Deutsche Redaktion

Premier Tusk: „Gefährliche Farce“

13.03.2026 10:25
Polens Präsident Karol Nawrocki hat ein Gesetz zur Umsetzung des EU-Rüstungsprogramms SAFE blockiert. Ministerpräsident Donald Tusk kritisierte die Entscheidung scharf und kündigte an, dass die Regierung dennoch Investitionen in die Verteidigung vorantreiben will.
Premier Donald Tusk na nadzwyczajnym posiedzeniu rządu
Premier Donald Tusk na nadzwyczajnym posiedzeniu rząduFoto: PAP/Paweł Supernak

Zu Beginn einer außerordentlichen Sitzung des Ministerrats am Freitag sagte Tusk, das Veto sei eine erhebliche Erschwernis für das geplante Programm zur Stärkung der polnischen Streitkräfte. In Polen würden derzeit sehr scharfe Worte über die Entscheidung des Präsidenten fallen. Viele Menschen fragten sich, ob hinter dem Schritt Lobbyinteressen oder mangelnder politischer Weitblick stünden, so der Regierungschef.

Die Regierung sei jedoch auf ein mögliches Veto vorbereitet gewesen. Ursprünglich habe man geplant, das Programm gemeinsam mit dem Präsidenten am Jahrestag des NATO-Beitritts Polens zu starten, um Einigkeit in Fragen der Sicherheit zu demonstrieren.

Tusk erklärte außerdem, die Entscheidung habe bei europäischen Partnern Verwunderung ausgelöst. Seit dem Morgen erhalte er Nachrichten und Anrufe von Regierungschefs aus Europa, die nach den Gründen für das Veto fragten.

Der Ministerpräsident wies zugleich Vorschläge von Nawrocki zurück, Verteidigungsausgaben über Mittel der Nationalbank zu finanzieren. Diese Ideen seien weder verlässlich noch realistisch, sagte Tusk. Er sprach von einer „gefährlichen Farce“, die lediglich als Vorwand für das Veto diene.

Nach Angaben der Regierung soll das Programm zur Stärkung der Streitkräfte nun dennoch umgesetzt werden. Das Kabinett will dafür eine Resolution verabschieden, mit der das Projekt „Polska Zbrojna“ gestartet werden soll.

Das blockierte Gesetz hätte es der Regierung ermöglicht, über ein von der staatlichen Entwicklungsbank verwaltetes Instrument auf Mittel aus dem EU-Programm SAFE zuzugreifen. Dabei handelt es sich um einen europäischen Mechanismus für zinsgünstige Kredite zur schnellen Stärkung der Verteidigungsfähigkeit der Mitgliedstaaten.

Tusk betonte, Polen habe maßgeblich dazu beigetragen, das Programm in der Europäischen Union durchzusetzen. Die Regierung habe über Monate hinweg andere Staaten von der Notwendigkeit gemeinsamer Investitionen in die Verteidigung überzeugt und dabei auch auf die Sicherheitslage an der östlichen Grenze der EU verwiesen.

Trotz des Vetos werde die Modernisierung der polnischen Streitkräfte fortgesetzt, sagte der Regierungschef. Das Vorhaben werde möglicherweise schwieriger umzusetzen sein, aber die Regierung werde ihre Pläne nicht aufgeben.


PAP/jc

 

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