Rzeczpospolita: Seltene Helden unserer Gegenwart
Ruslan Szoszyn widmet seinen Kommentar in der Rzeczpospolita der Person Andrzej Poczobuts. Ihm nach verdiene seine Haltung Bewunderung und Respekt. Wenn man nach heutigen Helden oder Vorbildern suche, so eigne sich der polnische Journalist und einer der Anführer der polnischen Minderheit in Weißrussland wie kaum ein anderer für diese Rolle. An markanten Persönlichkeiten, die aus bequemen Fernsehsesseln mit dem Säbel rasseln, mangele es heute nicht. Doch in Zeiten der Bewährung entscheiden sich solche Menschen meist für den Komfort. Poczobut aber sei seinen Werten treu geblieben. Er habe das Risiko gewählt und einen Schritt ins Ungewisse gemacht. Schließlich hat auch er eine Frau und Kinder, lesen wir.
Man habe ihn gedrängt, in Polen zu bleiben. Hier hätte er sich ein sorgenfreies Leben aufbauen können. Am Dienstag kehrte er jedoch nach Grodno zurück. Zu der Sache, der er sein gesamtes bewusstes Leben gewidmet hat. Zu den Menschen, die ihn nicht vergessen haben, als er mehr als fünf Jahre in den Kerkern des weißrussischen Diktators verbrachte.
Die Rückkehr Poczobuts nach Weißrussland bedeute jedoch keine Tauwetterperiode, fährt der Autor fort. Polens östlicher Nachbar bleibe ein Land mit Hunderten politischen Gefangenen, in dem man sich nur leise bewegen und nicht offen aussprechen könne, was man denkt. Doch ohne die Entscheidung von Diktator Alexander Lukaschenko hätte Poczobut nicht einmal die Grenze überqueren können. Schoschin nach lassen sich daraus einige interessante Schlüsse ziehen.
Erstens habe Lukaschenko sein Wort gehalten. Als er Poczobut zur Ausreise bewegte, habe er ihm versichert, dass er in seine Heimat zurückkehren könne. Minsk habe in dieser Frage eine entsprechende Vereinbarung mit der Regierung von Donald Trump getroffen, der zur Freilassung des Journalisten beigetragen hatte. Das zeige, wie wichtig dem Regime eine Verbesserung der Beziehungen zu den USA sei – angesichts der geopolitischen Unsicherheit und des andauernden russischen Krieges gegen die Ukraine, so das Blatt.
Zweitens, lesen wir, suche Minsk auch nach Wegen aus der Sackgasse in den Beziehungen zur Europäischen Union. Alle diese Wege führen über Warschau. Ein wichtiger Test, der die Zukunft der polnisch-weißrussischen Beziehungen beeinflussen werde, sei der von der Vorsitzenden des Verbands der Polen in Weißrussland, Andżelika Borys, zuletzt in Białystok angekündigte Versuch, die Tätigkeit des Verbands zu legalisieren. Nach Informationen der Tageszeitung führe Warschau darüber Gespräche mit den weißrussischen Behörden. Die Erwartungen Minsks würden dabei über Fragen der Zukunft der polnischen Minderheit hinaus gehen.
Drittens habe Trumps Gesandter für die Beziehungen zu Weißrussland, John Coale, der persönlich bereits Hunderte politische Gefangene aus den Straflagern geholt hat, kürzlich angedeutet, dass weitere Gefangene freikommen könnten. Derzeit befinden sich dort fast 900 Menschen hinter Gittern. Das eröffne die Möglichkeit weiterer Kontakte zwischen Minsk und Washington.
Wie der Autor abschließend schreibt, deute all dies darauf hin, dass Lukaschenko nicht den Weg eines von der Welt isolierten Nordkoreas oder der von Russland besetzten Krim einschlagen wolle. Er suche den Kontakt zum Westen und halte sich krampfhaft an Trump. Sein Angebot an die freie Welt bleibe jedoch weiterhin unklar, schreibt Ruslan Schoschin in der Rzeczpospolita.
DoRzeczy: Kinder deutscher, linker Eliten lernen an katholischen Schulen
Der Analyst am West-Institut und Buchautor, Krzysztof Rak, kommentiert für DoRzeczy die Lage auf der deutschen politischen Bühne vor dem Hintergrund des Sieges der deutschen Rechten in Sachsen-Anhalt. Es geht auch um einige der wichtigsten Programmpunkte der Alternative für Deutschland, darunter die Abschaffung von Sozialleistungen für Migranten und der Beginn ihrer Abschiebung.
Jahrzehntelange Masseneinwanderung aus Afrika und dem Nahen Osten habe Rak zufolge nicht nur zu einem erheblichen Rückgang der Sicherheit, sondern auch zu einem drastischen Absinken der Bildungsqualität geführt. Die deutschen Eliten haben Migranten aus Syrien oder Afghanistan ins Land geholt. Seit Jahren tragen dafür gewöhnliche Deutsche die Folgen. Die Eliten selbst würden dagegen in abgeschotteten, bewachten Wohnsiedlungen wohnen. Ihre Kinder besuchen Privatschulen, fern von Migranten.
Wie Rak erklärt, stelle die politische Korrektheit ein zusätzliches Problem dar. Die Deutschen hätten Angst, offen zu sagen, was sie wirklich über die Masseneinwanderung denken. Der Analyst nennt mehrere Beispiele aus seinem deutschen linken Bekanntenkreis. Diese hätten ihre Kinder gerade deshalb auf katholische Schulen geschickt, weil es dort in der Regel keine Migranten gebe und die Bildung auf einem höheren Niveau stehe. Rak fügt hinzu, in den deutschen Bundesländern gelte die Regel: Wo die Linke regiert, liegt das Bildungswesen stets am Boden. Wohlhabende linke Eliten schicken ihre Kinder deshalb auf katholische Schulen, weil sie ihnen eine gute Ausbildung ermöglichen wollen.
Zu den Forderungen der AfD im Kampf gegen die Masseneinwanderung dämpft der Experte den Optimismus. Das Problem in Deutschland sei gewaltig, denn es gehe um Millionen Menschen. Während sich die Sozialleistungen kürzen ließen, werde es bei der Rückkehr von Migranten in ihre Herkunftsländer deutlich schwieriger, heißt es.
In der deutschen Bevölkerung gebe es eine breite Unterstützung, wenn es um die Kürzung von Sozialleistungen für Migranten gehe. Diese seien so großzügig, dass sich Arbeit für sie nicht lohne. Sogar die regierende CDU/CSU sei bereits bei den vergangenen Wahlen mit der Forderung angetreten, die Sozialleistungen für Migranten zu begrenzen. Ihr Koalitionspartner, die SPD, habe dem letztlich jedoch nicht zugestimmt.
Schwieriger werde es bei den von der AfD angekündigten Abschiebungen, fährt der Experte fort. Abschiebungen von Menschen, die sich illegal im Land aufhalten, fänden bereits statt. Nach Ansicht Raks seien jedoch die legal im Land lebenden Migranten das größere Problem. Sobald sie die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten, stehen sie unter dem Schutz der Verfassung. Ihre Abschiebung aus dem Land werde daher sehr schwierig, lautet seine Schlussfolgerung für DoRzeczy.
Moscow Times: Jeder zweite Russe weist Symptome einer Depression auf
Bei fast der Hälfte der Russen wurden Symptome einer Depression festgestellt, jeder dritte Befragte soll unter Angstzuständen leiden. Das geht aus dem Monitoring des Instituts für Psychologie der Russischen Akademie der Wissenschaften hervor. Nach Angaben der Autoren wirken sich vor allem die negativen wirtschaftlichen Erwartungen und die schwindende Hoffnung auf ein schnelles Ende des Krieges auf die psychische Verfassung der Gesellschaft aus. Dem Institut zufolge habe das Wachstum der russischen Wirtschaft deutlich an Dynamik verloren. Im zivilen Sektor sei ein Rückgang der Aktivität zu verzeichnen. Auch das Wachstum von Löhnen und Einkommen habe sich verlangsamt, während die Inflation weiterhin steige. In Umfragen der Stiftung für Öffentliche Meinung (FOM), die im Auftrag der russischen Zentralbank durchgeführt wurden, sei der Index der Verbrauchererwartungen zudem im Sommer unter 100 Punkte gefallen. Diese Grenze trenne optimistische von pessimistischen Erwartungen.
Das niedrigste Niveau des psychischen Wohlbefindens wurde bei Menschen im Alter von 25 bis 34 Jahren festgestellt. Nach Angaben der Forscher verschlechtere sich ihr emotionaler Zustand seit dem Frühjahr. Besonders anfällig für psychische Probleme seien Russen mit niedrigem Einkommen. Einwohner großer Städte würden häufiger über Symptome einer Depression sprechen, während Angstzustände häufiger auf dem Land auftreten.
Wie die Forscher betonen, seien die Zusammenhänge gegenseitiger Natur. Wirtschaftliche Probleme können die psychische Verfassung verschlechtern. Depressionen und Angstzustände können zugleich die wirtschaftliche Aktivität der Gesellschaft bremsen. Dadurch könne sich, so die Warnung, ein Mechanismus gegenseitig verstärkenden Pessimismus herausbilden.
Nach Angaben, auf die The Moscow Times verweist, kaufen die Russen bereits das dritte Jahr in Folge Rekordmengen an Antidepressiva. Aus der Studie gehe zudem hervor, dass bis zu 66 Prozent der Befragten Sorgen um ihre finanzielle Lage äußern. Das Institut für Psychologie der Russischen Akademie der Wissenschaften habe auch einen starken Rückgang des Anteils der Russen festgestellt, die glauben, Einfluss auf die Ereignisse in ihrem Leben zu haben. Die Forscher warnen, dass das anhaltende Gefühl der Unsicherheit langfristige gesellschaftliche Folgen haben könnte, darunter verheerende Auswirkungen auf die demografische Entwicklung Russlands.
Autor: Piotr Siemiński