RZECZPOSPOLITA: „Ja, ich würde mich erneut für Jedwabne entschuldigen"
Die konservativ-liberale Rzeczpospolita veröffentlicht zum 85. Jahrestag des Mordes von Jedwabne ein ausführliches Gespräch mit Aleksander Kwaśniewski, dem polnischen Staatspräsidenten der Jahre 1995 bis 2005. Zum 60. Jahrestag hatte sich Kwaśniewski im Jahr 2001 in Jedwabne für das Verbrechen entschuldigt. Ob er es heute wieder täte, fragt Jacek Nizinkiewicz. Die Antwort fällt eindeutig aus: Ja, er würde sich erneut entschuldigen. Diese Worte seien nötig gewesen. Im Bewusstsein, dass nicht alle diese Haltung teilten, habe er im Namen jener gesprochen, in deren Herzen Schmerz und Scham über das Geschehene lägen.
Gegenüber derart schwierigen historischen Ereignissen, so Kwaśniewski, seien stets zwei Haltungen möglich. Die einen nähmen nicht zur Kenntnis, dass etwas geschehen sei, und verdrängten das Böse – eine für den Menschen recht typische Reaktion. Die anderen hätten die Kraft, sich Taten zu stellen, die keinen Ruhm brächten, die zur Reflexion zwingen und eine Warnung sein sollten. Jedwabne sei dabei nur ein Ausschnitt der Geschichte – der polnischen wie der europäischen Kriegs- und Tragödiengeschichte. Ähnliche Konstellationen kenne man aus vielen Regionen, etwa aus der Ukraine oder vom Balkan.
Der heutige Staatspräsident Karol Nawrocki hatte 2021 als Leiter des Instituts für Nationales Gedenken (IPN) erklärt, das Verbrechen von Jedwabne sei nicht im Namen des polnischen Staates begangen worden und wäre ohne die deutsche Besatzung nicht möglich gewesen. Selbstverständlich sei der Mord nicht im Namen des polnischen Staates begangen worden, der damals besetzt gewesen sei, meint Kwaśniewski. Aber: „Der Mord fand statt, und es war ein Mord, begangen von Nachbarn – von polnischen Staatsbürgern an Juden, an polnischen Staatsbürgern." Polen hätten ihre jüdischen Nachbarn in die Scheune getrieben und ermordet. Krieg und deutsche Besatzung seien Umstände, die solches Verhalten freigesetzt hätten – sie rechtfertigten es jedoch nicht. Der Krieg sei eine Zeit, in der moralische Werte degenerierten und das menschliche Leben weniger gelte als im Frieden. Doch das sei keine Entschuldigung. Auch der polnische Antisemitismus, den es gegeben habe und leider weiterhin gebe, habe damals seine Rolle gespielt: die Ghettobänke an den Universitäten, Übergriffe auf Juden, die gesamte antijüdische Publizistik der Zwischenkriegszeit.
In dem Interview schildert der frühere Präsident seinen Besuch in Jedwabne. Er werde den Tag nie vergessen, an dem er mit der Delegation durch vollkommen leere Straßen gegangen sei. Die Fenster seien geschlossen gewesen, niemand habe sich gezeigt – ein Boykott der Feierlichkeiten durch die Einwohner, trotz der mutigen Haltung des Bürgermeisters. An dessen Namen erinnere er sich bis heute: Krzysztof Godlewski. Später sei dieser in die Vereinigten Staaten ausgewandert, weil er es in dieser Atmosphäre nicht mehr ausgehalten habe. Die einzigen polnischen Häuser, die damals offen gestanden hätten, seien jene gewesen, in denen man ein paar Groschen an den Fernsehteams habe verdienen wollen – für die Vermietung von Räumen oder die Benutzung der Toilette, wofür man kräftig zur Kasse gebeten worden sei.
Die Debatte, die damals entbrannt sei, habe einen Sinn gehabt, betont Kwaśniewski. Sie habe vielen die Einsicht ermöglicht, dass Geschichte nicht schwarz-weiß sei und die polnische Geschichte nicht nur aus heldenhaften Kapiteln bestehe. Das sei keine „Pädagogik der Scham" gewesen, wie es heute heiße, sondern der Aufbau von gesellschaftlicher Stärke und Vernunft durch Wahrheit – und die Zurückweisung von Hass und Gewalt. Nicht bei allen habe diese Reflexion stattgefunden; manche hätten Verdrängung oder Leugnung gewählt. „Diejenigen aber, die darüber nachgedacht haben, sind heute bessere Menschen."
Deutliche Worte findet der frühere Präsident zu jenen, die zum Jahrestag nach Jedwabne fahren, um das Verbrechen zu leugnen – darunter Grzegorz Braun. Die polnischen Behörden und Dienste müssten die Sicherheit der Teilnehmer der Gedenkfeiern gewährleisten. Das Bild jener Polen, die Jedwabne oder den Holocaust leugneten, sei sehr traurig. Es handele sich allerdings nicht um ein rein polnisches Phänomen: Auch in Deutschland gewinne die AfD an Popularität, die sich auf Lüge und Hass gründe. In Polen wachse Brauns Partei unter anderem durch das Leugnen historischer Tatsachen. „Die AfD in Deutschland und Braun in Polen sind kein politischer Rand mehr", so Kwaśniewski – das gebe ernsthaften Anlass zur Sorge und zur Mobilisierung jener demokratischen Kreise, die diese Gefahr verstünden.
Dass die Konfederacja Korony Polskiej derzeit den stärksten Zuwachs in den Umfragen verzeichne und Brauns Formation nach aktuellem Stand 54 Abgeordnete in den Sejm entsenden würde, führt Kwaśniewski auch auf den zeitlichen Abstand vom Zweiten Weltkrieg zurück. Überlebende gebe es kaum noch, die Zeugen jener Ereignisse würden weniger, und für viele Menschen der jüngeren Generation werde der Krieg nicht einmal mehr Geschichte, sondern Vorgeschichte. Zugleich gebe es zynische Politiker, die die Geschichte gut kennen, sich in das Kostüm der Hyperpatrioten, der antideutschen und antijüdischen Ritter kleideten und versuchten, diese Karte auszuspielen. Dass dies auf beträchtliche Resonanz stoße, beunruhige ihn sehr, so Aleksander Kwaśniewski im Gespräch mit der Rzeczpospolita.
RZECZPOSPOLITA: „Langfristig dient das Putin"
Jedwabne und das Wolhynien-Massaker – am 11. Juli jährt sich der „Blutige Sonntag" zum 83. Mal – seien ungeheilte Wunden, sagt Kwaśniewski im weiteren Verlauf des Gesprächs. Selbst dort, wo sie ein wenig vernarbt seien, rufe jede Berührung Schmerz und Überempfindlichkeit hervor. Über Verbrechen gehe man nicht einfach zur Normalität über; ein ähnliches Problem kenne man auf dem Balkan. Die Frage sei, wie man damit umgehen wolle. Es gebe den nationalistischen Weg – das Ausschlachten der Tragödie, das Kultivieren von Ressentiment, Hass und Revanchebedürfnis. Und es gebe den zweiten Weg, den man den christlichen oder humanistischen nennen könne: „Wir vergeben und bitten um Vergebung" – der Weg zur Versöhnung. Auf dem Fundament der Wahrheit, ohne zu vergessen, ließen sich Bedingungen schaffen, damit kommende Generationen einander mit Offenheit und Dialogbereitschaft begegneten. Das sei außerordentlich schwierig, aber es gelinge: Die Überwindung des Hasses zwischen Deutschen und Franzosen sei dafür ein Beispiel, ebenso der – noch andauernde – Prozess in Irland.
Zum polnisch-ukrainischen Verhältnis meint Kwaśniewski, es sei ein Fehler, dass man sich in der Versöhnung zurückbewege. Die Politiker spielten damit, und gesellschaftlich sehe das schlecht aus. In den polnisch-jüdischen Beziehungen habe sich nach der Jedwabne-Debatte sehr viel getan: eine Eruption kultureller Ereignisse, jüdische Kulturwochen in vielen Städten, das POLIN-Museum, die Popularisierung der Judaistik. Auch in ukrainischen Angelegenheiten habe man vieles erreicht – Friedhöfe seien geöffnet und erneuert worden, darunter der Friedhof der Lemberger Adlerjungen; die Exhumierungen liefen weiter und seien durch die jüngsten Ereignisse nicht verlangsamt worden. Statt solche Maßnahmen zu stärken, gehe man nun in Richtung Wahlkampfspiel.
Der Vorwurf gilt beiden Seiten. Selenskyj spiele für seine Wahlen und wolle die mächtige Wählerschaft der Kriegsveteranen um nationalistische und patriotische Parolen mobilisieren; er greife dabei auf historische Fakten zurück, die Polen und Ukrainer unweigerlich entzweiten. Auf der anderen Seite spielten die polnische Rechte, die Konfederacja und Braun, dieselbe Karte – und es zahle sich für sie aus, weil es einige Prozentpunkte in den Umfragen bringe. Die PiS, die um diese Wählerschaft fürchte, rücke auf stärker antiukrainische Positionen.
Man, so Kwaśniewski weiter, müsse der PiS zugestehen, dass sie unmittelbar nach Kriegsausbruch eine außerordentlich engagierte, sinnvolle und effektive proukrainische Politik betrieben habe. Er sei voller Respekt für jene Menschen, die damals an der Hilfsfront gearbeitet hätten. So kritisch er gegenüber Ministerpräsident Mateusz Morawiecki und dem PiS-Vorsitzenden Jarosław Kaczyński sei – in dieser Sache hätten sie absolut richtig und mutig gehandelt. Man erinnere sich an ihre gemeinsame Reise in die Ukraine; effektiv habe auch Minister Michał Dworczyk gearbeitet. „Warum sollen wir das heute vergessen und erklären, das alles sei zufällig gewesen, versehentlich, in einem Moment der Schwäche?"
Die antiukrainische Karte werde auf polnischer, die nationalistische auf ukrainischer Seite gespielt werden, prognostiziert der frühere Präsident. Doch das seien kurzfristige Ideen, denn langfristig diene dies Russland, das sich vom historischen polnisch-ukrainischen Konflikt nähren und ihn auf die Gegenwart übertragen werde. Die polnische Rechte werde – zur Freude Russlands – den EU-Beitritt der Ukraine blockieren. „Langfristig dient das Putin, kurzfristig kann es Selenskyj, Nawrocki und der polnischen Rechten dienen." Ein Politiker, der nur auf die nächsten Wahlen hin handle, möge die Wahlen gewinnen – ein Staatsmann werde er nicht, und dem Volk diene er auch nicht.
Von einer polnischen „Geschichtspolitik" hält Kwaśniewski wenig: Immer wenn jemand davon spreche, rieche es meilenweit nach Lüge und Manipulation. Man müsse über die Geschichte so sprechen, wie sie sich zugetragen habe, und dieses Wissen samt Kontext müsse die Menschen erreichen. Man müsse auch Historiker und ernsthafte Menschen aus der Ukraine zu Wort kommen lassen, die erklärten, warum sie in der UPA eine Befreiungsarmee sähen, die mit den Sowjets um die Unabhängigkeit gekämpft habe – und warum sie die Verbrechen in Wolhynien an den Rand drängten. Der britische Historiker Norman Davies rufe zu Maß und Vernunft auf; in einem Brief an Donald Tusk habe dasselbe Wiktor Juschtschenko angemahnt. Ausgerechnet Juschtschenko, so Kwaśniewski, sei jener ukrainische Präsident gewesen, der der nationaleren Strömung angehöre und der Einzige, der die Geschichte der UPA gekannt und mit Sentiment behandelt habe. Wenn er nun Tusk zu Mäßigung rate, sei das ein Zeichen, dass man auch auf der schwierigeren Seite Partner suchen könne. „Wir dürfen die polnisch-ukrainischen Beziehungen nicht in die Hände der Radikalen legen, denn sie werden eine Tragödie über uns bringen."
Und die Stimmung in der Ukraine? Kwaśniewski, gerade von dort zurückgekehrt, berichtet, antipolnische Stimmungen gebe es bislang nicht. Man blicke auf Polen als auf die schärfere Seite, doch was er wahrgenommen habe, sei ein patriotischer Aufschwung – nicht wegen der Auseinandersetzung mit Warschau, sondern weil die Ukraine an der Front Erfolge erziele. Ukrainische Drohnen erreichten Sankt Petersburg, Moskau und den Ural; das gebe den Menschen ein Gefühl der Stärke, das sie zuvor nicht gehabt hätten. „Auf einer Verschlechterung der polnisch-ukrainischen Beziehungen gewinnt nur der Aggressor. Gönnen wir ihm diese Genugtuung nicht und lassen wir nicht zu, dass die Vergangenheit die Zukunft zerstört", so Aleksander Kwaśniewski in der Rzeczpospolita.
GAZETA WYBORCZA: „Wir müssen uns einigen. Sonst verlieren wir"
Die linksliberale Gazeta Wyborcza bringt die ukrainische Gegenperspektive – im Gespräch von Wiktoria Bieliaszyn mit Mychajlo Podoljak, Berater von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Ausgangspunkt ist das inoffizielle Treffen zwischen Selenskyj und Karol Nawrocki am Rande des NATO-Gipfels in Ankara. Podoljak begrüßt es: Polen sei aus vielen Gründen ein strategischer Partner – Transit, Waffenlieferungen, Unterstützung in Informationspolitik und Diplomatie. Man könne sogar sagen, Polen sei eine regionale Führungsmacht. Den Beginn einer Entspannung wolle er allerdings nur mit „sehr vorsichtigem Optimismus" beurteilen.
Sein Lösungsvorschlag: eine strikte Trennung der Ebenen. Die gegenseitigen historischen Vorwürfe gehörten in Arbeitsgruppen von Fachleuten, die nach Kompromissen suchten – eine langwierige und schwierige Arbeit. Vorrang aber müsse alles haben, was Gegenwart, Krieg und das von Russland ausgehende Risiko betreffe. Hier solle man gemeinsame militärische Programme entwickeln, etwa im Raketen- oder Drohnenbereich, und industrielle Bündnisse schaffen.
Auf die jüngste Verstimmung angesprochen – Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz hatte erklärt, Polen werde der Ukraine keine MiG-29-Kampfjets überlassen, weil Kiew die Weitergabe von Drohnentechnologie verweigert habe – wirbt Podoljak für Beteiligungsmodelle: Staaten könnten als Mitinvestoren oder Mitproduzenten auftreten. Die finanziellen Möglichkeiten Polens und die Rolle des Landes in Europa schüfen dafür gute Voraussetzungen. Die kursierenden Spekulationen würde er nicht überbewerten; oft handele es sich um emotionale Erklärungen, die wahltaktische oder mediale Vorteile bringen sollten. Weit besser wäre es, strategisch zu denken.
Beim eigentlichen Kern des Konflikts jedoch – Selenskyjs Entscheidung, eine Eliteeinheit nach den „Helden der UPA" zu benennen – weicht Podoljak keinen Millimeter. Man lebe heute in einer Welt, in der man die Geschichte eines anderen Landes so akzeptiere, wie sie sei, weil man dessen Souveränität anerkenne. „Sie können Ihre eigenen Helden haben, über sie sprechen und ihrer Namen gedenken, selbst wenn diese Menschen für uns keine Helden sind. Denn Sie sind souverän." Polen habe das Recht, Einheiten nach der Heimatarmee zu benennen, auch wenn die Ukraine deren Tätigkeit völlig anders bewerten könne. Mit der Entscheidung habe die Ukraine niemanden provozieren wollen; sie baue lediglich jene Identität auf, in der sie sich wiederfinden wolle.
In der UPA seien nicht alle negative Figuren gewesen, führt Podoljak aus, und nicht alle seien an jenen Ereignissen beteiligt gewesen, über die in Polen gesprochen werde. Viele ihrer Mitglieder hätten das getan, was Freiheitsbewegungen in verschiedenen Ländern getan hätten: Sie hätten am Aufbau staatlicher Eigenständigkeit mitgewirkt. Dafür stehe die UPA aus ukrainischer Sicht. Zudem, so der Präsidentenberater, solle man Ereignisse des Zweiten Weltkriegs auf dem Gebiet der heutigen Westukraine nicht allein durch das Prisma sowjetischer Geschichtsforschung betrachten; es gebe viele Belege dafür, dass die Sowjetunion Verkleidungs- und Täuschungstaktiken eingesetzt habe, um bestimmte Bewegungen zu diskreditieren.
Als die Interviewerin darauf verweist, Historiker schätzten, die UPA sei für die Ermordung von rund 120.000 Polen verantwortlich, und fragt, wie ein nachbarschaftliches Zusammenleben angesichts der unverheilten Wunde des Wolhynien-Verbrechens vorstellbar sei, antwortet Podoljak mit einer Gegenrechnung: In dieser langen Geschichte seien auch Zehntausende oder Hunderttausende Ukrainer getötet worden. Auch das sei schmerzhaft, auch das seien tragische Kapitel. Man könne von keinem Land verlangen, dass es vollständig auf seine Geschichte verzichte. Es gebe nur einen Weg: miteinander reden, aber nichts fordern. „Man darf keine Ultimaten stellen und verlangen, dass wir auf unsere Helden verzichten. So funktioniert das nicht."
Was funktionieren könne? „Wir müssen uns gegenseitig sagen: Wir verstehen eure Geschichte vielleicht nicht und bewerten sie anders, aber wir akzeptieren sie." Nur so könne es gelingen – „mit zusammengebissenen Zähnen und durch lange, schwierige Gespräche". Am Ende könne es gegenseitige Reue und Vergebung geben, oder auch nicht. Er selbst empfinde große Sympathie für Polen, weil er verstehe, welche Rolle das Land zu Beginn des Krieges für das Schicksal der Ukraine gespielt habe. „Wir werden uns auf die eine oder andere Weise immer einigen."
Die Vermutung, Selenskyj habe mit der Benennung angesichts wachsender nationalistischer Stimmungen um Unterstützung geworben, weist Podoljak zurück: Wegen des Krieges gebe es derzeit keinen Wahlzyklus, der Präsident sei nicht an kurzfristigen wahltaktischen Vorteilen interessiert. Es gehe ihm darum, die Gesellschaft gegen die russische Aggression mobilisiert und geeint zu halten. Der gegenwärtige Krieg sei ein Abnutzungskrieg, auch moralisch und psychologisch.
Die Entschließung des Europäischen Parlaments, das die Benennung der Einheit am Mittwoch bedauerte, nimmt der Präsidentenberater gelassen zur Kenntnis. Die Reaktionen der Partner seien wichtig, man werde darauf eingehen und den eigenen Standpunkt erläutern; so funktioniere Demokratie. Ob dies zum Stopp von Partnerschaftsprogrammen führen werde? „Nein. Das von Russland ausgehende Risiko und der von ihm entfesselte Krieg in der Ukraine sind wesentlich größer und schwerwiegender als historische Debatten."
Abschließend formuliert Podoljak das ukrainische Angebot an Europa: Die Ukraine wolle nicht nur nehmen. Sie habe Erfahrungen, Fähigkeiten, Technologien und Streitkräfte anzubieten und sei bereit, „zu einem europäischen Kontingent zu werden, das die Ostgrenze schützt". Wozu die Ukraine nicht bereit sei, seien Ultimaten. „Von Ihnen wollen wir eines: Gleichberechtigung", so Mychajlo Podoljak in der Gazeta Wyborcza.
DO RZECZY: Die Uniform kommt aus dem Paketautomaten
Zum Schluss ein Blick auf eine praktische Neuerung für angehende Militärs, über die das rechtskonservative Portal Do Rzeczy berichtet. Der stellvertretende Verteidigungsminister Cezary Tomczyk hat den Start eines Pilotprogramms angekündigt, mit dem polnische Soldaten Uniform und Ausrüstung künftig am Paketautomaten abholen sollen. Ab 2027 soll das System in den Streitkräften flächendeckend arbeiten.
„Das ist eine einfache, praktische Änderung", schrieb Tomczyk auf der Plattform X: Der Soldat bestelle die ihm zustehenden Bekleidungs- und Ausrüstungsgegenstände im militärischen IT-System und hole die Sendung anschließend an einem Paketautomaten seiner Wahl ab. „Ohne Warteschlangen. Ohne sich an die Öffnungszeiten des Magazins anpassen zu müssen. Schneller, bequemer und unter voller Wahrung der Privatsphäre." Derzeit nutzten mehr als 20.000 Soldaten das neue System, bis Jahresende sollten es rund 60.000 sein. 5.600 Bestellungen seien bereits eingegangen, über 6.200 Sendungen vorbereitet worden. Der Politiker der regierenden Bürgerkoalition (Koalicja Obywatelska, KO) dankte dem Inspektorat für die Unterstützung der Streitkräfte und sprach von einem wichtigen Schritt in der Digitalisierung der Militärlogistik.
Paketautomaten – auf Polnisch „paczkomaty" – sind in Polen allgegenwärtig. Betreiber ist das 1999 von Rafał Brzoska gegründete Unternehmen InPost, das im ersten Quartal 2026 einen Umsatz von 3,86 Milliarden Zloty auswies – ein Plus von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr – bei einem um vier Prozent gesunkenen bereinigten EBITDA von 902,2 Millionen Zloty. Die Zahl der Automaten wuchs um 30 Prozent auf 64.680. Im Januar dieses Jahres startete InPost zudem die Plattform InPost Easy für grenzüberschreitende Privatsendungen in acht europäischen Märkten, darunter Frankreich, Spanien, Italien und die Benelux-Staaten.
Autor: Adam de Nisau