Deutsche Redaktion

Sikorski plädiert für stärkere Rolle Polens in der EU

19.02.2026 06:27
Polens Außenminister Radosław Sikorski sieht Deutschland und Frankreich nicht in der Lage, Europa allein zu führen, und fordert eine stärkere Einbindung Polens. In einem Interview mit dem „Spiegel“ sagte er, Europa müsse „mit zwei Lungen atmen – einer westlichen und einer östlichen“.
Radosław Sikorski
Radosław SikorskiWojciech Olkusnik/East News

„Deutschland und Frankreich sind heute zu schwach, um Europa zu führen. Selbst gemeinsam verfügen sie nicht über eine Sperrminorität“, erklärte Sikorski. Polen wolle die Interessen Mittel- und Osteuropas vertreten. Das Land sei nicht nur das größte der zehn Staaten, die 2004 der Europäischen Union beigetreten sind, sondern gehöre auch zu den 20 größten Volkswirtschaften weltweit. 

Beziehungen zu Deutschland 

Der Minister widersprach der Einschätzung, wonach sich die deutsch-polnischen Beziehungen seit dem Regierungswechsel in Warschau 2023 nicht verbessert hätten. „Es ist viel besser. Die Regierung in Warschau schickt Ihnen keine Rechnungen mehr“, sagte er mit Blick auf frühere Reparationsforderungen.

Zugleich betonte Sikorski, Differenzen zwischen Nachbarstaaten seien normal. „Wir müssen uns nicht sofort in die Arme fallen. Zwischen Nachbarn gibt es Meinungsverschiedenheiten. Daran arbeiten wir mit unseren Partnern in der Bundesrepublik“, sagte er. Er verwies auf das im Bau befindliche Denkmal für die polnischen Opfer in Berlin sowie auf das geplante Deutsch-Polnische Haus. Eine nachhaltige Versöhnung müsse „auf einem vollständigen Bild der Geschichte beruhen“. Das deutsche Geschichtsbewusstsein bezeichnete er als „lückenhaft“. 

Reparationsfrage 

Zur Reparationsdebatte erklärte Sikorski, die Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk erkenne die Ergebnisse der Potsdamer Konferenz an. Polen habe demnach Anspruch auf Kriegsentschädigungen aus den der Sowjetunion zugesprochenen Reparationen. „Diese wurden uns jedoch nie ausgezahlt. Man kann sagen, sie wurden uns gestohlen“, sagte er.

Nach Angaben des Ministers leben in Polen noch Zehntausende Opfer der deutschen Besatzung, die eine Entschädigung verdient hätten. Eine Zahlung wäre „eine letzte Geste“ und mehr als nur ein symbolisches Eingeständnis moralischer Verantwortung. 

Sicherheitslage und Ukraine 

Mit Blick auf die Sicherheitspolitik nannte Sikorski die Lage in der Ostsee sowie die Bedrohung durch ballistische Raketen aus dem russischen Kaliningrad als gemeinsame Herausforderungen. Ein stärkeres Engagement Berlins würde zeigen, „dass wir nicht nur auf die NATO, sondern auch auf die bilaterale Freundschaft zählen können“.

Zum Krieg in der Ukraine sagte der Minister: „Putin ist weiterhin nicht zu einem gerechten Frieden in der Ukraine bereit und will ihre Kapitulation.“ Europa müsse der Ukraine weiterhin Unterstützung zusichern. „Wir dürfen nicht zulassen, dass ein aggressives Russland mit Gewalt Grenzen verschiebt“, erklärte Sikorski.


Spiegel/PAP/jc

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