Deutsche Redaktion

Sejmmarschall: Deutschland sollte Polen im Kriegsfall verteidigen

16.01.2026 08:00
Es sei gut möglich, dass Polen im Juni ein Abkommen mit Deutschland unterzeichnet, das eine Klausel ähnlich Artikel 5 des Nordatlantikvertrags enthält, sagte Sejmmarschall Włodzimierz Czarzasty in Berlin. Zugleich rief der Politiker die Regierung in Berlin dazu auf, Entschädigungen an die noch lebenden 55.000 polnischen Zwangsarbeiter des nationalsozialistischen Deutschlands zu zahlen.
Berlin, Deutschland, 13.01.2026. Sejmmarschall Włodzimierz Czarzasty (M) und Bundestagsprsidentin Julia Klckner (l.) bei der Kranzniederlegung am Denkmal fr die polnischen Opfer des Nationalsozialismus sowie der deutschen Besatzung und des Terrors in Polen in den Jahren 19391945 nahe dem Bundestag in Berlin.
Berlin, Deutschland, 13.01.2026. Sejmmarschall Włodzimierz Czarzasty (M) und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (l.) bei der Kranzniederlegung am Denkmal für die polnischen Opfer des Nationalsozialismus sowie der deutschen Besatzung und des Terrors in Polen in den Jahren 1939–1945 nahe dem Bundestag in Berlin.PAP/Albert Zawada

Polens Sejmmarschall, Włodzimierz Czarzasty, sprach am Donnerstag im Berliner Sitz der Denkfabrik DGAP. Eine kurze Einführung hielt der frühere deutsche Botschafter in Polen, Rolf Nikel. Zu Beginn seiner Rede stellte der Sejmmarschall fest, dass laut Meinungsumfragen in Polen das Vertrauen in Deutschland sinke. Mit Blick auf die polnisch-deutsche Zusammenarbeit, in der es „enorme Reserven“ gebe, dürfe man nicht passiv bleiben und sich „mit Populismus abfinden“, erklärte er. „Wir dürfen nicht zulassen, dass die Debatte über die Geschichte von zynischen Politikern dominiert wird, die weiterhin von den Gräbern und dem Leid der Opfer von vor 80 Jahren zehren. Davon müssen wir uns befreien. Genau deshalb ist meine erste Auslandsreise als Sejmmarschall nach Deutschland gegangen, um darüber zu sprechen“, sagte Czarzasty.

Entschädigungen für lebende Zwangsarbeiter
In diesem Zusammenhang rief er die Regierung in Berlin dazu auf, den noch lebenden 55.000 polnischen Zwangsarbeitern des nationalsozialistischen Deutschlands Entschädigungen zu zahlen. „Ich spreche nicht von Millionen. Ich spreche von Wiedergutmachung, von einer Geste, von einem Lächeln, von einer Umarmung, von den Worten: ,Wir erinnern uns an euch, wir respektieren euch‘“, sagte er.

Der Sejmmarschall appellierte zudem an die deutsche Seite, die „Verfahren zu verkürzen“ und rasch ein dauerhaftes Denkmal für die polnischen Opfer des Nationalsozialismus und der deutschen Besatzung in der Nähe des Bundestages zu errichten. Czarzasty betonte, es gebe „kein sicheres Polen ohne ein sicheres Deutschland und kein sicheres Deutschland ohne ein sicheres Polen“. Sehr wahrscheinlich sei es, dass im Juni ein Abkommen zwischen beiden Ländern unterzeichnet werde, das eine Klausel ähnlich Artikel 5 des Nordatlantikvertrags enthalte, kündigte er an.

Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschland
In einem Gespräch mit polnischen Medien nach seiner Rede bei der DGAP erklärte der Sejmmarschall, eines der Ergebnisse seines Besuchs in Deutschland solle die Schaffung einer „Form der parlamentarischen Zusammenarbeit“ zwischen beiden Ländern sein. Es solle nach dem Vorbild der Kooperation der Parlamente Polens und der Ukraine gestaltet werden. Zuvor hatte Czarzasty angekündigt, dass anlässlich des 35. Jahrestages des Weimarer Dreiecks in Polen ein Treffen der Parlamentspräsidenten Deutschlands, Frankreichs und Polens stattfinden werde. In nächster Zeit werde er dazu nach Paris reisen.

Ansatz zur Lösung der Reparationsfrage
Zum Abschluss seines Besuchs wurde der Sejmmarschall bei der Eröffnung der Plenarsitzung des Bundestages offiziell von dessen Präsidentin Julia Klöckner begrüßt. Während seines dreitägigen Aufenthalts in Berlin hat sich Czarzasty neben Klöckner, mit der er Kränze am provisorischen Denkmal für die polnischen Opfer des Nationalsozialismus und der deutschen Besatzung in Form des Erinnerungssteins niederlegte, auch mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier sowie dem deutschen Verteidigungsminister Boris Pistorius getroffen.

In den Gesprächen in der deutschen Hauptstadt hat der Sejmmarschall seinen Vorschlag zur Lösung der Frage der Kriegsreparationen unterbreitet. Er nannte unter anderem Entschädigungen für die noch lebenden polnischen Kriegsopfer sowie deutsche Investitionen in den Ausbau der Infrastruktur und in die Sicherheit.

PAP/dziennik/ps

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