Rzeczpospolita: Absurde Forderungen der USA
Wie die konservativ-liberale Tageszeitung Rzeczpospolita erinnert, sondieren die USA die Möglichkeit, eine der polnischen Patriot-Batterien samt Raketen aus polnischen Beständen in den Nahen Osten zu verlegen. Die Zeitung befragt dazu den früheren Kommandeur der Eliteeinheit GROM, General Roman Polko. Die Amerikaner wollten anscheinend, dass Polen sich seiner eigenen Verteidigungsmittel entledige, so der Militär. Bei Politikern und Journalisten, die lautstark behaupteten, nur die Vereinigten Staaten seien Garant der Sicherheit, sollte jetzt ein Warnsignal aufleuchten. Denn als in Polen russische Drohnen und Raketen einschlugen, sei es Deutschland gewesen, das eine Patriot-Batterie bereitgestellt habe — nicht die USA, lesen wir.
Wie Polko betont, werde in Europa aktuell ein hybrider Krieg geführt. Es sei unbegreiflich, dass US-Außenminister Marco Rubio das nicht sehe — denn er sei es gewesen, der bereits für die Ukraine gekaufte Lieferungen im Rahmen der Trump-Doktrin „America First" in den Nahen Osten umgeleitet habe. Es sei äußerst gefährlich, wenn höchste Vertreter der Regierung Trump ihre Verpflichtungen innerhalb der NATO-Strukturen nicht wahrnehmen, betont Polko. Heute sage Polen: „Karten auf den Tisch". Das Land sei in Afghanistan und im Irak präsent gewesen, als die Amerikaner darum gebeten hätten — nie habe es seine Unterstützung verweigert, selbst unter Inkaufnahme von Kritik. Ausgerechnet jetzt, inmitten von Drohnen- und Raketenangriffen, von Polen die Herausgabe seiner Luftverteidigung zu verlangen, sei absurd und zeige, mit welcher Geringschätzung Polens Sicherheit, die NATO und Europa behandelt würden, so der General.
Doch die Problematik reiche weiter. Die Einschränkung der Waffenlieferungen an die Ukraine schwäche zugleich Polens eigene Fähigkeiten und erhöhe die Bedrohung. Europa dürfe nicht für eine fehlerhafte amerikanische Strategie verantwortlich gemacht werden — dafür, dass man im Iran eingegriffen habe, ohne Lehren aus Afghanistan, dem Irak oder Syrien zu ziehen. Im Nahen Osten herrsche Chaos, und jetzt solle Europa dieses Durcheinander beseitigen? Solche Forderungen würden tatsächlich erhoben, so Polko.
Die strategische Partnerschaft mit den USA sei für Polen wichtig, und das Land habe stets bewiesen, dass es an der Seite seiner amerikanischen Partner stehe, betont der General abschließend. Doch wenn Polen nun selbst in Not sei, erwarte man Beschleunigung und Unterstützung — und nicht, entwaffnet zu werden. Sollte irgendein Regierender in diese Richtung gehen, würde er das Leben polnischer Bürger gefährden. Dafür werde es keine Zustimmung geben — von keiner politischen Kraft in Polen, so General Roman Polko im Gespräch mit der Rzeczpospolita.
Sport.pl: Polen wurde in der WM-Quali des Sieges beraubt
Die polnische Fußballnationalmannschaft hat gestern im Qualifikationsspiel zur Weltmeisterschaft gegen Schweden 3:2 verloren. Damit verpasst Polen zum ersten Mal seit 12 Jahren eine WM. Heimische Kommentatoren sind sich jedoch einig: Die Nationalmannschaft habe eines ihrer besten Spiele der vergangenen Jahre ausgetragen und den Gegner klar dominiert. Als der Einzug zur WM nur noch Formsache schien, hätten die Schweden jedoch den Todesstoß versetzt. Die Mannschaft von Jan Urban habe engagiert und stark gespielt. Doch Fußball sei nicht immer gerecht, manchmal sogar grausam. Man könne viel Herz und Arbeit in den sportlichen Erfolg investieren — und am Ende mit leeren Händen dastehen, so der Tenor polnischer Medien.
Im Alles-oder-nichts-Spiel um die WM-Teilnahme sei sehr viel passiert, sagt Michał Listkiewicz in einem Gespräch mit dem Portal Sport.pl. Es fielen fünf Tore, nach einer dramatischen Schlussphase hätten die Schweden 3:2 gewonnen. Nach Ansicht des früheren FIFA-Schiedsrichters habe der Unparteiische den Polen das Leben im unter Stockholm gelegenen Solna schwer gemacht. Die Weiß-Roten seien ihres Einzugs in die WM geradezu beraubt worden. Schiedsrichter Slavko Vinčić habe in entscheidenden Situationen zum Nachteil der polnischen Mannschaft geirrt, lesen wir.
Die größte Kontroverse unter polnischen Spielern und Fans habe eine Szene zu Beginn der zweiten Halbzeit ausgelöst. Die Weiß-Roten lagen bereits mit 1:2 zurück. In der 48. Minute sei Jakub Kamiński im Strafraum der Schweden nach einem Zweikampf mit einem Abwehrspieler zu Boden gegangen. Auf der Wiederholung habe man gesehen, dass der Gegner den Polen am Bein getroffen habe. Schiedsrichter Vinčić habe jedoch keinen Elfmeter gegeben. Nach Ansicht von Listkiewicz hätte es einen Strafstoß geben müssen — es habe einen Tritt gegen das Bein gegeben, es sei zum Kontakt gekommen, betont der Experte.
Auch der Video-Assistent habe die Interpretation des slowenischen Schiedsrichters gestützt, und das Spiel sei weitergelaufen. Der frühere Präsident des Polnischen Fußballverbands habe keinen Zweifel: Es sei ein doppelter Fehler gewesen. „Weder der Hauptschiedsrichter noch sein Video-Assistent lagen richtig", urteilt er. Listkiewicz kritisiert auch Vinčićs Entscheidung, kurz vor der Halbzeit den Schweden einen Freistoß zu geben, aus dem die Gastgeber ihr zweites Tor erzielt hätten. Er habe dort kein Foul gesehen — der Schwede habe geschwindelt und einen Freistoß erzwingen wollen. Der Schiedsrichter habe viele deutlichere Aktionen laufen lassen, und bei einer solchen Kleinigkeit gepfiffen. Er sei sehr inkonsequent gewesen. Man wisse nie, wie man spielen solle — dieselbe Situation pfeife er einmal, das nächste Mal nicht. „Wir können uns auf jeden Fall benachteiligt fühlen", so Listkiewicz für das Portal Sport.pl.
Dziennik/Gazetaprawna: Wer zahlt für den billigen Treibstoff?
Politische Einigkeit in Polen bedeute selten Vernunft. Meist entstehe sie, wenn alle schnell Geld verteilen wollten — ohne auf die Kosten zu achten, schreibt Jacek Żakowski in seinem Kommentar für das Wirtschaftsblatt Dziennik/Gazeta Prawna (DGP). So sei es auch diesmal beim staatlichen Programm zur Senkung der Treibstoffpreise wegen des Krieges im Nahen Osten: Die Autofahrer sparten ein paar Złoty, die Rechnung würden jedoch alle zahlen müssen, lesen wir.
Dem Autor zufolge gebe es in der polnischen Politik nur wenige feste Regeln, aber eine sei fast sicher: Wenn Sejm und Senat ein Gesetz blitzschnell und nahezu einstimmig verabschiedeten und der Präsident es umgehend unterzeichne, handele es sich meist um Unsinn, für den Polen dann teuer bezahlen müsse. Das bekannteste Beispiel sei vor acht Jahren die Novelle zum Gesetz über das Institut für Nationales Gedenken gewesen, die Forschungen über den Holocaust habe verbieten sollen. Erst unter internationalem Druck habe man schnell zurückrudern müssen.
Warum ende politische Einigkeit in Polen meist schlecht, fragt der Autor. Überparteilicher Konsens müsse nicht automatisch schlecht sein — in Polen aber entstehe er vor allem durch eine Explosion populistischer Hysterie, die mit rationalem Denken wenig zu tun habe. Seit vielen Jahren verbinde nur noch klinischer Populismus die beiden größten Parteien — die nationalkonservative PiS und die liberale KO, so Jacek Żakowskis Fazit in Dziennik/Gazeta Prawna.
Autor: Piotr Siemiński