Deutsche Redaktion
Folge uns auf Google

Folge uns auf Google, um unsere News immer ganz oben zu sehen.

Mehr Dialog statt öffentlicher Eskalation — Wolhynien-Debatte erreicht europäische Ebene — 10-Punkte-Plan für Gesundheitswesen

09.07.2026 10:45
Polen stehe vor der schwierigen Aufgabe, das Gedenken an Tragödien wie das Massaker von Wolhynien mit den langfristigen sicherheitspolitischen Interessen des Landes in Einklang zu bringen, betonen Experten in ihrer Stellungnahme für Dziennik/Gazeta Prawna. Außerden: Welche Lehren sollte die Ukraine aus dem Warnsignal aus dem Europäischen Parlament ziehen. Und: Wie kann man das Gesundheitssystem heilen? Mehr dazu in der Presseschau.
Oppositionsparteien sehen gut ein Jahr vor der Wahl in den wachsenden antie-ukrainischen Stimmungen eine Chance, an die Macht zurckzukehren. Der Rzeczpospolita nach knnte diese Strategie fr Polen jedoch ber Jahrzehnte hinweg verheerende geopolitische Folgen haben.
Oppositionsparteien sehen gut ein Jahr vor der Wahl in den wachsenden antie-ukrainischen Stimmungen eine Chance, an die Macht zurückzukehren. Der Rzeczpospolita nach könnte diese Strategie für Polen jedoch über Jahrzehnte hinweg verheerende geopolitische Folgen haben.TT/@ua_parliament

DZIENNIK/GAZETA PRAWNA: Mehr Dialog statt öffentlicher Eskalation

Die polnisch-ukrainischen Beziehungen befinden sich nach Einschätzung von Experten in einer der schwierigsten Phasen seit Beginn der russischen Invasion. Streit über historische Fragen, Spannungen in der politischen Kommunikation und die veränderte internationale Stellung der Ukraine zwingen beide Seiten dazu, ihr Verhältnis zueinander neu zu definieren. Gleichzeitig befindet sich auch die europäische Sicherheitsordnung im Wandel. Symbol dafür sei der jüngste NATO-Gipfel gewesen, auf dem die Verknüpfung von Sicherheits- und Rüstungspolitik stärker denn je in den Vordergrund rückte, schreibt das Wirtschaftsblatt Dziennik/Gazeta Prawna.

Zu diesen Entwicklungen haben in der Tageszeitung die Professoren Stanisław Koziej, Stanisław Mazur und Artur Nowak-Far sowie Wiktor Babiński Stellung bezogen. Nach Ansicht der Experten erfordert die derzeitige Krise zwischen Warschau und Kiew vor allem eine nüchterne Analyse der Lage. Polen dürfe seine Außenpolitik nicht ausschließlich von Emotionen leiten lassen – auch dann nicht, wenn historische Themen starke gesellschaftliche Reaktionen hervorrufen. Die Experten betonen, Polen stehe vor der schwierigen Aufgabe, das Gedenken an Tragödien wie das Massaker von Wolhynien mit den langfristigen sicherheitspolitischen Interessen des Landes in Einklang zu bringen.

Der ehemalige Generalstabschef Stanisław Koziej spricht sich dafür aus, die direkten Kommunikationskanäle zwischen den Regierungen beider Staaten wiederherzustellen. Konflikte über die Medien auszutragen, verschärfe lediglich die Spannungen. Notwendig seien offene politische Gespräche hinter verschlossenen Türen. Artur Nowak-Far plädierte für die Einrichtung einer gemeinsamen polnisch-ukrainischen Historikerkommission unter der Schirmherrschaft beider Präsidenten. Diese sollte nicht nur wissenschaftliche Forschung betreiben, sondern auch gemeinsame Unterrichtsmaterialien für Schulen in beiden Ländern erarbeiten.

Nach Einschätzung von Stanisław Mazur verfolgt die ukrainische Führung heute eine stärker realpolitisch geprägte Politik. Kiew wolle als gleichberechtigter Partner wahrgenommen werden, der über beträchtliches militärisches und wirtschaftliches Potenzial verfüge. Dadurch würden die Beziehungen zu Polen künftig immer stärker den klassischen Beziehungen zweier Staaten gleichen, die jeweils ihre eigenen nationalen Interessen verfolgen.

Gemeinsame Wirtschaftsprojekte könnten nach Auffassung der Diskutanten dazu beitragen, politische Spannungen abzubauen, ohne den notwendigen historischen Dialog zu ersetzen. Als zusätzliche Herausforderung nannten die Experten die innenpolitische Entwicklung in beiden Ländern. Sowohl in Polen als auch in der Ukraine hätten bereits politische Prozesse im Vorfeld kommender Wahlen begonnen.

Sie warnen davor, dass die Versuchung groß sein werde, historische und nationale Themen im Wahlkampf zu instrumentalisieren. Dadurch könnte eine rationale Außenpolitik weiter erschwert werden, lesen wir in Dziennik/Gazeta Prawna.

FAKT: Wolhynien-Debatte erreicht die europäische Ebene

Das Europäische Parlament hat eine Resolution zur Ukraine verabschiedet, die auch die Entscheidung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj thematisiert, eine Eliteeinheit der Streitkräfte nach den „Helden der UPA“ zu benennen. Der ehemalige polnische Botschafter in der Ukraine, Jan Piekło, wertet dies im Gespräch mit der Zeitung Fakt als Zeichen dafür, dass die Debatte über das Massaker von Wolhynien inzwischen auch auf europäischer Ebene angekommen ist. Das Europäische Parlament habe damit „ein Warnsignal“ an Kiew gesendet.

In der gestern (8. Juli) verabschiedeten Resolution bedauert das Parlament die „jüngste unnötige und unprovozierte Eskalation“, die durch Selenskyjs Entscheidung ausgelöst worden sei. Die Abgeordneten äußerten zudem ihr Bedauern darüber, dass – insbesondere angesichts der unerschütterlichen Unterstützung Polens für die Ukraine im Abwehrkampf gegen die russische Aggression – nicht berücksichtigt worden sei, wie sensibel dieses Thema für die polnische Gesellschaft angesichts der Zehntausenden Opfer der UPA und ihrer Angehörigen sei.

Nach Einschätzung des früheren Botschafters Jan Piekło ist der Streit um die historische Erinnerung inzwischen kein ausschließlich bilaterales Thema mehr. Die Verbrechen von Wolhynien würden zunehmend auch international wahrgenommen. Der ehemalige Botschafter erklärte, mit einer entsprechenden Reaktion des Europäischen Parlaments habe er gerechnet. Er sei davon überzeugt gewesen, dass das Parlament letztlich ein solches Warnsignal aussenden werde.

Nach Auffassung Piekłos kann die Resolution des Europäischen Parlaments als Warnung an die Ukraine verstanden werden. Gleichzeitig liefere sie jenen EU-Staaten Argumente, die einer raschen Aufnahme der Ukraine in die Europäische Union skeptisch gegenüberstehen. Die Ukraine müsse daraus ihre Lehren ziehen, so Piekło in der Tageszeitung Fakt.

ZERO.PL: Gesundheit ist kein Markt: Experten präsentieren Reformleitlinien

Nach mehreren Skandalen im polnischen Gesundheitswesen hat in Polen eine breite Debatte über eine grundlegende Reform des Systems begonnen. Das Nachrichtenportal Zero.pl veröffentlichte dazu einen Zehn-Punkte-Katalog mit Leitprinzipien für die Neuausrichtung des Gesundheitswesens. Verfasst wurde er von den Medizinern Tomasz Imiela und Maria Libura sowie den Wissenschaftlern Jan Oleszczuk-Zygmuntowski und Michał Zabdyr-Jamróz.

Die Autoren sehen das polnische Gesundheitssystem vor einer tiefgreifenden Reform, die den Patienten in den Mittelpunkt stellen müsse – und nicht wirtschaftliche Interessen oder institutionelle Strukturen. Ihrer Ansicht nach sind sowohl die Prioritäten als auch die Organisation der Gesundheitsversorgung grundlegend neu auszurichten. Gesundheit dürfe weder als Marktgut noch als Instrument der Wirtschaftspolitik verstanden werden. Sie sei vielmehr ein Bürgerrecht und eine grundlegende Voraussetzung für individuelle Freiheit, Erwerbsarbeit, familiäre Sicherheit und die Entwicklung des Staates.

Als wichtigster Grundsatz ihres Reformkatalogs formulieren die Autoren deshalb die Verpflichtung, das öffentliche Gesundheitssystem vor einer zunehmenden Kommerzialisierung und vor Akteuren zu schützen, für die wirtschaftlicher Gewinn wichtiger sei als die Gesundheit der Menschen. Nach Auffassung der Autoren sollte das Wohl der Patienten künftig der entscheidende Maßstab für jede strukturelle Veränderung des polnischen Gesundheitssystems sein, lesen wir in Zero.pl.

Autor: Jakub Kukla


Krankenhausaffäre in Warschau weitet sich aus

25.06.2026 06:49
Nach schweren Vorwürfen gegen das Warschauer Południowy-Krankenhaus hat Polens Ministerpräsident Donald Tusk eine umfassende Aufklärung angeordnet. Justizminister und Generalstaatsanwalt Waldemar Żurek soll die Ermittlungen persönlich überwachen. Alle Aspekte des Falls müssten lückenlos aufgeklärt werden, erklärte Tusk am Mittwoch.

Stimmungswechsel nach G7-Gipfel - russische Propaganda bei Wikimedia - Krankenhausskandal gefährdet Regierung

25.06.2026 12:04
Im Krieg in der Ukraine glauben beide Seiten, sie seien am Gewinnen – und stellen ihre eigenen Bedingungen, schreibt die Rzeczpospolita. Außerdem: Russische Propaganda sickert offenbar gezielt in jene Datenbanken, aus denen künstliche Intelligenz ihr Wissen über die Welt bezieht. Und: Wird der Krankenhausskandal rund um VIP-Behandlungen für Politiker die Regierungskoalition die Macht kosten? Mehr dazu in der Presseschau.

"Wir nehmen keine Ultimaten an". Kyjiw warnt vor Wolhynien-Jahrestag vor neuem Streit mit Polen

07.07.2026 10:52
Kurz vor dem Wolhynien-Jahrestag warnt Kyjiw vor neuen Spannungen mit Polen. Im Kern steht ein ungelöster Streit: Polen spricht von Völkermord, viele ukrainische Stimmen von einem beidseitigen historischen Konflikt.

„Polen verliert seinen Einfluss in der Ukraine"

08.07.2026 13:30
Polen verliert seinen Einfluss in der Ukraine und könnte aus Friedensgesprächen ausgeschlossen werden. Polen sollte seine Unterstützung für die Ukraine sorgfältiger abwägen. In der Ukraine werde Polen nämlich als reines Geberland wahrgenommen. Die größte Sorge des ukrainischen Präsidenten sei offenbar, wie leicht sein eigener Botschafter in London ihm die Macht entreißen könnte. Polen hat ein Problem mit der Dauer der Aufenthaltsverfahren – auch für Staatsangehörige hochentwickelter Länder, die für Investitionen in Polen von Bedeutung sind. Mehr dazu im Pressespiegel vom Mittwoch.

Europäisches Parlament kritisiert Selenskyjs UPA-Entscheidung

08.07.2026 13:33
In dem angenommenen Text wird die Entscheidung von Präsident Wolodymyr Selenskyj als unnötige und nicht provozierte Eskalation bezeichnet. Eine weitergehende Änderung der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer, die den Beitrittsprozess der Ukraine an Zugeständnisse im UPA-Streit binden sollte, fand keine Mehrheit. 

EP-Resolution zur UPA: „Polen hat Einfluss in der EU“

09.07.2026 08:20
Ein EU-Beitritt, ohne die Achtung europäischer Grundwerte, sei nicht möglich, erklärte Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz zur Resolution des Europäischen Parlaments, die unter anderem die ukrainische Aufständische Armee UPA aus dem Zweiten Weltkrieg betrifft. Außenminister Radosław Sikorski zufolge, zeige dies der Ukraine, dass Polen als Mitglied der Europäischen Union innerhalb der Gemeinschaft Einfluss habe.