Deutsche Redaktion

Donald Tusk gegen die Rechte im Ringen um Deutungshoheit und Macht

08.04.2026 13:00
Der kürzliche Schlagabtausch zwischen Donald Tusk und der Rechten über die Freigabe der Straße von Hormus habe nicht den Eintritt in einen Krieg gegen den Iran betroffen, sondern die Kontrolle über die Narrative von Polens Platz in der Welt. Trumps Militäroperation verlaufe nicht nach Plan. Mehr noch: Sie verlaufe katastrophal. Und: Es gehe weder um ein iranisches Atomwaffenprogramm noch „jüdische Verschwörungen“ oder die oft unterstellte grenzenlose Dummheit der amerikanischen Regierung sondern darum, China von den Energielieferungen aus dem Persischen Golf abzuschneiden. Mehr dazu in der Presseschau.
Das Regierungslager um Donald Tusk betrachte die Vereinigten Staaten unter Donald Trump mit Misstrauen. Sie sehe in ihm eine Gefahr fr die Stabilitt unserer Region. Deshalb sei es fr die Brgerliche Koalition politisch vorteilhaft, die Recht und Gerechtigkeit und Prsident Karol Nawrocki mit Trump zu verknpfen.
Das Regierungslager um Donald Tusk betrachte die Vereinigten Staaten unter Donald Trump mit Misstrauen. Sie sehe in ihm eine Gefahr für die Stabilität unserer Region. Deshalb sei es für die Bürgerliche Koalition politisch vorteilhaft, die Recht und Gerechtigkeit und Präsident Karol Nawrocki mit Trump zu verknüpfen. Foto: PAP/Piotr Nowak

Rzeczpospolita: Donald Tusk gegen die Rechte im Ringen um Deutungshoheit und Macht
In der konservativ-liberalen Tageszeitung schreibt der Chefredakteur über die jüngsten politischen Turbulenzen in Polen im Zusammenhang mit dem Krieg im Iran. Alles habe mit einem Kommentar des Präsidialministers Marcin Przydacz begonnen. In Medien argumentierte dieser, wenn Europa die Bitte der USA ignoriere, bei der Freigabe der Straße von Hormus zu helfen, würden die Amerikaner den Kontinent ebenfalls im Stich lassen, sobald die EU Unterstützung bräuchte – etwa im Falle eines Konflikts mit Russland. Premier Donald Tusk schrieb daraufhin auf X, einigen Politikern der Rechten und der Präsidialkanzlei täte ein Eimer kalten Wassers gut, da sie Polen in einen Krieg im Nahen Osten hineinziehen wollten, was er niemals zulassen werde. Die Rechte habe daraufhin Tusk einen Strom von „Lügen und Manipulationen“ vorgeworfen. Sie beschuldigte die Regierung, die USA aus Europa und der NATO drängen zu wollen – und damit die Sicherheit Polens zu gefährden.

Statt Feiertagsstimmung hätten die Polen eine kräftige Dosis polarisierenden Streits bekommen, schreibt Szułdrzyński. Worum ging es dabei eigentlich? Weder habe Marcin Przydacz zum Eintritt Polens in den Krieg gegen den Iran aufgerufen, noch wolle Donald Tusk das Bündnis mit den Vereinigten Staaten brechen. Dem Autor zufolge ging es bei dem ganzen Radau nur um Macht. Darüber, wer das Monopol auf die Deutung von Polens Platz in der Welt habe. Donald Tusk und das Umfeld des Präsidenten hätten darüber gestritten, wer das Recht habe, den Polen ihre Interessen und ihre Sicherheit zu erklären – und damit letztlich darüber, wie diese Interessen überhaupt definiert würden.

Worin unterscheiden sich die Vorstellungen vom Platz Polens in der Welt bei Donald Tusk und den Konservativen? Im Denken der Rechten sei ein tiefes Misstrauen gegenüber Westeuropa verankert – ein Misstrauen, das auch Donald Trump teile. Die amerikanische Kritik befinde sich sogar in der Ende vergangenen Jahres verabschiedeten Nationalen Sicherheitsstrategie der USA, heißt es im Blatt. Die Rechte sehe in Donald Trump einen Garanten der internationalen Ordnung – trotz seiner Unberechenbarkeit. Wenn er von Europa verlange, einen von ihm begonnenen Krieg zu Ende zu führen, dann sollte Europa dem nachkommen. Werde die Straße von Hormus nicht freigegeben, so liege die Schuld, der Rechten nach, bei Europa und nicht bei Donald Trump, obwohl dieser den Konflikt gemeinsam mit Israel entfacht hat.

Das Regierungslager wiederum betrachte die Vereinigten Staaten unter Donald Trump mit Misstrauen. Sie sehe in ihm eine Gefahr für die Stabilität unserer Region. Deshalb sei es für die Bürgerliche Koalition politisch vorteilhaft, die Recht und Gerechtigkeit und Präsident Karol Nawrocki mit Trump zu verknüpfen. Geht es nach dem Autor sei ihre Warnung, die Rechte wolle Polen in einen sinnlosen Krieg mit dem Iran hineinziehen, eine logische Folge dieser Strategie. Und nur darum sei es bei dem österlichen Schlagabtausch in den sozialen Medien gegangen, lautet Michał Szułdrzyńskis Schlussfolgerung.

DoRzeczy: Trumps lautes Theater
Was solle man dazu noch sagen: Wenn nach einem Monat Militäroperation plötzlich der Generalstabschef abgesetzt werde – ein Jahr vor Ende seiner Amtszeit – und dazu mehrere weitere ranghohe Generäle, dann beweise dies nur eines, urteilt indes Rafał Ziemkiewicz für das rechtskonservative Online-Portal DoRzeczy: Trumps Militäroperation verlaufe nicht nach Plan. Mehr noch: Sie verlaufe katastrophal.

Geht es nach dem Autor gewinne der Iran schlicht den Krieg gegen die mächtigen Vereinigten Staaten – so wie einst Vietnam und vor kurzem Afghanistan. Daran würde auch das Getöse von Präsident Donald Trump nichts ändern. Er schwanke zwischen „Wir haben sie vollständig zerschlagen, wir haben gesiegt, mit den Ajatollahs ist Schluss“, über „Wenn sie nicht sofort aufhören, sich uns zu widersetzen, löschen wir ihre Zivilisation aus“, bis hin zu „Eigentlich haben wir keine Interessen in der Straße von Hormus, sollen sich doch diejenigen darum kümmern, die dort Interessen haben.“

Besonders seine letzte Äußerung – vom Gründonnerstag – schlage dem Fass den Boden aus, heißt es weiter. Die USA würden schließlich keine nennenswerten Mengen an Kohlenwasserstoffen aus dem Persischen Golf importieren, sie verfügen schließlich über eigene Ressourcen. Durch die Straße von Hormus gehen vor allem Lieferungen in asiatische Staaten. Auch in solche, die mit den USA verbündet sind. Ebenso gelten die Staaten am Persischen Golf bislang als Verbündete Washingtons. Die Amerikaner würden nun aber beide Gruppen von Partnern plötzlich im Stich lassen, lesen wir. Wie Ziemkieiwcz als Fazit für DoRzeczy schreibt, scheinen die Amerikaner zu sagen: Sollen doch für die Sicherheit in der Straße von Hormus jetzt jene sorgen, die daran das größte Interesse haben. Also wer, fragt der Autor abschließend - die Chinesen?

Wprost: Washingtons Kalkül gegen China
Eine ähnliche Deutung der Ursachen des Konflikts zwischen den USA und dem Iran liefert der Publizist der Wochenzeitschrift Wprost, Jakub Mielnik. Weder ein iranisches Atomwaffenprogramm noch „jüdische Verschwörungen“ oder die oft unterstellte grenzenlose Dummheit der amerikanischen Regierung würden ihm nach die Komplexität des Krieges mit den Ajatollahs so gut erklären wie der Versuch, China von den Energielieferungen aus dem Persischen Golf abzuschneiden.

Über die Krise der amerikanischen Dominanz lasse sich viel sagen, doch die USA verfügen weiterhin über die mächtigsten und effektivsten Streitkräfte der Welt. Jetzt komme sie im Iran zum Einsatz. Das Problem, heißte es weiter: Die militärische Überlegenheit Washingtons beruhe auf Rohstoffen, die heute von seinem wichtigsten Rivalen kontrolliert werden – von China. Deshalb, so die These, habe sich Donald Trump zum Angriff auf den Iran entschlossen.

Er habe dies nicht so sehr wegen eines iranischen Atomprogramms oder aus Abneigung gegen das Regime der Ajatollahs getan, sondern weil es im amerikanischen Interesse liege, Unruhe im Persischen Golf zu stiften, lesen wir. Mielnik nach sei das verschleierte Ziel, chinesische Einflüsse und Handelswege zu treffen – vor allem aber, die chinesische Wirtschaft von Energielieferungen aus dem Nahen Osten abzuschneiden. Und genau das sei der zentrale Zweck der amerikanischen Strategie, lesen wir auf Wprost.

Um dieses Ziel zu erreichen, benötigen die USA keinen Sieg über den Iran: Es reiche, das Regime unter Druck zu halten, den Energiefluss nach China zu drosseln. Eine Lockerung des Drucks in der Straße von Hormus könnte Washington dann im Austausch für Fortschritte bei den Seltenen Erden gestatten. Peking kontrolliere rund 90 Prozent ihrer Produktion – und damit auch das Tempo der technologischen Entwicklung, an das die globalen Ambitionen aller großen Akteure geknüpft seien, so Jakub Mielnik abschließend im Wochenblatt.

Autor: Piotr Siemiński

Tusk: Situation im Nahen Osten wird eskalieren

27.03.2026 17:30
„In den kommenden Tagen erwarten wir eine Eskalation des Konflikts im Nahen Osten“, sagte Ministerpräsident Donald Tusk. Seine Äußerung fiel im Zusammenhang mit den Vorbereitungen für ein Gesetzespakets zur Senkung der Kraftstoffpreise. Sie deckt sich mit Berichten westlicher Medien über einen bevorstehenden schweren Schlag gegen Iran.

Kommentar: Am Rande einer Katastrophe

28.03.2026 16:12
Die Welt steht am Rande eines gewaltigen Konflikts, in dem alle Hauptbeteiligten zu den Verlierern zählen werden – während diejenigen profitieren, die abseits stehen. Leider könnten das Russland und China sein, falls die USA einen wahnsinnigen Fehler begehen und Europa sich darauf nicht vorbereitet.

Krieg in Nahost: Trump kündigt US-Rückzug in drei Wochen an – Teheran bestreitet Verhandlungen

01.04.2026 10:53
Trump erklärte, die USA hätten die iranische nukleare Bedrohung beseitigt. Zugleich zeigte er sich überzeugt, dass der Krieg nicht länger als zwei bis drei Wochen dauern werde. Der iranische Außenminister Abbas Aragczi wies unterdessen Berichte über Verhandlungen mit den USA zurück.

„Absurde Forderungen der USA"

01.04.2026 12:50
Die USA sondieren die Möglichkeit, eines der polnischen Luftverteidigungssysteme Patriot in den Nahen Osten zu verlegen. Polnischen Experten zufolge würde Washington dadurch auf absurde Weise Polens Luftverteidigung schmälern. Die polnische Fußballnationalmannschaft hat gestern im Qualifikationsspiel zur diesjährigen Weltmeisterschaft gegen Schweden 3:2 verloren. Einigen Kommentatoren zufolge seien die Polen sogar ihres Einzugs in die WM beraubt worden. Und: Wer zahlt in Polen für den billigeren Treibstoff wegen des Krieges im Nahen Osten? Mehr dazu in der Presseschau.

Außenminister: Trumps NATO-Austrittsdrohungen sind ernst zu nehmen

03.04.2026 06:00
„Natürlich ist die NATO das Fundament unserer Sicherheit, und natürlich wollen wir ein guter, verlässlicher Verbündeter der Vereinigten Staaten sein. Aber wir können nicht so tun, als würde der US-Präsident nicht sagen, was er sagt“, erklärte Polens Chefdiplomat.

Tusk warnt vor Verwicklung Polens in Nahost-Konflikt

07.04.2026 06:45
Ministerpräsident Donald Tusk hat die nationalkonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) sowie das Umfeld von Präsident Karol Nawrocki beschuldigt, Polen in einen Krieg im Nahen Osten hineinziehen zu wollen. „Das werde ich nicht zulassen“, schrieb Tusk auf der Plattform X.