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„Billionen Rubel für die Rüstung“

30.09.2026 12:00
Die Presse beschäftigt sich heute mit Russlands Vorbereitung auf einen langen Krieg, den wachsenden Militärausgaben und der angespannten Haushaltslage. Die „Rzeczpospolita“ hinterfragt zudem, wie zuverlässig die Informationen über die tatsächliche Lage an der Front sind. Und die „Gazeta Wyborcza“ analysiert die Krise der polnischen Fußball-Nationalmannschaft und die Folgen des häufigen Trainerwechsels.
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Bild:Sputnik /Dmitry Astakhov/Pool via REUTERS

Gazeta Wyborcza: Russland bereitet sich auf einen langen Krieg vor

Die „Gazeta Wyborcza“ beschäftigt sich mit den steigenden russischen Militärausgaben und sieht darin Anzeichen dafür, dass sich der Kreml auf einen langen Krieg vorbereitet. Unter der Überschrift „Billionen Rubel für die Rüstung“ berichtet die Zeitung, dass Russland seine Ausgaben für die Streitkräfte in den kommenden Jahren deutlich erhöhen will. Gleichzeitig gerät der russische Staatshaushalt durch das wachsende Defizit und sinkende Einnahmen aus Öl und Gas zunehmend unter Druck.

Nach Angaben der Zeitung, die sich auf eine Recherche der Nachrichtenagentur Reuters beruft, will Russland im kommenden Jahr rund 17,1 Billionen Rubel für die „Verteidigung“ ausgeben. Das wären umgerechnet etwa 200 Milliarden US-Dollar und rund 27 Prozent mehr als ursprünglich für 2027 geplant. Im Vergleich zu den für 2026 vorgesehenen 12,93 Billionen Rubel entspricht dies einem Anstieg von mehr als 32 Prozent. Die steigenden Rüstungsausgaben treffen allerdings auf eine zunehmend angespannte Haushaltslage. Das russische Finanzministerium hat seine Prognose für das Haushaltsdefizit 2026 deutlich nach oben korrigiert. Statt der ursprünglich erwarteten 3,8 Billionen Rubel beziehungsweise 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts werden nun rund 7,3 Billionen Rubel erwartet. Um das Defizit zu finanzieren, will Moskau stärker auf Kredite zurückgreifen. Zusätzlichen Druck erzeugen die sinkenden Einnahmen aus Öl und Gas. Die russische Regierung hat deshalb unter anderem neue Abgaben auf außerordentliche Gewinne von Unternehmen aus der Rohstoffindustrie angekündigt. Diese sollen dem Staatshaushalt rund 200 Milliarden Rubel zusätzlich einbringen.

Parallel dazu baut Russland seine Streitkräfte personell weiter aus. Präsident Wladimir Putin hat per Dekret die Gesamtstärke der russischen Armee um 150.000 auf rund 2,4 Millionen Menschen erhöht. Davon entfallen etwa 1,5 Millionen auf Soldaten. Nach Angaben des Portals Meduza ist dies bereits die vierte Erhöhung der Personalstärke innerhalb von vier Jahren.

Die Entwicklung steht zugleich im Kontrast zur Situation an der Front. Nach Angaben der „Gazeta Wyborcza“ hat die ukrainische Armee seit Jahresbeginn mehr als 700 Quadratkilometer zuvor von Russland besetzten Gebiets zurückerobert. Trotz dieser Rückschläge erhöht Moskau seine finanziellen und personellen Ressourcen für den Krieg weiter.


Rzeczpospolita: „Russische Generäle fälschen Karten für Putin“

Die Tageszeitung „Rzeczpospolita“ beschäftigt sich mit der Frage, wie realistisch die russischen Angaben über Geländegewinne in der Ukraine sind. Autor Andrzej Łomanowski schreibt, die russische Armee habe in diesem Jahr auf ihren Karten mehr als 5.000 Quadratkilometer ukrainischen Territoriums als erobert dargestellt. Damit entstehe der Eindruck, die russischen Truppen würden kontinuierlich Gelände gewinnen. Nach Angaben der Zeitung hätten westliche Militäranalysten bereits seit längerer Zeit erhebliche Unterschiede zwischen den russischen Lagekarten und der tatsächlichen Situation an der Front festgestellt. Der französische Analyst Clément Molin beziffert die Differenz inzwischen auf mehr als 5.000 Quadratkilometer. Unabhängige Experten stützten ihre Einschätzungen unter anderem auf Satellitenbilder und Aufnahmen von der Front.

Die „Rzeczpospolita“ sieht darin ein mögliches bekanntes Muster innerhalb der russischen Militärführung: Generäle versuchen, ihre Erfolge gegenüber der politischen Führung möglichst positiv darzustellen. Als Beispiele nennt die Zeitung die Frontabschnitte um Lyman und Kupjansk. Auf russischen Karten würden dort teilweise Gebiete als unter russischer Kontrolle dargestellt, obwohl ukrainische Truppen dort weiterhin präsent seien. Die Zeitung geht den möglichen Gründen für diese Diskrepanz nach. Ein von der Zeitung zitierter russischer Militäranalyst erklärt demnach, die russische Führung müsse militärische Erfolge möglichst eindeutig dokumentieren. Dazu würden unter anderem Soldaten mit russischen Flaggen an vermeintlich eroberten Stellungen fotografiert. Die Zeitung berichtet in diesem Zusammenhang von einem Vorfall in der Region Kupjansk: Ein russischer Soldat habe eine russische Flagge an einem Gebäude angebracht und sich dort fotografieren lassen. Wenige Tage später sei der Soldat unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen.

Je größer die Unterschiede zwischen russischen Militärkarten und unabhängigen Analysen ausfielen, desto mehr stelle sich die Frage, auf welcher Informationsgrundlage Entscheidungen im Kreml getroffen würden.

Gazeta Wyborcza „Polens Nationalmannschaft fällt auf den Tiefpunkt“

Die „Gazeta Wyborcza“ zieht nach der 1:3-Niederlage der polnischen Fußball-Nationalmannschaft gegen Schweden eine ernüchternde Bilanz. Seit 2018 habe Polen bereits sieben Nationaltrainer gehabt – so viele wie kaum eine andere Nationalmannschaft. Sportjournalist Dariusz Wołowski sieht das Problem allerdings nicht allein beim aktuellen Trainer Jan Urban, sondern vor allem in den strukturellen Schwächen des polnischen Fußballs.

Urban war vor rund zehn Monaten als Hoffnungsträger präsentiert worden. Zuvor hatte bereits Michał Probierz versucht, die Mannschaft neu aufzustellen. Auch unter ihm blieb der erhoffte Aufschwung jedoch aus. Die „Gazeta Wyborcza“ erinnert zudem an die kurze Amtszeit des Portugiesen Fernando Santos, der nach nur wenigen Monaten seinen Posten wieder verlor. Der häufige Trainerwechsel habe die grundlegenden Probleme der Nationalmannschaft nicht gelöst.

Wołowski kritisiert vor allem die hohen Erwartungen, die regelmäßig an die polnische Auswahl gestellt würden. Die Mannschaft werde mit den besten europäischen Teams verglichen, obwohl die Voraussetzungen dafür nicht immer gegeben seien. Als Beispiel nennt der Autor die jüngsten Ergebnisse in der WM-Qualifikation: Auf den Sieg gegen Albanien folgten Niederlagen gegen Finnland und die Niederlande. Im Spiel gegen Schweden verlor Polen schließlich mit 1:3.

Nach Einschätzung Wołowskis gibt es keine schnelle Lösung für die Probleme der Nationalmannschaft. Ein weiterer Trainerwechsel könne kurzfristig Veränderungen bringen, werde aber die grundlegenden Defizite nicht beseitigen. Entscheidend seien vielmehr die Ausbildung junger Spieler, die Nachwuchsarbeit und die langfristige Entwicklung des polnischen Fußballs.


Autor: Joachim Ciecierski

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