den Schwarzmarkt gelangen. Ein solcher Mechanismus sei zum Beispiel nach den Kriegen im Westbalkan aufgetreten. Obwohl die Kampfhandlungen in den 1990er-Jahren geendet haben, stamme bis heute bis zur Hälfte der in Europa illegal zirkulierenden Waffen aus dieser Region.
Im Fall der Ukraine könnte das Ausmaß deutlich größer sein, lesen wir. Ukrainische Dienste würden bereits auf dem Laufenden weitere mit Waffen handelnde kriminelle Gruppen zerschlagen. In einem Fall sei ein Arsenal mit Gewehren, Granatwerfern und Munition sichergestellt worden. Seit Beginn der russischen Invasion 2022 bis Mitte 2024 sollen die ukrainischen Dienste mehr als 11.000 Waffen übernommen haben, darunter fast 1.500 Granatwerfer. Parallel seien über 5.400 Verfahren wegen illegalen Waffenhandels eingeleitet worden. Die Waffen kämen sowohl aus militärischen Depots oder wurden von Privatpersonen von der Front mitgenommen.

Wie das Blatt schreibt, befinde sich Polen als Grenzstaat der Europäischen Union und der NATO in einer besonderen Lage. Um den Folgen entgegenzuwirken, habe man das Projekt „Trident“ gestartet – ein breit angelegtes Programm zur Stärkung der Fähigkeiten der Dienste bei der Aufdeckung von Schmuggel und der Zerschlagung organisierter krimineller Gruppen. Nach Angaben von Beamten des Zentralen Ermittlungsbüros der Polizei (CBA) soll es als „Filter“ dienen, um den illegalen Weiterfluss von Waffen nach Westen zu begrenzen. Das Ende bewaffneter Konflikte erhöhe nämlich immer das Risiko einer unkontrollierten Verbreitung von Waffen. Dies betreffe sowohl leichte Schusswaffen als auch militärische Ausrüstung.

Experten zufolge könnte Polen bereits jetzt schon ein Transitland sein, heißt es weiter. Wenn Waffen aus der Ukraine in Deutschland und anderen westeuropäischen Staaten auftauchen, so müssen sie über polnisches Gebiet dorthin gelangt sein. Aktuelle Polizeistatistiken zeigen bislang eher die Sicherstellung von Sprengstoffen oder einzelnen Waffenteilen als große Transporte militärischer Ausrüstung. Die Dienste erwarten jedoch, dass der Schmuggel nach dem Ende der Kampfhandlungen um ein Vielfaches zunehmen könnte. Grund sei die enorme Zahl an Waffen in den Händen von Soldaten, Freiwilligen und Zivilisten. Ein zusätzlicher Risikofaktor seien Kriegsveteranen, so das Blatt. Nach dem Konflikt könnten einige Schwierigkeiten haben, ins zivile Leben zurückzufinden, was sie anfällig für die Anwerbung durch Verbrechersyndikate mache. Der Zugang zu Waffen und Kampferfahrung würde die Attraktivität solcher Personen für organisierte kriminelle Strukturen erhöhen, lesen wir.

Bis heute sollen die polnischen Dienste noch keine bestätigten Fälle eines massenhaften Waffenschmuggels aus der Ukraine registriert haben. Die Beamten sollen dennoch betonen, die aktuelle Phase des Krieges als Vorbereitungszeit zu verstehen. Entscheidend sei derzeit das sogenannte „Zeitfenster“. Ein Zeitraum, in dem sich die Staaten der Region vor dem Ende des Konflikts vorbereiten können, Strukturen, Verfahren und Einsatzfähigkeiten zu stärken. In genau in dieser Phase, heißt es abschließend, wurde das Projekt „Trident“ entwickelt.

money.pl: Die Welt könnte noch lange für den Krieg im Iran zahlen
Das Ausmaß des Problems des Krieges zwischen den USA und Israel mit dem Iran beschränke sich längst nicht mehr auf den Nahen Osten, schreibt Piotr Arak, Chefökonom der VeloBank, in einem Kommentar für money.pl. Steigende Preise für Kraftstoffe und Energie schränken weltweit die Kaufkraft der Verbraucher zunehmend ein. Ökonomen verweisen immer häufiger darauf, dass der Konflikt zu einem der wichtigsten Bremsfaktoren der Weltwirtschaft werden könnte. Selbst die bislang als relativ widerstandsfähig geltende US-Wirtschaft soll bereits die Folgen des Energieschocks spüren. Hinzu komme die Politik, lesen wir: Im Wahljahr habe die US-Regierung immer weniger Spielraum für einen strategischen Rückzug. Eine Eskalation sei politisch oft weniger kostspielig als das Eingeständnis einer Niederlage, heißt es.

Geht es nach Arak wäre es für die Märkte sogar besser, wenn der Iran wieder die Kontrolle über die Meerenge von Hormus übernehmen würde – selbst mit einer zusätzlichen Abgabe –, solange Gas und Öl weiterhin aus dem Persischen Golf fließen. Doch genau das würden die USA und Israel nicht zulassen wollen, so der Experte. Die makroökonomische Debatte habe sich somit inzwischen von der Frage „Wie lange wird der Schock dauern?“ hin zu der Frage verschoben: „Beginnt gerade eine neue Ära der Stagflation?“. Der US-Ökonom Kenneth Rogoff bewerte die Kombination aus dem Krieg im Nahen Osten, dem Krieg in der Ukraine und zunehmenden Handelsspannungen als den größten Stagflationsschock seit fünf Jahrzehnten. Seiner Einschätzung nach könnte die Inflation in den Industriestaaten über weite Teile des laufenden Jahrzehnts erhöht bleiben, schreibt das Finanzportal.

Am stärksten gefährdet bleibe Europa, insbesondere sein industrielles Zentrum. Deutschland habe seine Wachstumsprognosen halbiert – auf rund 0,5 Prozent – und die Aussichten für die gesamte Eurozone sollen sich deutlich verschlechtert haben. Für Polen habe dies grundlegende Bedeutung: Die deutsche Wirtschaft bleibe der wichtigste Exportpartner. Jede Abschwächung der dortigen Nachfrage treffe damit auch die polnische Industrie unmittelbar.

Die Rechnung der Geopolitik komme stets mit Verzögerung, treffe am Ende jedoch die Verbraucher, so Arak. Nach der Ukraine, der Pandemie und den Rüstungsprogrammen gehe Europa mit deutlich geringerem Sicherheitspuffer in eine neue Krise als noch vor wenigen Jahren, da die Kosten für die allgemeine Verschuldung steigen. Der Kontinent bleibe in hohem Maße von den USA abhängig, sowohl militärisch als auch strategisch. Diese Abhängigkeit könnte sich als eine der teuersten und politisch unbequemsten Folgen des aktuellen Konflikts erweisen, lautet die Schlussfolgerung des Experten für money.pl.

Autor: Piotr Siemiński

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