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ETS-Reform: Polen profitiert, doch zentrale Forderung bleibt unerfüllt

17.07.2026 11:12
Die EU-Kommission will den Emissionshandel reformieren und kommt Polen in mehreren Punkten entgegen. Warschau erhält aber nicht alles, was es verlangt hatte – und die entscheidenden Verhandlungen stehen erst bevor.
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Иллюстрация.Источник: pixabay.com

Brüssel – Die EU-Kommission will ihre Vorschläge zur Reform des europäischen Emissionshandels ETS vorlegen. Aus polnischer Sicht enthält das Paket mehrere Zugeständnisse, bleibt aber hinter wichtigen Forderungen Warschaus zurück. Es handelt sich zudem noch nicht um Beschlüsse: Die Verhandlungen über die endgültige Form der Regeln beginnen erst.

Industrie soll "mehr Luft und mehr Zeit" erhalten
 
Der ETS verpflichtet Unternehmen zum Erwerb von Zertifikaten für den Ausstoß von CO2. Für Polen ist die Reform besonders wichtig, weil die Kosten nach Einschätzung Warschaus Industrieunternehmen belasten und zu höheren Stromrechnungen beitragen. Die Kommission will nach Informationen des Polnischen Rundfunks nicht vom Ziel der Klimaneutralität bis 2050 abrücken. Der Industrie soll aber „mehr Luft und mehr Zeit“ gegeben werden, um die Vorgaben zu erfüllen.

Ein zentraler Punkt für Polen ist die Fortführung des Modernisierungsfonds nach 2030. Polen ist derzeit der größte Empfänger aus diesem Fonds und finanziert damit Investitionen in die Energiewende. Seit 2020 flossen mehr als 50 Milliarden Złoty in Projekte wie die energetische Sanierung von Schulen und Krankenhäusern, den Austausch von Wärmequellen, private Energiespeicher und die Modernisierung der Stromnetze.

Forderungen bei Investitionsbooster nur teilweise erfüllt

Beim geplanten Investitionsbooster für die Industrie werden polnische Forderungen nur teilweise erfüllt. Der Fonds soll insgesamt 400 Millionen CO2-Zertifikate umfassen. Davon soll ein Viertel für einkommensschwächere Mitgliedstaaten reserviert und innerhalb von 18 Monaten nutzbar sein. Polen dürfte wegen seiner Industriestruktur in dieser Gruppe den größten Anteil erhalten. Warschau hatte jedoch gefordert, die gesamte Menge von 400 Millionen Zertifikaten für weniger wohlhabende Staaten vorzusehen. In diesem Punkt könne man von „Ernüchterung“ sprechen. Zugleich wäre das Ergebnis aus polnischer Sicht besser als frühere Überlegungen der Kommission, die für diese Ländergruppe nur 60 Millionen Zertifikate vorsahen.

Polen fordert Verlängerung kostenloser Zertifikate

Polen setzte sich auch für eine Verlängerung kostenloser CO2-Zertifikate über 2034 hinaus ein. Die Kommission soll die verfügbare Menge erhöhen. Zudem ist von zusätzlichen kostenlosen Zertifikaten im Wert von rund zehn Milliarden Euro für Unternehmen die Rede, die in Dekarbonisierung investieren. Warschau argumentiert allerdings, kostenlose Zertifikate dürften nicht nur als Belohnung für Investitionen gelten, sondern seien notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie gegenüber Konkurrenten etwa aus China zu schützen.

Auch der Abbau der verfügbaren Zertifikate soll verlangsamt werden. Derzeit sinkt die Menge jährlich um mehr als vier Prozent. Künftig soll die Reduktion bis 2035 bei etwas mehr als drei Prozent liegen; nach 2035 soll sie weiter abflachen. Damit reagiert die Kommission auf Einwände von Ländern, die sich technologisch noch nicht auf ein vollständiges Auslaufen der Zertifikate vorbereitet sehen.

Zusätzlich zur ETS-Reform will die Kommission einen eigenen Vorschlag zur Berechnung kostenloser CO2-Zertifikate vorlegen. Für Polen ist das dringend, weil die umfassende Reform bis zu zwei Jahre dauern könnte. Warschau fordert differenziertere Kennzahlen, eine stärker individuelle Bewertung und eine rückwirkende Anwendung. Würden die neuen Regeln im kommenden Jahr angenommen, könnten sie auch für das laufende Jahr gelten; polnische Unternehmen könnten dann einen Teil kostenloser Zertifikate zurückerhalten.

Mit der Veröffentlichung der Vorschläge beginnt in der EU die „eigentliche Schlacht“ um die endgültige Ausgestaltung der Reform. Über das Paket müssen anschließend Mitgliedstaaten und Europäisches Parlament verhandeln.

IAR/adn

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