Deutsche Redaktion

Selenskyj bringt Gesetz für Nationales Pantheon auf den Weg

29.06.2026 06:42
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat dem Parlament einen Gesetzentwurf zur Einrichtung eines Nationalen Pantheons vorgelegt. Darin sollen nach seinen Worten die Namen aller Persönlichkeiten verewigt werden, die in verschiedenen Epochen für die Freiheit und Unabhängigkeit der Ukraine gekämpft haben.
Selenskyj: Niemand werde der Ukraine vorschreiben, welche Helden wir ehren.
Selenskyj: Niemand werde der Ukraine vorschreiben, „welche Helden wir ehren“.REUTERS/Alina Smutko


In einer Rede zum ukrainischen Verfassungstag erklärte Selenskyj, niemand werde der Ukraine vorschreiben, „wie wir leben, wie wir sprechen, wen wir lieben, wem wir dankbar sind und welche Helden wir ehren“. Die Namen der Kämpfer für die Ukraine sollten dauerhaft Teil der nationalen Erinnerung werden.

Die Initiative kommt vor dem Hintergrund der zuletzt deutlich verschlechterten Beziehungen zwischen Polen und der Ukraine. Ende Mai hatte Selenskyj einer Einheit der ukrainischen Spezialkräfte den Ehrennamen „Helden der UPA“ verliehen. Die Entscheidung löste in Polen scharfe Kritik aus, da die Ukrainische Aufständische Armee (UPA) in Polen für die Massaker an der polnischen Bevölkerung in Wolhynien während des Zweiten Weltkriegs verantwortlich gemacht wird.


Als Reaktion entzog der polnische Präsident Karol Nawrocki Selenskyj den Orden des Weißen Adlers. Der ukrainische Präsident schickte die Auszeichnung daraufhin nach Warschau zurück. In der Folge verzichteten Selenskyj und Außenminister Andrij Sybiha auf ihre Teilnahme an der Ukraine-Wiederaufbaukonferenz in Danzig. Die ukrainische Delegation wurde stattdessen von Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko geleitet.

Während Polen die Verbrechen der UPA als Völkermord einstuft, gelten die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) und die UPA in Teilen der ukrainischen Erinnerungskultur als Symbole des Unabhängigkeitskampfes gegen die Sowjetunion. Die unterschiedliche Bewertung gehört seit Jahren zu den sensibelsten Themen in den bilateralen Beziehungen.


PAP/jc

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Warum sind die Polen empört?

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OSW-Chef sieht tiefe Krise in den polnisch-ukrainischen Beziehungen

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Der Direktor des Zentrums für Oststudien (OSW), Wojciech Konończuk, hat dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vorgeworfen, die aktuelle Krise in den Beziehungen zu Polen selbst ausgelöst zu haben. In einem Interview mit dem Nachrichtenportal Interia sagte Konończuk, Selenskyj fühle sich durch die jüngsten Entwicklungen offenbar persönlich verletzt und mache nun Polen für die Spannungen verantwortlich.

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Kiew verfügt über keine gute Expertise zu seinem größten westlichen Nachbarn – einem wichtigen EU-Mitglied, das de facto die Funktion eines strategischen Hinterlands im Kampf gegen den Aggressor erfüllt – und will sie auch nicht haben, meint Osteuropaexperte Tadeusz Iwański. Und warnt: Der Streit wird uns noch lange begleiten, ganz zur Freude russischer Spezialisten für kognitive Kriegsführung.

„Polen steht im Kampf um historische Wahrheit allein"

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Als Karol Nawrocki Wolodymyr Selenskyj den Orden des Weißen Adlers aberkannte, wurde das ukrainische Internet von einer Welle der Solidarität erfasst. In Polen entbrannte eine mediale Auseinandersetzung. Eine Analyse zeigt eine tiefe mediale Kluft zwischen Polen und der Ukraine. Weder Vertreter der Europäischen Union noch die Anführer Deutschlands, Frankreichs oder der USA beharren dabei, dass die Ukraine mit der UPA und Stepan Bandera nicht in die Europäische Union aufgenommen werden könne. Polen stehe im Kampf um die historische Wahrheit damit weitgehend allein da. Polen habe der Ukraine Zeit zum Einlenken gegeben. Der historische Streit werde sich jedoch noch über mindestens eine weitere Generation hinziehen. Mehr dazu in der Presseschau.